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Ashwagandha Wirkung: Was die Schlafbeere kann und wovor Behörden warnen

Ashwagandha-Kapseln in einem durchsichtigen Gefäß
Aktualisiert: Von greenya Redaktion

Für Ashwagandha ist in der EU keine einzige gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät seit September 2024 zur Zurückhaltung. Die Ashwagandha Wirkung auf Stress und Schlaf zeigt sich bisher nur in kleinen Studien von meist 8 Wochen Dauer. Zugleich häufen sich Fallberichte über Leberschäden nach der Einnahme.

Ashwagandha: Studienlage, Risiken und Rechtslage

  • Das BfR rät in seiner Mitteilung 039/2024 vom 10. September 2024 Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankungen von Ashwagandha-Präparaten ab.
  • Eine Meta-Analyse von 2025 mit 15 Studien und 873 Teilnehmern fand nach 8 Wochen weniger Stress und Angst, aber keine bessere Lebensqualität.
  • Dänemark hat Ashwagandha nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW im April 2023 als erstes EU-Land in Nahrungsergänzungsmitteln verboten.
  • Im Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW von 2026 trugen nur 10 von 73 Ashwagandha-Produkten Warnhinweise für alle Risikogruppen. 63 Produkte ließen mindestens eine Gruppe aus.
  • Das niederländische Institut RIVM wertete 2024 neun Fallberichte zu Ashwagandha aus, sieben davon betrafen Leberschäden.
  • Weder das BfR noch das RIVM noch die französische Behörde ANSES konnten eine gesundheitlich unbedenkliche Tagesmenge für Ashwagandha ableiten.

Ashwagandha Wirkung: Die Wurzel der Heilpflanze Schlafbeere im Faktencheck

Ashwagandha ist die Wurzel der Schlafbeere (Withania somnifera), eines Nachtschattengewächses. In der traditionellen indischen Heilkunde Ayurveda gilt die Schlafbeere als Heilpflanze. In Europa kommt Ashwagandha in Form von Nahrungsergänzungsmitteln als Kapsel oder Pulver in den Handel. Welcher Wirkstoff welchen Effekt auslöst, lässt sich bis heute nicht eindeutig benennen.

Im Deutschen heißt die Pflanze auch Winterkirsche. Der Beiname „der indische Ginseng“ führt in die Irre, denn mit Ginseng ist sie nicht verwandt. Die Ware für Nahrungsergänzungsmittel stammt vor allem aus Indien. Als biologisch wirksam gelten zwei Stoffgruppen: Withanolide, chemisch Steroidlactone, und Alkaloide. Händler nennen Ashwagandha ein Adaptogen. Gemeint ist eine Pflanze, die dem Körper helfen soll, sich an Stress anzupassen. Rechtlich trägt der Begriff nichts. Hersteller haben eine Angabe zu den adaptogenen Eigenschaften zwar bei der EU-Lebensmittelbehörde EFSA beantragt. Eine Bewertung dazu hat die EFSA laut Marktcheck aber bisher nicht veröffentlicht.

Die Liste der beworbenen Eigenschaften von Ashwagandha ist lang. Shops versprechen, dass Ashwagandha das Immunsystem stärkt und hilft, Cortisol zu regulieren. Hinzu kommen Stressabbau, bessere Schlafqualität, mehr Libido und Testosteron, kognitive Leistung, eine entzündungshemmende Wirkung und Hilfe beim Abnehmen. Mit antioxidativen Eigenschaften soll die Wurzel außerdem gegen oxidativen Stress schützen. Manche Anbieter dehnen die gesundheitlichen Vorteile von Ashwagandha bis auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Die Prüfer der Verbraucherzentrale fanden 2026 Werbung mit Stressabbau, Schlaf, Konzentration, Muskelaufbau, Cortisol und Abnehmen. Sie stufen solche Aussagen als unzulässig ein. Wer die ayurvedische Küche schätzt, kommt mit ayurvedischen Gewürzen wie Kurkuma und Ingwer ohne Hochdosis-Kapsel aus.

