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Schurwolle: Unterschied zu Merinowolle, Eigenschaften und Pflege

Die Hände einer Person, die Wolle mit traditionellen Methoden zu Garn spinnt.
Aktualisiert: Von greenya Redaktion

Schurwolle ist Wolle, die vom lebenden Schaf geschoren und zum ersten Mal zu einem Textil verarbeitet wird. Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 schützt den Begriff: Recycelte Wolle darf nicht so heißen, und in Mischungen sind mindestens 25 Prozent Schurwolle Pflicht. Über Feinheit, Kratzgefühl und Tierwohl sagt das Wort nichts.

Schurwolle auf einen Blick: Definition, Feinheit und Siegel

  • Als Schurwolle gilt nach Artikel 8 der Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 nur Wolle, die zuvor in keinem Fertigerzeugnis enthalten war und weder durch Behandlung noch durch Gebrauch geschädigt wurde.
  • Reine Schurwolle darf höchstens 0,3 Prozent technisch unvermeidbare Fremdfasern enthalten. In Mischungen muss der Schurwollanteil mindestens 25 Prozent des Gesamtgewichts betragen.
  • Schurwolle kratzt vor allem dann, wenn viele Fasern dicker als 30 bis 32 Mikron sind. Das zeigt eine 2017 in der Fachzeitschrift Acta Dermato-Venereologica erschienene Übersichtsarbeit.
  • Schafwolle machte 2024 laut Textile Exchange 0,9 Prozent der weltweiten Faserproduktion aus. Nur 4,3 Prozent dieser Wolle stammten aus zertifizierten Wollprogrammen.
  • Der Global Organic Textile Standard (GOTS) führt seit der Version 7.0 aus dem Jahr 2023 Wolle von Schafen mit Mulesing als verbotene Faser.

Was ist Schurwolle?

Der Begriff Schurwolle ist in der EU rechtlich geschützt und bezeichnet neue Schafwolle aus der Schafschur. Auf dem Etikett darf Schurwolle laut Artikel 8 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung nur stehen, wenn die Wolle noch nie Teil eines fertigen Textils war. Außerdem darf weder eine Behandlung noch der Gebrauch die Faser geschädigt haben.

Die Verordnung gilt seit dem 8. Mai 2012 in allen Mitgliedstaaten. Ihr Anhang III legt die Kennzeichnung fest: auf Deutsch „Schurwolle“, auf Englisch „virgin wool“ oder „fleece wool“.

Der schlichte Begriff „Wolle“ reicht weiter. Anhang I der Verordnung erlaubt darunter auch Mischungen von Schafwolle mit Haaren von Alpaka, Kaschmirziege oder Angoraziege (Mohair). Außerdem kann das Garn wiederaufbereitete Fasern enthalten.

Viele Käufer lesen „Schurwolle“ wie ein Versprechen für hochwertige Wolle. Rechtlich beantwortet der Begriff nur eine von drei Fragen. Beim Einkauf hilft ein Etikett-Dreisatz. Ist die Wolle neu oder recycelt? Wie fein ist sie, erkennbar an der Mikron-Angabe oder der Schafrasse? Wie wurden die Tiere gehalten, belegt durch ein unabhängiges Siegel?

Wie wird Schurwolle hergestellt?

Schurwolle entsteht in fünf Schritten: scheren, sortieren, waschen, kämmen und spinnen. Nach der Schafschur sortieren die Betriebe minderwertige Teile des Vlieses aus. Die Rohwolle wird schonend gewaschen und verliert dabei den größten Teil ihres Wollfetts, des Lanolins. Aus der gewaschenen und gekämmten Wolle spinnt die Spinnerei meist Kammgarn, seltener Streichgarn. Erst aus dem Garn entstehen Wollstoffe, Strick und Filz.

