Was?
Wo?
Suche

Zertifizierte Naturkosmetik-Siegel im Vergleich: NATRUE, COSMOS, BDIH und Demeter

Konzept für Naturkosmetik. Cartoonfigur eines jungen, lächelnden Mädchens, das mit ausgestreckten Händen dasteht und sich in einer Ladenillustration an einer Auswahl an Bio-Pflegeprodukten erfreut
Aktualisiert: Von greenya Redaktion

Vier Prüfsiegel entscheiden bei Naturkosmetik wirklich, was drin ist: NATRUE, COSMOS, die Nachfolgezertifizierung des früheren BDIH-Siegels und Demeter. Naturkosmetik-Siegel sind unabhängige Prüfzeichen, die Kosmetikprodukte nach festen Kriterien für Naturstoffanteil, Bio-Herkunft und verbotene Inhaltsstoffe kontrollieren. Alles andere auf der Verpackung ist juristisch betrachtet Werbesprache.

In der Praxis werden diese vier Zeichen oft synonym als Naturkosmetiksiegel oder Siegel für Naturkosmetik bezeichnet, unabhängig davon, ob ein Produkt als reine Naturkosmetik oder als strengere Bio- und Naturkosmetik gekennzeichnet ist. Zu den wichtigsten Siegeln zählen das NATRUE-Siegel und COSMOS, weil beide strenge Kriterien anwenden und auf dem deutschen Markt die größte Verbreitung haben, auch wenn unterschiedliche Siegel im Detail unterschiedliche Kriterienkataloge anwenden.

Naturkosmetiksiegel im Überblick: Fakten, Anforderungen und die wichtigsten Siegel

  • NATRUE unterscheidet seit Januar 2021 (Kriterien-Version 3.9) nur noch zwei Stufen: Naturkosmetik und Biokosmetik.

  • Für NATRUE-Biokosmetik müssen mindestens 95 % der Natur- und naturnahen Stoffe aus kontrolliert biologischer Erzeugung oder Wildsammlung stammen.

  • COSMOS Organic verlangt laut Verbraucherzentrale und Öko-Test mindestens 95 % der pflanzlichen und tierischen Rohstoffe aus ökologischer Landwirtschaft.

  • COSMOS ist seit 2017 der verbindliche Nachfolgestandard von BDIH, Ecocert, Cosmebio, ICEA und Soil Association.

  • Demeter-Naturkosmetik schreibt mindestens 90 % Demeter-Rohstoffanteil bei pflanzlichen Bestandteilen vor.

  • Der Begriff „Naturkosmetik" selbst ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt, wie die Verbraucherzentrale und Öko-Test unabhängig voneinander bestätigen.

NATRUE und COSMOS: Die zwei Siegel, auf die es wirklich ankommt

NATRUE und COSMOS sind die zwei Naturkosmetik-Siegel mit der größten Marktverbreitung im deutschsprachigen Raum. Beide prüfen nicht nur einzelne Zutaten, sondern das fertige Produkt: Herkunft der Rohstoffe, Herstellungsverfahren und die vollständige Rezeptur.

Naturkosmetik-Zertifizierung bedeutet nach beiden Standards, dass ein unabhängiger Prüfer die Rezeptur gegen einen festen Kriterienkatalog kontrolliert, bevor das Produkt das Siegel tragen darf. Genau das unterscheidet ein echtes Siegel von einer bloßen Werbeaussage auf der Verpackung.

Dieser Prüfprozess läuft bei beiden Siegeln ähnlich ab: Der Hersteller reicht die vollständige Rezeptur samt Rohstoffherkunft bei einem zugelassenen Zertifizierer ein, dieser gleicht jeden einzelnen Inhaltsstoff mit der jeweiligen Positivliste ab und prüft Belege für den deklarierten Bio-Anteil. Erst nach bestandener Prüfung darf das Produkt das Siegel führen, eine Selbstauskunft des Herstellers allein reicht nicht, denn geprüft wird jede einzelne Substanz in der Rezeptur.

NATRUE vergibt seit der Kriterien-Version 3.9 vom Januar 2021 nur noch die zwei Stufen Naturkosmetik und Biokosmetik. Eine frühere Mittelstufe mit teilweisem Bio-Anteil wird nicht mehr neu zertifiziert. Bei der Berechnung des Naturanteils zählt Wasser nicht mit, damit die Prozentzahl den tatsächlichen Pflanzenanteil zeigt. Mikroplastik ist ausgeschlossen, ebenso Rohstoffe von toten Wirbeltieren. Tierversuche sind auch außerhalb der EU verboten.

