Familienhotel der Zukunft: Wie der ULRICHSHOF im Bayerischen Wald KI, Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft verbindet
Von Timo Oyang
Der ULRICHSHOF in Zettisch bei Rimbach ist ein 4-Sterne-Superior-Familienhotel für bis zu 130 Familien. Mähroboter pflegen das Gelände, eine Architektur-KI hilft beim Planen, und rund die Hälfte seines Stroms erzeugt das Haus selbst. Im September 2026 war ich dort mit meiner Familie zu Gast und habe mit Gründer Ulrich N. Brandl über KI, Investitionen und den fünften Stern gesprochen. Geführt wird das Haus heute von seinen Söhnen Nikolaus und Benjamin Brandl, gemeinsam mit Michaela Lankes.
Transparenzhinweis: Einen Teil des Aufenthalts deckte eine Kooperation des ULRICHSHOF mit forum future economy ab, den Rest habe ich selbst bezahlt. Alle Eindrücke in diesem Bericht sind meine persönlichen Einschätzungen als Gast.
ULRICHSHOF auf einen Blick: Lage, Größe und Energie
Der ULRICHSHOF liegt in Zettisch, einem Ortsteil der Gemeinde Rimbach im Landkreis Cham, und erstreckt sich über rund 64.000 Quadratmeter im Bayerischen Wald.
Ulrich N. Brandl eröffnete den ULRICHSHOF am 6. Juni 1992 mit neun Ferienapartments auf dem elterlichen Bauernhof. Heute bilden er, seine Söhne Nikolaus und Benjamin Brandl sowie Michaela Lankes die Geschäftsleitung.
Heute kümmern sich über 300 Mitarbeitende um bis zu 130 Familien in einem 4-Sterne-Superior-Haus (Stand: 09/2026).
Der Wellnessbereich des ULRICHSHOF umfasst über 5.500 Quadratmeter mit 9 Sport- und Spaßpools, die Kinderbetreuung ist täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet.
Eine hoteleigene Photovoltaikanlage mit 933,54 kWp deckt nach Angaben des ULRICHSHOF 51 Prozent des Strombedarfs, die Wärme liefert eine Hackschnitzelheizung.
Bei den Falstaff Hotel Awards 2026 erhielt der ULRICHSHOF den Titel „Bestes Family-Hotel Deutschland“.
Zweite Generation: der Weg zum fünften Stern
Die Geschäftsleitung will den ULRICHSHOF vom heutigen 4-Sterne-Superior-Niveau in einem Schritt zum 5-Sterne-Superior-Haus entwickeln. Die Zimmerzahl soll dafür nicht deutlich steigen. Wachsen soll das Angebot für Kinder und Familien, und die Familie investiert ausdrücklich auch in unsicheren Zeiten.
Operativ führen Nikolaus und Benjamin Brandl das Haus in zweiter Generation. Benjamin Brandl verantwortet Finanzen, Controlling und Facility Management, Nikolaus Brandl Marketing, Vertrieb und das Tagesgeschäft. Zur Geschäftsleitung gehört außerdem Michaela Lankes. Sie verantwortet das Interior Design und die Fotografie und prägt damit die gestalterische Handschrift des ULRICHSHOF. Außerdem leitet sie die Bereiche Spa, Reitstall und Kinderbetreuung. Gründer Ulrich N. Brandl, gelernter Landwirtschaftsmeister und früher Präsident des DEHOGA Bayern, zieht sich zunehmend aus dem Tagesgeschäft zurück. Er bringt Ideen für die Entwicklung des Geländes ein, die Umsetzung liegt bei seinen Söhnen.
Das Ziel formuliert der Gründer klar: „Wir wollen von 4,5 Sternen in einem Zug auf 5,5 Sterne.“ Gemeint ist der Sprung von 4 Sternen Superior zu 5 Sternen Superior. Die Deutsche Hotelklassifizierung des DEHOGA kennt fünf Sternekategorien. Der Zusatz „Superior“ kennzeichnet innerhalb einer Kategorie Häuser, die deutlich mehr Wertungspunkte erreichen als nötig.
Mehr Betten stehen dabei nicht im Mittelpunkt. „Die Zimmeranzahl wollen wir nicht unbedingt erhöhen, aber die Attraktionen und Möglichkeiten für die Kinder“, erklärt Ulrich N. Brandl. Auch zur Finanzierung ist die Haltung klar: „Trotz Krisen investieren wir.“ Sollte sich die Lage in Deutschland und der Welt verschärfen, mache es keinen Unterschied, ob man vorher etwas mehr investiert habe.