Reine Schurwolle: Was 100 Prozent auf dem Etikett bedeuten

Reine Schurwolle besteht vollständig aus neuer Wolle. Die Verordnung erlaubt 0,3 Prozent Fremdfasern, und auch die nur, wenn sie bei guter Herstellungspraxis technisch unvermeidbar sind.

In Mischgeweben gelten drei Bedingungen. Die gesamte enthaltene Wolle muss Schurwolle sein. Ihr Anteil muss mindestens 25 Prozent des Gesamtgewichts ausmachen. Und sie darf nur mit einer einzigen anderen Faser gemischt sein. Zusätzlich muss das Etikett die vollständige Zusammensetzung in Prozent nennen.

Das Wollsiegel, international Woolmark, ist ein privates Qualitätszeichen. Woolmark vergibt es seit 1964 in drei Stufen. Das klassische Logo steht für 100 Prozent Schurwolle, „Woolmark Blend“ für 50 bis 99,9 Prozent und „Wool Blend“ für 30 bis 49,9 Prozent. Über die Tierhaltung und die Gewinnung der Wolle sagt das Zeichen nichts.

Die Prozentzahl vor dem Wort Schurwolle ist deshalb die wichtigste Angabe. Ein Pullover mit 30 Prozent Schurwolle und 70 Prozent Polyacryl trägt den Begriff zu Recht, verhält sich aber eher wie eine Kunstfaser.

Schurwolle, Merinowolle, Lammwolle und Reißwolle im Vergleich

Schurwolle, Merinowolle, Lammwolle und Reißwolle beschreiben vier verschiedene Dinge. Schurwolle sagt, dass die Wolle neu ist. Merinowolle nennt die Schafrasse und damit die Feinheit. Lammwolle bezeichnet die erste Schur eines jungen Tieres. Reißwolle ist wiederaufbereitete Wolle aus Alttextilien oder Produktionsresten und darf laut EU-Textilkennzeichnungsverordnung nicht als Schurwolle verkauft werden.

Bezeichnung Was dahintersteckt Typische Feinheit So steht es auf dem Etikett Typischer Einsatz
Schurwolle Neue Wolle vom lebenden Schaf, Rasse beliebig häufig 25 Mikron und mehr „Schurwolle“, in Mischungen ab 25 Prozent Anteil Mantel, Pullover, Loden, Teppich, Bettdecke
Merinowolle Schurwolle vom Merinoschaf meist unter 24 Mikron „Schurwolle“, Zusatz „Merino“ freiwillig Funktionswäsche, feiner Strick
Lammwolle Schurwolle aus der ersten Schur eines jungen Schafes Feinheit je nach Rasse „Schurwolle“, Zusatz „Lambswool“ freiwillig Pullover, Schals
Reißwolle Aus Alttextilien und Garnresten zurückgewonnene Wolle kürzere Fasern als bei neuer Wolle nur „Wolle“, nie „Schurwolle“ Filz, Füllmaterial, Mischgarne

Die Begriffe überschneiden sich. Ein Garn aus der ersten Schur eines Merinolamms ist gleichzeitig Schurwolle, Merinowolle und Lammwolle. Umgekehrt taugt grobe Schurwolle für einen Teppich, aber nicht für ein Unterhemd.

Schurwolle Merinowolle Unterschied: Rasse und Feinheit

Merinowolle ist immer Schurwolle, aber Schurwolle ist nicht immer Merinowolle. Der Unterschied liegt im Durchmesser der Fasern: Merinowolle misst meist weniger als 24 Mikron, die Wolle vieler anderer Schafrassen 25 Mikron und mehr.

Besonders feine Merinoqualitäten eignen sich für alles, was direkt auf der Haut liegt. Gröbere Schurwolle ist widerstandsfähiger, formbeständig und günstiger. Herkunft, Preise und Kaufkriterien der feinen Variante erklärt der Ratgeber zu Merinowolle und ihren Eigenschaften.