Der traditionelle Aufguss aus der Wurzel und das moderne Produkt haben wenig gemeinsam. Markenextrakte wie KSM-66 sind auf Withanolide standardisiert. KSM-66 steckte in 26 der 73 geprüften Produkte. Noch 2013 wiesen Hersteller 1,5 bis 8 Prozent Withanolide aus, heute sind es laut Marktcheck 5 bis 35 Prozent. Die Anwendung der Schlafbeere in der ayurvedischen Medizin taugt deshalb kaum als Sicherheitsbeleg für einen Ashwagandha-Extrakt von heute.

Ashwagandha Erfahrungen: Warum Einzelberichte keine Belege sind

Erfahrungsberichte in Shops und sozialen Medien klingen oft begeistert. Über die Wirkung der Pflanze sagen sie wenig. Stress und Schlaf sind subjektive Größen, bei denen schon die Erwartung viel verändert. Seriöse Studien vergleichen deshalb gegen ein Scheinpräparat. Nach Angaben der Verbraucherzentrale hat das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein im Juli 2026 Aussagen eines Anbieters zur Stressbewältigung unterbunden (Az. 6 U 48/25). Wissenschaftlich belegt sind die versprochenen positiven Wirkungen nach der Bewertung des Bundesinstituts nicht.

Wie gut ist die Wirkung von Ashwagandha auf Stress und Schlaf belegt?

Die Wirkung von Ashwagandha auf Stress und Schlaf ist bisher nur unsicher belegt: Studien zeigen messbare Effekte, sind aber klein und kurz. Eine Meta-Analyse von 2025 wertete 15 randomisierte Studien mit 873 Erwachsenen aus. Nach 8 Wochen lagen die Werte für Stress und Angst niedriger, ebenso der Spiegel des Stresshormons Cortisol. Die Lebensqualität verbesserte sich nicht. Daten zur Langzeiteinnahme fehlen.

Die Auswertung erschien im Fachjournal BJPsych Open. Auf der Perceived Stress Scale sank der Wert um 4,88 Punkte, auf der Hamilton-Angstskala um 3,52 Punkte gegenüber Placebo. Zum Schlaf liegt eine Meta-Analyse von Cheah und Kollegen aus dem Jahr 2021 vor (PLoS ONE). Sie umfasst 5 Studien mit 400 Teilnehmern und fand einen kleinen, aber signifikanten Effekt. Deutlicher fiel er bei mindestens 600 mg Extrakt pro Tag aus, bei mindestens 8 Wochen Dauer und bei Menschen mit Schlafstörung. Die Autoren schreiben selbst, dass die Sicherheitsdaten für eine Langzeiteinnahme nicht ausreichen.

Die US-Gesundheitsbehörde NIH nennt die meisten Studien zu Stress „ziemlich klein“ und von kurzer Dauer. Alle Schlafstudien liefen in Indien. Jede Studie nutzte ein anderes Präparat. Welcher Extrakt in welcher Menge wirkt, lässt sich deshalb kaum sagen. Die französische Behörde ANSES bewertet die Qualität der klinischen Studien als sehr unterschiedlich. Sie dokumentiert Fälle, in denen der Extrakthersteller das Präparat stellte oder die Studie finanzierte.