Für Familien heißt das: Der ULRICHSHOF will in den kommenden Jahren eher tiefer als breiter werden. Mehr Erlebnis pro Suite, nicht mehr Suiten.
Wie setzt ein Familienhotel KI und Robotik ein?
Im ULRICHSHOF sind künstliche Intelligenz und Robotik bereits Teil des Betriebs. Autonome Roboter pflegen die Grünflächen, eine Architektur-KI hilft bei der Planung neuer Gebäude, und in der Küche soll Robotik künftig unterstützen. Menschen ersetzen will die Familie Brandl damit ausdrücklich nicht.
„Wir arbeiten schon viel mit KI, ob es die Roboter sind, die autonom die Gartenanlage pflegen, oder wir Prozesse vereinfachen“, sagt Ulrich N. Brandl. Treiber ist vor allem Nikolaus Brandl, der auch als Dozent für Branchensoftware und künstliche Intelligenz arbeitet. Er hat eine Architektur-KI eingerichtet, mit der sich Ideen für die Erweiterung der Anlage schnell und grob skizzieren lassen. Die Entwürfe bespricht die Geschäftsleitung anschließend gemeinsam.
Als Nächstes steht die Küche auf dem Plan. Die Familie grenzt sich dabei vom Dark-Kitchen-Modell ab, also von reinen Lieferküchen ohne Gastraum, die auf maximale Effizienz getrimmt sind. Robotik soll im ULRICHSHOF „eher unterstützend als vollautonom“ arbeiten. Das Ziel: Routine abgeben, damit mehr Zeit für Gäste bleibt.
Welche digitalen Werkzeuge Hotels heute sonst nutzen, von Property-Management bis Channel-Manager, zeigt unser Überblick zur digitalen Hotelverwaltung.
Als Gast merkt man von der Technik wenig. Genau das dürfte der Plan sein: Maschinen übernehmen die Routine, Menschen die Gastfreundschaft.
Solarstrom, Hackschnitzel und Teilklimatisierung
Der ULRICHSHOF erzeugt nach eigenen Angaben 51 Prozent seines Strombedarfs mit einer Photovoltaikanlage auf den Hoteldächern und heizt mit Hackschnitzeln aus Restholz. Eine zusätzliche 2-Megawatt-Freiflächenanlage ist im Bau. Die Zimmer kühlt das Haus bewusst nur teilweise.
Das Hotel nennt konkrete Zahlen: Die Photovoltaikanlage liegt auf 8.401,86 Quadratmetern Dachfläche und leistet 933,54 kWp. Für die Hackschnitzelheizung nutzt der ULRICHSHOF laut eigener Darstellung Restholz aus heimischen Wäldern und Reste der holzverarbeitenden Industrie. Regenwasser spült die Toiletten, und in der Parkgarage laden zehn Ladepunkte Elektroautos mit Strom aus der hoteleigenen Anlage.
Die geplante Freiflächenanlage soll nach Angaben des Hotels auf einer Fläche entstehen, die sich für die Landwirtschaft kaum eignet. Blühstreifen und Schafbeweidung sollen die Fläche zusätzlich ökologisch aufwerten.
Die höheren Temperaturen spürt man im ULRICHSHOF seit vielen Jahren, und Gäste erwarten heute gekühlte Räume. Der ULRICHSHOF setzt dabei auf eine Teilklimatisierung: Die Anlagen springen erst ab einer bestimmten Außentemperatur an und kühlen sanft, statt die Räume stark herunterzukühlen. Das spart nach Angaben des Hotels Energie und schont gerade Kinder, die empfindlich auf große Temperaturunterschiede reagieren.
Wer Hotels nach unabhängigen Siegeln vergleichen möchte, findet einen Überblick in unserem Beitrag Nachhaltige Hotels erkennen: Green Key, BIO HOTELS, TourCert und weitere Siegel.
Deutschland als Reiseziel: Markt und Standorte
Ulrich N. Brandl sieht den deutschen Tourismus im Aufwind. Deutschland gilt vielen Gästen angesichts weltweiter Krisen als sicheres und stabiles Reiseziel. Neue Standorte sucht die Familie Brandl trotzdem eher im Ausland als in Deutschland.