COSMOS wird von der COSMOS-standard AISBL getragen, einem Zusammenschluss aus BDIH, Cosmebio, Ecocert, ICEA und der britischen Soil Association. Seit 2017 ist COSMOS der gemeinsame, verbindliche Standard dieser fünf Organisationen. Die Stufe COSMOS Organic setzt laut Verbraucherzentrale mindestens 95 % Bio-Anteil bei den pflanzlichen und tierischen Rohstoffen voraus, die Stufe COSMOS Natural prüft dagegen nur Herkunft und Verarbeitung, ohne einen festen Bio-Mindestanteil zu verlangen.

Eine einfache Faustregel hilft beim schnellen Einordnen: Wer nach dem NATRUE-Biokosmetik-Siegel oder dem COSMOS-Organic-Siegel Ausschau hält, kann sich darauf verlassen, dass mindestens 95 von 100 eingesetzten Natur- und Agrarrohstoffen kontrolliert biologisch erzeugt wurden, unabhängig davon, welches der beiden Siegel am Ende auf der Packung steht. Bei den jeweils schwächeren Stufen (NATRUE Naturkosmetik, COSMOS Natural) gilt diese feste Prozentgrenze dagegen nicht.

Siegel

Träger/Verband

Zentrale Anforderung

Vergeben seit

NATRUE Biokosmetik

NATRUE e.V., Brüssel

Mindestens 95 % Natur-/naturnahe Stoffe aus biologischer Erzeugung oder Wildsammlung

Zweistufiges System seit Januar 2021

COSMOS Organic

COSMOS-standard AISBL (BDIH, Ecocert, Cosmebio, ICEA, Soil Association)

Mindestens 95 % der pflanzlichen/tierischen Rohstoffe aus biologischem Anbau

Verbindlicher Standard seit 2017

COSMOS Natural

COSMOS-standard AISBL

Prüfung von Herkunft und Verarbeitung, kein fester Bio-Mindestanteil

Verbindlicher Standard seit 2017

Demeter-Naturkosmetik

Demeter e.V.

Mindestens 90 % Demeter-Rohstoffanteil bei pflanzlichen Bestandteilen

Eigene Richtlinien seit den 1990er Jahren

Für die tägliche Kaufentscheidung reicht dieser Blick auf zwei Siegel meist aus. Wer tiefer einsteigen will, findet im nächsten Abschnitt, wie BDIH heute noch auf Verpackungen auftaucht und was Demeter-Naturkosmetik zusätzlich verlangt.

BDIH-Nachfolge und Demeter: Zwei weitere Wege zu Bio- und Naturkosmetik

BDIH und Demeter ergänzen NATRUE und COSMOS um zwei Zertifizierungswege mit eigener Geschichte. Beide sind älter als COSMOS und haben unterschiedliche Schwerpunkte: BDIH prüfte ursprünglich wie NATRUE die gesamte Rezeptur, Demeter konzentriert sich auf biodynamisch erzeugte Rohstoffe.

Wer diese beiden Zertifizierungen kennt, versteht auch, warum manche Verpackungen mehrere Siegel gleichzeitig tragen. Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt, dass ein Hersteller mehrere unabhängige Prüfungen parallel durchlaufen hat. Ein Beispiel dafür ist die Taoasis GmbH Natur Duft Manufaktur, die laut Mitgliederregister sowohl NATRUE- als auch Demeter-zertifiziert ist und damit zwei unterschiedliche Kriterienkataloge gleichzeitig erfüllt.

BDIH-Nachfolge: Aus eigenem Siegel wird COSMOS-Baustein

Der BDIH e.V., 1951 als Verband von Herstellern und Vertriebsunternehmen gegründet, vergab jahrzehntelang das eigenständige Siegel „Kontrollierte Naturkosmetik". Im November 2008 einigten sich BDIH und mehrere europäische Partnerorganisationen auf eine gemeinsame Harmonisierung ihrer Standards.