Wirkversprechen für Ashwagandha Studienlage Behördeneinschätzung
Ashwagandha gegen Stress und Angst Meta-Analyse 2025 (15 Studien, 873 Teilnehmer): niedrigere Stress- und Angstwerte nach 8 Wochen, Lebensqualität unverändert BfR 2024: Wirkung wissenschaftlich nicht belegt; keine zugelassene EU-Angabe
Ashwagandha senkt Cortisol Dieselbe Meta-Analyse 2025: Cortisol sinkt nach 8 Wochen RIVM 2024: ein Fallbericht mit unterdrückter Nebennierenfunktion
Ashwagandha für besseren Schlaf Meta-Analyse 2021 (5 Studien, 400 Teilnehmer): kleiner, aber signifikanter Effekt BfR: Schläfrigkeit und Benommenheit zählen zu den Nebenwirkungen; ANSES rät vom Autofahren unter Ashwagandha ab
Ashwagandha für mehr Testosteron Einzelne Studien an Männern über 8 Wochen mit steigenden Testosteronwerten DTU 2020: Einfluss auf Sexualhormone ist ein mögliches Gesundheitsrisiko
Ashwagandha für ein stärkeres Immunsystem Klinische Studien berichten eine stärkere Immunantwort (Auswertung RIVM) BfR: Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva möglich
Ashwagandha regt die Schilddrüse an Eine 8-Wochen-Studie deutet auf steigende Thyroxinwerte hin (Auswertung ANSES) RIVM: Fallbericht einer Schilddrüsenüberfunktion; ANSES rät Schilddrüsenpatienten ab

Die Tabelle zeigt ein Muster, das in Shop-Texten fehlt: Derselbe Messwert hat zwei Lesarten. Händler verkaufen ihn als regulierende Wirkung. Behörden werten ihn als Eingriff in das Hormonsystem eines gesunden Menschen. Sinken Werte bei Stresshormonen wie Cortisol oder steigen Schilddrüsenhormone, ist das kein Wellness-Effekt. Es ist ein Grund, genauer hinzusehen.

Ashwagandha Nebenwirkungen: Leber, Schilddrüse und Hormonsystem

Zu den berichteten Nebenwirkungen von Ashwagandha zählt das BfR Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschläge. Schwerer wiegen Fallberichte über Leberschäden bis zum akuten Leberversagen. Hinzu kommen Hinweise auf unerwünschte Effekte auf Schilddrüse, Cortisol, Blutzucker und Sexualhormone.

Die NIH-Datenbank LiverTox (Stand Dezember 2024) stuft Ashwagandha als wahrscheinliche Ursache klinisch erkennbarer Leberschäden ein. Typisch ist ein Beginn 2 bis 12 Wochen nach dem Start der Einnahme, oft mit Gelbsucht und Juckreiz. Die meisten Fälle heilten binnen 1 bis 4 Monaten nach dem Absetzen aus. Vereinzelt kam es zu Lebertransplantationen und Todesfällen, vor allem bei vorgeschädigter Leber.

In den Niederlanden fanden die Gutachter des RIVM 2024 neun veröffentlichte Fallberichte: sieben Leberschäden, eine Schilddrüsenüberfunktion, eine unterdrückte Nebennierenfunktion. Die Betroffenen hatten bis zu 1.350 mg Extrakt täglich genommen. Solche Mengen liefern auch handelsübliche Kapseln. Müdigkeit, Übelkeit, Juckreiz, dunkler Urin oder gelbe Haut sind Warnzeichen. Dann gilt: Präparat absetzen, ärztlich abklären lassen.

Ist Ashwagandha gefährlich?

Ja, für einzelne Menschen kann Ashwagandha gefährlich werden, auch wenn die meisten gesunden Erwachsenen die Wurzel kurzfristig vertragen. Das Vorurteil „pflanzlich heißt harmlos“ hält den Fakten nicht stand. Nahrungsergänzungsmittel durchlaufen anders als Arzneimittel keine Zulassung, für die Sicherheit haftet allein der Hersteller. Die niederländischen Gutachter halten es für unwahrscheinlich, dass ein großer Teil der Bevölkerung Schaden nimmt. Empfindliche Personen können jedoch schwer reagieren, und niemand weiß vorab, wer dazugehört. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat für die Wurzel keine Pflanzenmonografie verabschiedet.