Reißwolle und Lammwolle richtig einordnen

Reißwolle entsteht, wenn Betriebe Alttextilien, Garnreste oder Webereiabfälle mechanisch zerreißen und neu verspinnen. Die Fasern sind danach kürzer, Spinnereien mischen sie deshalb meist mit anderen Fasern. Laut Textile Exchange bestanden 2024 rund 7 Prozent des weltweiten Wollmarkts aus recycelter Wolle.

Lammwolle ist ein Qualitätshinweis innerhalb der Schurwolle. Die Fasern der ersten Schur fühlen sich weich an, ihre Feinheit in Mikron hängt aber weiter von der Rasse ab.

Schurwolle Eigenschaften: warm, atmungsaktiv und formbeständig

Die Eigenschaften der Wolle folgen aus dem Aufbau der Naturfaser. Schurwolle ist gekräuselt, schließt viel Luft ein und kann deshalb wärmen. Das Faserinnere bindet Wasserdampf: Laut Woolmark nimmt Wolle bis zu 35 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf. Dazu ist Schurwolle elastisch, knitterarm und schwer entflammbar.

Ein Mantel aus Schurwolle hält auch bei feuchter Kälte warm, weil die Faser Körperwärme speichert und Feuchtigkeit puffert. Ein Pullover muss selten in die Waschmaschine. Wolle bindet Gerüche im Inneren der Faser, wo Bakterien schlecht gedeihen, schreibt Woolmark in einem Faktenblatt. Im Handel gilt sie deshalb als selbstreinigend. Eine Bettdecke oder die Auflage einer Matratze mit Schurwollvlies gleicht das Schlafklima aus, weil das Vlies Schweiß als Dampf aufnimmt.

Hinzu kommt die Vielfalt der Wollstoffe. Aus glattem Garn entstehen leichte, atmungsaktive Stoffe für Bekleidung, die der Handel als Cool Wool anbietet. Gewalkte Wolle wird zu dichtem Loden, der Wind und Nieselregen abhält. Tweed als Meterware, Sockenwolle (Sockengarn), eine kuschelige Wohndecke und dicke Garne für die Handarbeit gehören ebenfalls zur Familie.

Schurwolle hat auch Schwächen. Sie kostet mehr als Baumwolle und Kunstfasern, verträgt keine heiße Wäsche und bildet an Reibestellen Knötchen, das sogenannte Pilling. Als tierisches Produkt ist Schurwolle nicht vegan.

Schurwolle kratzt: Warum die Faserfeinheit entscheidet

Schurwolle kratzt nicht immer, auch wenn das Vorurteil sich hält. Eine 2017 in Acta Dermato-Venereologica veröffentlichte Übersichtsarbeit von Zallmann und Kollegen kommt zu einem klaren Schluss: Kratzen und Jucken gehen auf dicke Fasern von 30 bis 32 Mikron und mehr zurück, nicht auf die Wolle an sich.

Dicke Faserenden knicken auf der Haut nicht weg, sie drücken auf die Nervenenden. Einen Beleg dafür, dass die Wollfaser selbst ein Hautallergen ist, fanden die Autoren nicht.

Die Mikron-Angabe auf dem Etikett ist ein Durchschnittswert. Eine Wolle mit durchschnittlich 25 Mikron enthält bereits einen spürbaren Anteil Fasern oberhalb der Kratzschwelle.

Auch Lanolin, das Wollfett, steht oft unter Verdacht. Die Übersichtsarbeit beziffert die Sensibilisierungsrate in Allergietests auf durchschnittlich 1,7 Prozent der getesteten Patienten. Eine Kontaktallergie durch heutige Wollkleidung stuft sie als sehr unwahrscheinlich ein. Bleiben Rötungen oder Ekzeme bestehen, gehört das in ärztliche Abklärung.