Aus dieser Harmonisierung entstand COSMOS, seit 2017 der verbindliche gemeinsame Standard. Der BDIH e.V. selbst zählt heute über 500 Mitgliedsunternehmen aus Kosmetik-, Pharma- und Nahrungsergänzungsbranche, ein eigenständiges Naturkosmetik-Siegel vergibt der Verband aber nicht mehr getrennt von COSMOS. Taucht „BDIH" heute noch auf einer Verpackung auf, handelt es sich meist um ältere Bestände oder um eine Marke, die zusätzlich zu COSMOS auf die BDIH-Historie verweist.

Demeter-Naturkosmetik: Biodynamische Kriterien statt reiner Bio-Landwirtschaft

Demeter zertifiziert in erster Linie Landwirtschaft und Lebensmittel nach biodynamischen Grundsätzen, seit den 1990er Jahren aber auch Naturkosmetik mit eigenen Richtlinien. Der Unterschied zu NATRUE und COSMOS liegt im Anbauverfahren: Demeter verlangt nicht nur Rohstoffe aus biologischer Landwirtschaft, sondern zusätzlich biodynamischen Anbau nach den Regeln der Demeter-Markengemeinschaft.

Mindestens 90 % der pflanzlichen Bestandteile müssen aus Demeter-Anbau stammen, alle funktionellen Inhaltsstoffe vollständig aus biodynamischem oder biologischem Anbau. Mineralöle, chemisch-synthetische Zusatzstoffe, Nanopartikel, Gentechnik, Bestrahlung und Rohstoffe von toten Tieren sind ausgeschlossen. Zu den nach Demeter-Richtlinien zertifizierten Herstellern zählen laut Demeter e.V. unter anderem Martina Gebhardt Naturkosmetik, die Naturkosmetik Manufaktur Hesse, Lakshmi Ayurvedische Naturkosmetik, Provida Organics und Taoasis.

Welches Naturkosmetik-Siegel passt zu welchem Bedarf: Bio-Anteil, vegane Kosmetik und Tierversuchsfreiheit im Überblick

Die vier Siegel beantworten unterschiedliche Kaufinteressen unterschiedlich gut. Wer weiß, worauf es ihm ankommt, kann die passende Zertifizierung gezielter suchen als mit einem pauschalen Blick auf das Wort „Naturkosmetik". Die folgenden neun Fälle decken die häufigsten Kaufkriterien ab und lassen sich auch kombinieren, etwa wenn sowohl ein hoher Bio-Anteil als auch Tierversuchsfreiheit weltweit gewünscht sind.

Wenn der Preis entscheidet: Drogerie-Eigenmarken mit NATRUE- oder COSMOS-Siegel sind der günstigste Einstieg in zertifizierte Naturkosmetik. Der Bio-Anteil liegt bei diesen Linien meist in der unteren, aber weiterhin geprüften Stufe, für Duschgel oder Shampoo mit hohem Wasseranteil ist das in der Praxis kaum ein Nachteil.

Wenn ein hoher Bio-Anteil zählt: Wer gezielt die Biokosmetik-Stufe von NATRUE oder COSMOS Organic sucht, findet die höchste geprüfte Bio-Konzentration außerhalb von Demeter. Beide Stufen verlangen mindestens 95 % Bio-Rohstoffe und sind damit strenger als die jeweils einfachere Stufe desselben Siegels.

Wenn biodynamischer Anbau wichtig ist: Nur Demeter prüft, ob Rohstoffe nach biodynamischen Grundsätzen angebaut wurden, nicht nur nach klassischen Bio-Kriterien. Wer diesen Unterschied für sich als relevant einstuft, findet ihn ausschließlich bei Demeter-zertifizierten Marken.

Wenn Tierversuchsfreiheit weltweit zählt: NATRUE schreibt den Tierversuchsverbot ausdrücklich auch außerhalb der EU vor, wo lokale Gesetze Tierversuche teils noch zulassen. Das ist relevant für Marken mit Vertrieb in Märkten ohne EU-Tierversuchsverbot.

Wenn vegane Inhaltsstoffe entscheidend sind: Kein Naturkosmetik-Siegel ist automatisch vegan. Honig, Bienenwachs und Lanolin von lebenden Tieren sind bei allen vier Zertifizierungen zulässig. Wer strikt vegan kaufen will, braucht zusätzlich ein eigenes Veganzeichen wie das V-Label oder das Sunflower-Zeichen der Vegan Society. Vegane Kosmetik und tierversuchsfreie Kosmetik sind zwei getrennte Prüfkategorien, die bei Kosmetik- und Pflegeprodukten häufig verwechselt werden, obwohl sie unterschiedliche Kriterien abdecken.