Ashwagandha für Frauen: Schwangerschaft, Stillzeit und Kinderwunsch

Ashwagandha bei Frauen ist ein eigenes Kapitel, denn die Wurzel diente traditionell auch als Abtreibungsmittel. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät deshalb von der Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit ab. Dasselbe empfehlen die Behörden in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Die Verbraucherzentrale nennt zusätzlich Frauen mit Kinderwunsch: In einer sehr frühen Schwangerschaft könnte Ashwagandha das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen. Ungeklärt ist, ob Withanolide im Körper wie ein Hormon wirken oder an Hormonrezeptoren andocken. Schwangere und stillende Frauen sollten vollständig verzichten.

Ashwagandha Dosierung und Einnahme: Studien, Höchstmengen, Marktcheck

Eine behördlich empfohlene Dosierung von Ashwagandha gibt es in Deutschland nicht. Studien zu Stress setzten laut NIH 240 bis 1.250 mg Extrakt pro Tag ein, Schlafstudien 250 bis 600 mg des Wurzelextrakts KSM-66. Eine Sicherheitsstudie nutzte zweimal täglich 300 mg. Polen begrenzt die Tagesmenge auf 3 g Wurzelpulver oder 10 mg Withanolide.

Diese Zahlen beschreiben Studien und Vorschriften, eine Empfehlung sind sie nicht. Wie weit Produkte bei Dosierung und Anwendung davon abweichen, zeigt der Marktcheck von 2026. Im Schnitt lieferten die Produkte 833 mg Ashwagandha pro Tag, die Spanne reichte von 50 bis 6.000 mg. Nur 20 von 73 Produkten nannten überhaupt eine Wirkstoffmenge. Waren Withanolide ausgewiesen, lag die Tagesdosis im Mittel bei 46 mg. Das ist mehr als das Vierfache der polnischen Höchstmenge.

Die Angabe „mg Ashwagandha“ allein sagt fast nichts. Eine Kapsel mit 600 mg Extrakt enthält bei 5 Prozent Withanoliden 30 mg davon, bei 35 Prozent rechnerisch 210 mg. Wer Ashwagandha richtig einordnen will, braucht neben den Hinweisen zu Anwendung und Dosierung drei Angaben: Pflanzenteil (Wurzel oder Blatt), Extraktart und Withanolid-Gehalt pro Tagesdosis.

Bis etwa 3 Monate gilt die Einnahme von Ashwagandha laut NIH als gut verträglich. Für längere Zeiträume ist die Sicherheit unbekannt. Wer Ashwagandha regelmäßig über Monate nimmt, verlässt den untersuchten Bereich. Bei Medikamenten sind Wechselwirkungen möglich. Das gilt ähnlich für viele Longevity Supplements, die gern kombiniert werden.

Ashwagandha Einnahme und Wechselwirkungen: Wer verzichten sollte

Die Behörden nennen klare Risikogruppen. Verzichten sollten:

  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren,
  • Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch,
  • Menschen mit bestehender oder früherer Lebererkrankung,
  • Menschen mit Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen sowie hormonellen Störungen,
  • alle, die Beruhigungs- oder Schlafmittel, Antiepileptika, Antidiabetika, Blutdrucksenker, Immunsuppressiva oder Schilddrüsenhormone einnehmen.

Allen anderen rät das Bundesinstitut zur Zurückhaltung. Wer trotzdem zu Ashwagandha greift, spricht das vorher in der Arztpraxis an.

Ashwagandha in der EU: keine Health Claims, erstes Verbot in Dänemark

In der EU-Positivliste der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 steht keine gesundheitsbezogene Angabe für Ashwagandha. Hersteller haben vier Angaben beantragt, zu denen die EFSA laut Verbraucherzentrale NRW bislang keine Bewertung veröffentlicht hat. Der Europäische Gerichtshof entschied am 30. April 2025: Gesundheitsbezogene Angaben zu pflanzlichen Stoffen dürfen derzeit nicht in der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel stehen.