Die Weltlage beschäftigt Brandl sehr. Sorgen machen ihm vor allem die Kriege und die vielen Beteiligten und Zulieferer, die daran mitwirken. Seine Antwort ist persönlich: „Für mich ist es wichtiger, Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern zu übernehmen, damit sich alle glücklich und wohl fühlen.“
Brandl steht nach eigenen Worten in gelegentlichem Austausch mit Fritz Lietsch von forum future economy. Gemeinsam haben die beiden bereits verschiedene Projekte umgesetzt.
Ein weiteres Haus im Norden Deutschlands hält die Familie für schwierig. Sie hat sich dort einmal einen Standort angesehen und schnell festgestellt, dass die Infrastruktur für die Hotelgastronomie mehr Aufwand als Nutzen bedeutet hätte. Dazu kommt eine betriebswirtschaftliche Grundregel: Ein Hotel muss an seinem Standort eine bestimmte Zahl an Zimmern belegen, um profitabel zu arbeiten. Gerade in Großstädten sei das für viele Häuser heute eine echte Herausforderung.
Für den ULRICHSHOF bedeutet das: Die Energie fließt in den bestehenden Standort im Bayerischen Wald.
Management-Cocktail im OHM: Gäste reden mit
Beim Management-Cocktail im Panorama-Restaurant OHM kommen Gäste bei einem Drink mit der Geschäftsleitung und den Abteilungsleitungen ins Gespräch. Kritik und Wünsche sind ausdrücklich erwünscht. Das Team wägt anschließend ab, ob eine Anregung vielen Gästen nützt oder nur einzelnen.
Mich empfingen die Abteilungsleiter Lukas und Ronny sowie Küchenchef Stefan Kühne. Meine erste Frage war simpel: Ist der ULRICHSHOF ein Du- oder ein Sie-Hotel? „Eigentlich ein Sie-Hotel“, antwortete Stefan Kühne, auch mit Blick auf die angestrebten fünf Sterne. Viele Familien verbinden Urlaub eher mit dem Du, und auch ich hätte es mir lockerer gewünscht. Die Frage zeigt, wie schmal der Grat zwischen Luxus und Nähe ist.
Dann ging es um den Ferienplaner. Das Angebot ist groß, und beim ersten Aufenthalt verliert man leicht den Überblick. Der ULRICHSHOF bietet einen digitalen Ferienplaner an, doch nicht alles lässt sich dort buchen, manches klärt man an der Rezeption. Gemeinsam mit Ronny und Stefan Kühne entstand die Idee von Buchungsterminals, wie man sie aus Schnellrestaurants kennt: Angebot sehen, auswählen, direkt buchen.
Ein Wunsch des Teams ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Gäste sollen Probleme sofort vor Ort ansprechen, statt nach der Abreise eine schlechte Google-Rezension zu schreiben. Vieles ließe sich im Gespräch direkt lösen. Aus einer schlechten Erfahrung wird so im besten Fall noch eine gute.
Buffet und Ernährung: vegan, regional, kindgerecht
Das Buffet im ULRICHSHOF bietet laut Hotel jeden Abend Gerichte mit Fleisch und Fisch sowie je eine vegetarische und eine vegane Option. Vegane und glutenfreie Alternativen gibt es zusätzlich auf Vorbestellung. Die Küche bezieht ihre Lebensmittel bevorzugt von Zulieferern aus der Region.
Verantwortlich ist ein Küchenchef-Trio aus Stefan Kühne, Tobias Straten und Laura Raith. „Regionalität ist uns wichtig und auch die Hochwertigkeit der Waren, die wir beziehen“, sagt Stefan Kühne. Bio hat im Haus Tradition: Nach eigener Darstellung wurde der ULRICHSHOF 2006 zum ersten nachhaltig geführten Baby- und Kinder-Bio-Resort Europas und trug lange den Namen „Baby & Kinder Bio-Resort“. Heute setzt die Küche vor allem auf Regionalität. Warum regional statt bio? Bio-zertifizierte Ware komme oft von weit her, begründet das Hotel. Regionalität und Bio schließen sich allerdings nicht aus: Regionale Bio-Betriebe verbinden kurze Wege mit ökologischem Anbau.
Mein Eindruck: An der Auswahl gibt es nichts auszusetzen. Das Buffet ist sehr kindgerecht und bietet auch Erwachsenen genug Abwechslung. Wer sich im Urlaub vegan oder kohlenhydratarm ernähren möchte, findet passende Gerichte. Eine individuelle Gesundheits- oder Heilküche kann ein Familienhotel dieser Größe naturgemäß nicht leisten. Für einen normalen Familienurlaub ist das Angebot mehr als ausreichend.