Für Unterwäsche, Babykleidung und Schals lohnt sich besonders feine, hautfreundliche Wolle mit ausgewiesener Feinheit. Für Mantel und Jacke reicht robuste Schurwolle, solange ein Futter oder eine Lage darunter die Haut schützt. Was bei empfindlicher Haut zusätzlich hilft, vertieft der Beitrag darüber, warum Wolle kratzt und welche Faserstärke passt.

Schurwolle waschen: Temperatur, Waschmittel und Pflege

Schurwolle braucht selten eine Wäsche, aber die richtige. Meist genügt es, ein Kleidungsstück aus Schurwolle über Nacht an der Luft auszuhängen. Ist eine Wäsche nötig, läuft sie im Wollprogramm mit einem milden Wollwaschmittel, getrocknet wird liegend. 30 Grad sind die sichere Wahl, maßgeblich bleibt das eingenähte Pflegeetikett.

Wollfasern tragen feine Schuppen, die sich bei Wärme, Nässe und Bewegung ineinander verhaken. Das Ergebnis ist Filz. Woolmark nennt für maschinenwaschbare Wolle Programme mit schonender Bewegung bei bis zu 40 Grad und ein neutrales, mildes Waschmittel. Von Vollwaschmitteln, enzymhaltigen Waschmitteln und Bleichmitteln rät Woolmark ab.

Wer Schurwolle per Hand wäscht, nimmt lauwarmes Wasser um 30 Grad und weicht das Teil etwa zehn Minuten ein. Reiben und Wringen schaden den Fasern. Danach spülst du das Teil, drückst es in einem Handtuch aus und ziehst das gewaschene Stück liegend in Form. In den Trockner darf Wolle nur, wenn das Etikett es ausdrücklich erlaubt.

Pilling entfernst du mit einem Wollkamm. Gegen Motten hilft vor allem Sauberkeit: Lüfte oder wasche Wollsachen vor dem Einlagern und bewahre sie dicht verschlossen auf.

Die Anleitung Schritt für Schritt samt Fleckentipps findest du im Ratgeber Wolle waschen, ohne dass sie verfilzt.

Tierwohl und Siegel bei Schurwolle: Mulesing, RWS, GOTS und Bio

Ob Schurwolle aus tiergerechter Schafhaltung stammt, verrät das Wort Schurwolle nicht. Belastbar sind nur unabhängige Standards wie der Responsible Wool Standard (RWS) oder der Global Organic Textile Standard (GOTS). Zertifizierte Wolle ist selten: Laut Textile Exchange stammten 2024 nur 4,3 Prozent der weltweiten Wolle aus zertifizierten Programmen.

Von 100 Kilogramm Wolle auf dem Weltmarkt tragen also gut 4 Kilogramm ein Zertifikat. In der Textilproduktion bleibt zertifizierte Wolle eine Nische.

In Deutschland lebten laut Statistischem Bundesamt am 3. November 2025 rund 1,5 Millionen Schafe. Das Fachmagazin top agrar rechnete im November 2023 vor: 5 Kilogramm Wolle pro Schaf zu 30 Cent je Kilogramm ergeben 1,50 Euro Erlös, die Schur kostet 3 Euro pro Tier. Wer Garn, Decken oder Loden aus regionaler Schurwolle kauft, verkürzt Transportwege und stützt diese Betriebe.

Mulesing: das größte Tierschutzproblem der Wollproduktion

Mulesing heißt ein Eingriff, bei dem Farmer Lämmern Hautfalten am Hinterteil wegschneiden, um Fliegenbefall vorzubeugen. Verbreitet ist er in Australien. Von dort stammt nach Angaben der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN der größte Teil der Merinowolle für Bekleidung. VIER PFOTEN beziffert die Zahl der betroffenen Lämmer auf mehr als zehn Millionen pro Jahr. Die Zahl steht im Bericht „Das Leid hinter den Labels“, über den das Branchenportal FashionUnited im November 2025 berichtete. Hintergründe und Alternativen erklärt der Ratgeber zu Mulesing und mulesingfreier Wolle.