Die vier beantragten Angaben betreffen adaptogene Eigenschaften, mentale Gesundheit und Entspannung, antioxidative Aktivität (Schutz vor oxidativem Stress) und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Bis zum Marktcheck vom April 2026 hat die EFSA zu keiner davon eine Bewertung veröffentlicht. Die EU-Kommission hat ihre Prüfung der Angaben über pflanzliche Stoffe ausgesetzt, heißt es in der Pressemitteilung des Gerichtshofs zur Rechtssache C-386/23. Ausnahmen lässt das Urteil nur über Übergangsregeln zu. Aussagen wie „hilft Ashwagandha, Stress abzubauen“ oder „fördert Gesundheit und Wohlbefinden“ bleiben damit rechtlich heikel.

Bei der Sicherheit handelt jedes Land für sich:

  • Dänemark: Der Verkauf als Lebensmittel ist verboten. Die Technische Universität Dänemark (DTU) fand 2020 keine Aufnahmemenge, unterhalb derer schädliche Effekte auszuschließen sind.
  • Niederlande: Das RIVM rät seit März 2024 allen Verbrauchern, vor allem Schwangeren, von Ashwagandha ab.
  • Frankreich: Die ANSES warnt seit April 2024 Risikogruppen, darunter Minderjährige sowie Leber-, Herz- und Schilddrüsenkranke.
  • Polen: Es gelten Höchstmengen und ein Pflicht-Warnhinweis.
  • Deutschland: Für die Verwendung von Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es keine Höchstmenge und keine Pflicht-Warnhinweise. Das BfR empfahl schon 2012, die Wurzel nach Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 unter EU-Prüfung zu stellen.

Die Verbraucherzentrale schreibt mit Stand 10. Juli 2026, die EFSA prüfe die Risiken von Ashwagandha derzeit gemeinsam mit den Mitgliedstaaten. Ein Ergebnis nennt sie nicht. Bis dahin trägst du als Käufer das Risiko weitgehend selbst.

Bio-Ashwagandha, Herkunft und Qualität

Ein Bio-Siegel nach EU-Öko-Verordnung 2018/848 regelt bei Ashwagandha den Anbau ohne chemisch-synthetische Pestizide. Über die Sicherheit der Pflanze selbst sagt das Siegel nichts. Die Ashwagandha-Wurzel reist meist aus Indien nach Europa. Im Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW von 2026 trugen nur 6 von 73 Produkten die Angabe Bio.

Qualitätsprobleme sind belegt. Die DTU bewertete 2021 einen Ashwagandha-Extrakt mit 20 mg Ethylenoxid pro Kilogramm. Ein Gesundheitsrisiko ließ sich nicht ausschließen, weil der Stoff als erbgutschädigend und krebserzeugend gilt. Die ANSES verweist auf Fälle, in denen Wurzelprodukte mit Blättern derselben Pflanze gestreckt waren. Blätter sind nach ihrer Darstellung reich an Alkaloiden. Die französische Behörde fordert deshalb systematische Kontrollen der verwendeten Pflanzenteile.

Aus Sicht von greenya.de, Deutschlands Nachhaltigkeitsportal seit 1997, ist Bio bei jeder Pflanze mit so langem Transportweg die Mindestanforderung. Bio-Anbau schützt Böden, Gewässer und die Menschen auf den Feldern vor synthetischen Spritzmitteln. Harmloser macht er die Schlafbeere nicht. Von den sechs Bio-Produkten im Marktcheck wies keines auf Wechselwirkungen mit Medikamenten hin, nur drei warnten Schwangere.

Wer unter chronischem Stress leidet, findet den kürzesten Weg zur Entlastung ohnehin nicht in Indien. Routinen und Atemübungen gegen Stress und eine feste Abendroutine für besseren Schlaf kosten nichts, brauchen keine Lieferkette und belasten die Leber nicht.

Häufige Fragen zu Ashwagandha

Die Antworten auf die häufigsten Fragen zu Ashwagandha stützen sich auf Behördenquellen und veröffentlichte Studien, nicht auf Herstellerangaben.

Wann tritt die Wirkung von Ashwagandha ein?

In Studien wurden Effekte von Ashwagandha meist nach 6 bis 12 Wochen gemessen. Die Meta-Analyse zum Schlaf von 2021 fand deutlichere Ergebnisse ab 8 Wochen Dauer. Einen belegten Zeitpunkt, ab dem die Wirkung bei dir einsetzt, gibt es nicht.