Häufige Fragen zum ULRICHSHOF
Die folgenden Antworten fassen die wichtigsten praktischen Informationen für Familien zusammen, die einen Aufenthalt im ULRICHSHOF planen.
Wo liegt der ULRICHSHOF?
Der ULRICHSHOF liegt in Zettisch 42 in 93485 Rimbach im Landkreis Cham, mitten im Bayerischen Wald. Das Resortgelände erstreckt sich über rund 64.000 Quadratmeter am Waldrand. Die Region eignet sich gut für Familienwanderungen und Ausflüge in die Natur. Mehr zur Region findest du in unserem Beitrag über den Bayerischen Wald als Paradies für Naturliebhaber.
Wie viele Sterne hat der ULRICHSHOF?
Der ULRICHSHOF ist ein 4-Sterne-Superior-Hotel (Stand: 09/2026). Laut Hotel will sich das Haus als eines der wenigen 5-Sterne-Superior-Häuser für Familienurlaub etablieren. Die Sterne vergibt in Deutschland die Deutsche Hotelklassifizierung des DEHOGA nach einem festen Kriterienkatalog. Der aktuelle Katalog gilt für die Jahre 2025 bis 2030, klassifizierte Hotels werden regelmäßig neu geprüft.
Gibt es im ULRICHSHOF vegane Gerichte?
Ja, laut ULRICHSHOF steht jeden Abend neben Fleisch, Fisch und einem vegetarischen Gericht auch eine vegane Option auf dem Buffet. Weitere vegane und glutenfreie Alternativen bereitet die Küche auf Vorbestellung zu. Wer sich vegan ernährt, sollte das bei der Buchung angeben. So kann das Küchenteam besser planen und Lebensmittelverschwendung vermeiden.
Wann ist es im ULRICHSHOF am ruhigsten?
Am ruhigsten ist es außerhalb der bayerischen Schulferien. In der Hauptsaison gibt es laut Hotelteam rund 150 An- und Abreisen pro Tag. Bei meinem Aufenthalt im September war das Haus vergleichsweise leer, Pools und Spielbereiche waren entspannt nutzbar. Wer Ruhe sucht und zeitlich flexibel ist, sollte deshalb die Nebensaison einplanen.
Kinderbetreuung im ULRICHSHOF: Zeiten und Angebot
Die Kinderbetreuung im ULRICHSHOF ist täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Dazu kommen ein hoteleigener Reitstall, Streicheltiere, ein Waldspielplatz sowie die Indoor-Erlebniswelt Spiel-KISTE mit Trampolinhalle, Kletterbereich und Autoskooter. Nach Angaben des ULRICHSHOF können Kinder dort auch mit elterlicher Begleitung spielen, basteln und musizieren. Eltern entspannen in der Zeit im separaten Eltern-SPA, das Gästen ab 16 Jahren offensteht.
Fazit: Mein Eindruck als Gast
Mein Highlight war überraschend einfach: abends im warmen Außenpool liegen und in die Sterne schauen. Das Inklusivangebot des ULRICHSHOF hat mich überzeugt, weil Kinder vieles selbstständig entdecken und Eltern dabei zur Ruhe kommen. Ein Aufenthalt ist allerdings eine Investition, für die viele Familien etwas sparen müssen. Mein Tipp: außerhalb der Ferien buchen, dann bekommen die Kinder alles sofort, was sie ausprobieren möchten. Beeindruckt hat mich vor allem die Haltung der Geschäftsleitung um Nikolaus und Benjamin Brandl und Michaela Lankes. Sie nutzt KI und Robotik, um Routine abzugeben, und investiert die gewonnene Zeit in ihre Gäste.
Quellen und weiterführende Informationen
DEHOGA Bundesverband: Die Deutsche Hotelklassifizierung
DEHOGA Schleswig-Holstein: Hotelklassifizierung: Kriterien und Zusatz Superior
Service-Bund (2026): Familie im Fokus: ULRICHSHOF Familienresort
ULRICHSHOF (2026): Gestern, Heute, Morgen: Unsere Geschichte
ULRICHSHOF (2026): Nachhaltigkeit im ULRICHSHOF
ULRICHSHOF (2026): Ernährung+ und Küchenchef-Trio
ULRICHSHOF (2026): ULRICHSHOF ist „Bestes Family-Hotel Deutschland“