RWS, GOTS und kbT: Was die Siegel zusagen

Der Responsible Wool Standard von Textile Exchange prüft Tierwohl nach den „Five Domains“, Landmanagement und die Lieferkette vom Hof bis zum Produkt. Laut einem Standardvergleich von VIER PFOTEN schließt der RWS Mulesing mit hoher Sicherheit aus. Textile Exchange überführt den RWS in den neuen Materials Matter Standard. Er tritt am 31. Dezember 2026 in Kraft und ist ab dem 31. Dezember 2027 verpflichtend.

GOTS verlangt mindestens 70 Prozent Fasern aus kontrolliert biologischer Erzeugung, für die Auszeichnung als „Bio“ 95 Prozent. Der Standard regelt außerdem Chemikalien, Abwasser und Arbeitsbedingungen. Die Version 7.0 erschien im März 2023, gilt seit dem 1. März 2024 und führt Wolle von Schafen mit Mulesing als verbotene Faser. Siegelklarheit, das Siegelportal der Bundesregierung, bewertet GOTS als „sehr gute Wahl“ (Stand: Oktober 2026).

Ein undatierter Standardvergleich von VIER PFOTEN bemängelt bei GOTS noch eine Lücke: Der Standard erkenne auch Bio-Regelwerke an, die Mulesing nicht ausschließen, darunter das australische. Ob das Papier schon die Version 7.0 bewertet, geht aus ihm nicht hervor. Wer bei Merinowolle aus Australien sichergehen will, achtet deshalb zusätzlich auf den RWS.

Die Abkürzung kbT steht für kontrolliert biologische Tierhaltung. Sie beschreibt die Haltungsform der Schafe, ein Prüfzeichen ist sie nicht. Verlässlich wird die Angabe erst durch ein Zertifikat wie GOTS.

Bio-Wolle sollte der Maßstab sein, nicht die Ausnahme. Sie steht für geregelte Schafhaltung und eine Verarbeitung mit begrenztem Chemikalieneinsatz. Anbieter mit GOTS- oder RWS-zertifizierter Wolle findest du auf greenya.de, Deutschlands Nachhaltigkeitsportal seit 1997.

Ökobilanz: Methan, Langlebigkeit und biologische Abbaubarkeit

Wolle hat eine gemischte Klimabilanz. Eine 2020 im International Journal of Life Cycle Assessment veröffentlichte Ökobilanz von Wiedemann und Kollegen errechnete für einen 300 Gramm schweren Wollpullover 0,17 Kilogramm CO₂-Äquivalente pro Tragen. Den größten Anteil verursacht die Schafhaltung, vor allem durch Methan aus der Verdauung der Tiere.

Dieselbe Studie zeigt den wichtigsten Hebel, die Nutzungsdauer. Sie rechnet im Normalfall mit 109 Trageeinsätzen. Sortiert jemand den Pullover nach einer Saison mit 15 Einsätzen aus, steigen die Umweltwirkungen auf das 5,8- bis 6,8-Fache. Wird der Pullover 400-mal getragen, sinken sie um 49 bis 68 Prozent.

Am Lebensende hat Wolle einen belegten Vorteil gegenüber Kunstfasern. Das neuseeländische Institut AgResearch legte 2020 Fasern 90 Tage lang in Meerwasser, bezahlt hat die Studie der Branchenverband Australian Wool Innovation. Wolle baute sich in hohem Maß ab, Polyester, Nylon und Polypropylen kaum oder gar nicht. Für Mischgewebe mit Kunstfaseranteil gilt dieser Vorteil nicht. Die ausführliche Abwägung steht im Beitrag zur Ökobilanz von Wolle mit Tierwohl und Siegeln im Check.

Pauschale Etiketten wie „umweltfreundliche Wolle“ sind seit dem 27. September 2026 durch die EU-Richtlinie 2024/825 ohne konkreten Beleg unzulässig.