Kann man Ashwagandha täglich einnehmen?

Nein, zumindest nicht auf Dauer: Die Sicherheit einer täglichen Einnahme von Ashwagandha über mehr als etwa 3 Monate ist laut US-Gesundheitsbehörde NIH unbekannt. Das RIVM fand keine Toxizitätsstudien mit mehr als 28 Tagen Dauer. Leberschäden traten in Fallberichten meist 2 bis 12 Wochen nach Beginn auf, also mitten im üblichen Einnahmezeitraum. Von einer Daueranwendung ohne ärztliche Begleitung ist deshalb abzuraten.

Hilft Ashwagandha beim Abnehmen?

Nein, dass Ashwagandha helfen könnte, Gewicht zu verlieren, ist nicht belegt. Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe gibt es dafür nicht. Verbraucherschützer führen Aussagen, Ashwagandha senke das Stresshormon Cortisol und reguliere Hormone, als unzulässige Werbung auf. Obwohl Ashwagandha häufig in Abnehm-Kombipräparaten steckt, bleibt der Nutzen offen. Die möglichen Nebenwirkungen bestehen trotzdem.

Erhöht Ashwagandha das Testosteron?

Nein, gesichert ist das nicht: Einzelne kleine Studien an Männern fanden nach 8 Wochen zwar höhere Testosteronwerte. Die dänische DTU wertet genau das als Risikosignal, denn ein Einfluss auf Sexualhormone kann die Gesundheit beeinträchtigen. Die meisten Studien liefen zudem mit Männern, die bereits veränderte Hormonwerte hatten. Für Männer mit hormonempfindlichem Prostatakrebs ist Ashwagandha laut NIH möglicherweise nicht sicher.

Verträgt sich Ashwagandha mit Medikamenten?

Nein, nicht mit allen: Wechselwirkungen von Ashwagandha mit Medikamenten sind möglich. Das BfR nennt Antidiabetika, Blutdrucksenker und Immunsuppressiva. Die ANSES warnt vor der Kombination mit Mitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, etwa Beruhigungs- und Schlafmittel. Wer dauerhaft Medikamente nimmt, klärt die Einnahme von Ashwagandha vorab ärztlich oder in der Apotheke.

Kann Ashwagandha die Wirkung der Pille beeinflussen?

Ob Ashwagandha die Wirkung der Pille beeinflusst, ist nicht untersucht: Belastbare Daten dazu fehlen. BfR, Verbraucherzentrale, RIVM, ANSES und NIH führen hormonelle Verhütungsmittel in ihren Bewertungen nicht als Wechselwirkung auf. Eine Entwarnung ist das nicht. Das Bundesinstitut sieht Hinweise, dass Ashwagandha-Präparate die Sexualhormone beeinflussen können. Wer mit der Pille verhütet, bespricht die Einnahme vorher in der Frauenarztpraxis oder Apotheke.

Fazit: Ashwagandha nur nach ärztlicher Rücksprache

Vier europäische Fachinstitutionen kommen seit 2020 zum selben Ergebnis: Für Ashwagandha lässt sich keine sichere Tagesmenge festlegen. Dem stehen kleine Studien gegenüber, in denen Stress- und Schlafwerte nach 8 Wochen etwas besser ausfielen. Aus unserer Sicht reicht das nicht, um ein Präparat mit dokumentierten Leberschäden auf Verdacht zu nehmen. Kinder, Schwangere, Stillende, Menschen mit Leber- oder Schilddrüsenerkrankung und alle mit Dauermedikation sollten verzichten. Wer Ashwagandha dennoch probieren will, wählt ein Bio-Produkt mit klar deklarierter Wurzel und ausgewiesenem Withanolid-Gehalt. Er bleibt bei kurzer Dauer und spricht vorher mit dem Arzt.

Quellen und weiterführende Informationen