Häufige Fragen zu Schurwolle

Fünf Fragen zu Schurwolle stellen Käufer besonders oft, hier stehen die Antworten.

Was ist der Unterschied zwischen Schurwolle und Wolle?

Schurwolle ist neue Wolle aus der Schafschur, Wolle ist der Oberbegriff. Nach der Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 darf ein Etikett nur dann „Schurwolle“ nennen, wenn die Faser noch nie in einem fertigen Textil verarbeitet war. Unter „Wolle“ fallen dagegen auch recycelte Reißwolle und Mischungen mit feinen Tierhaaren wie Alpaka oder Mohair.

Welche Nachteile hat Schurwolle?

Schurwolle ist pflegeempfindlicher und teurer als Baumwolle oder Kunstfasern. Sie verfilzt bei Hitze und starker Bewegung, bildet an Reibestellen Pilling und zieht Kleidermotten an. Grobe Qualitäten ab etwa 25 Mikron Durchschnittsfeinheit können auf der Haut kratzen. Hinzu kommen offene Tierwohlfragen, wenn kein unabhängiges Siegel wie RWS oder GOTS die Haltung der Schafe belegt.

Kann Schurwolle in den Trockner?

Nein, Schurwolle gehört in der Regel nicht in den Trockner. Wärme und Bewegung lassen die Schuppen der Wollfasern verhaken, das Kleidungsstück verfilzt und läuft ein. Eine Ausnahme sind Wolltextilien, deren Pflegeetikett den Wäschetrockner ausdrücklich erlaubt, meist filzfrei ausgerüstete Ware. Woolmark empfiehlt, Wollkleidung nach dem Waschen liegend zu trocknen und dabei in Form zu ziehen.

Was ist Schurwolle Superwash?

Superwash ist laut Woolmark der Branchenbegriff für Wolle, die gegen Einlaufen und Verfilzen behandelt wurde und deshalb in die Waschmaschine darf. Beim verbreiteten Hercosett-Verfahren verändert Chlor zuerst die Schuppen der Faser. Danach legt sich ein dünner Film aus Polyamidharz darüber. Im Meerwasser-Versuch von AgResearch aus dem Jahr 2020 baute sich so behandelte Wolle schneller ab als unbehandelte. Mikroplastik-Fragmente aus Polyamid fanden die Forscher dabei nicht.

Ist Schurwolle für Allergiker geeignet?

Ja, für die meisten Allergiker ist Schurwolle geeignet. Eine Übersichtsarbeit in Acta Dermato-Venereologica von 2017 fand keinen Beleg dafür, dass die Wollfaser selbst ein Hautallergen ist. Juckreiz entsteht überwiegend mechanisch durch dicke Fasern ab 30 bis 32 Mikron. Wer empfindlich reagiert, wählt feine Qualitäten mit Schadstoffprüfung. Anhaltende Hautreaktionen gehören in ärztliche Abklärung, weil auch Farbstoffe oder Ausrüstungen die Ursache sein können.

Fazit: Schurwolle ist ein Anfang, kein Qualitätsurteil

25 Prozent reichen, damit „Schurwolle“ auf dem Etikett eines Mischgewebes stehen darf. Der Begriff garantiert neue statt recycelter Wolle, mehr nicht. Wie gut Wollprodukte wie Mantel, Pullover oder Bettdecke sind, zeigen erst drei weitere Angaben. Das sind der Wollanteil in Prozent, die Feinheit in Mikron und ein unabhängiges Siegel wie RWS oder GOTS. Kaufe lieber ein sortenreines, zertifiziertes Stück als drei Mischgewebe, lüfte statt zu waschen und trage es viele Jahre. Die Nutzungsdauer verbessert die Umweltbilanz von Schurwolle stärker als jede andere Entscheidung.

Quellen und weiterführende Informationen