Wenn internationale Tierversuchsfreiheit zusätzlich bestätigt sein soll: Neben NATRUE, das Tierversuche auch außerhalb der EU ausschließt, prüft die Leaping-Bunny-Kennzeichnung (Leaping Bunny) von Cruelty Free International gezielt die komplette Lieferkette eines Unternehmens auf Tierversuchsfreiheit, unabhängig vom jeweiligen Naturkosmetik-Siegel. Beide Kennzeichen lassen sich kombinieren und schließen sich nicht gegenseitig aus.

Wenn Fairer Handel zusätzlich wichtig ist: Fairer Handel ist bei keinem der vier Naturkosmetik-Siegel automatisch Teil der Prüfung, auch importierte Rohstoffe wie Palmöl oder Sheabutter vom Karitébaum werden nicht auf faire Handelsbedingungen kontrolliert. Wer das zusätzlich absichern will, achtet je nach Siegel auf ein eigenes Fairtrade-Siegel, denn verschiedene Siegel prüfen unterschiedliche Kriterien und ergänzen sich, statt sich zu überschneiden.

Wenn Duftstoff-Empfindlichkeit ein Thema ist: Auch zertifizierte Naturkosmetik kann deklarationspflichtige Duftstoffe aus ätherischen Ölen enthalten, etwa Limonen oder Linalool. Naturkosmetik-Siegel prüfen Herkunft und Rezeptur, keine individuelle Hautverträglichkeit.

Wenn plastikfreie oder feste Produkte gesucht sind: NATRUE und COSMOS schließen Mikroplastik als Inhaltsstoff grundsätzlich aus, unabhängig von der Produktform. Bei festen Shampoos, Seifen und Duschpflege ohne Kunststoffverpackung lohnt trotzdem ein Blick auf das Siegel, weil Mikroplastik-Verbot und plastikfreie Verpackung zwei unterschiedliche Kriterien sind, die nicht automatisch zusammenfallen.

Zertifizierte Unternehmen in Deutschland: Was die NATRUE- und Demeter-Register zeigen

Die öffentlichen Mitgliederregister von NATRUE und Demeter zeigen, welche Unternehmen sich unabhängig prüfen lassen, statt sich nur mit dem Wort „Naturkosmetik" zu schmücken. Ein Blick in diese Register liefert konkretere Anhaltspunkte als jede Werbeaussage auf der Verpackung. Beide Register werden von den Zertifizierern selbst gepflegt und laufend aktualisiert, sodass sie den Stand der tatsächlich geprüften Unternehmen zuverlässiger abbilden als eine einmalige Momentaufnahme aus Pressematerial.

Das NATRUE-Mitgliederverzeichnis listet allein für Deutschland 21 Unternehmen, darunter LOGOCOS Naturkosmetik GmbH & Co. KG als Herstellerin der Marken LOGONA und Sante, Santaverde GmbH, Fair Squared GmbH sowie die Taoasis GmbH Natur Duft Manufaktur, die gleichzeitig auch nach Demeter-Richtlinien zertifiziert ist. Auffällig: Auch der Handelskonzern dm-drogerie markt GmbH + Co. KG selbst steht auf der NATRUE-Mitgliederliste, nicht nur als Vertriebskanal, sondern als eigenes zertifiziertes Mitglied. Das zeigt, dass Naturkosmetik-Zertifizierung längst nicht mehr nur kleine Manufakturen betrifft, sondern auch auf Handelsebene angekommen ist.

Unternehmen

Zertifizierung

Sitz

Typische Bezugsquelle

LOGOCOS Naturkosmetik GmbH & Co. KG (Hersteller von LOGONA, Sante)

NATRUE-Mitglied

Deutschland

Drogeriemarkt, Naturkostfachhandel

Santaverde GmbH

NATRUE-Mitglied

Deutschland

Naturkostfachhandel, Onlinehandel

Taoasis GmbH Natur Duft Manufaktur

NATRUE-Mitglied und Demeter-zertifiziert

Deutschland

Naturkostfachhandel, Apotheke

Fair Squared GmbH

NATRUE-Mitglied

Deutschland

Naturkostfachhandel, Onlinehandel

dm-drogerie markt GmbH + Co. KG

NATRUE-Mitglied (Handelsunternehmen)

Deutschland

Drogeriemarkt

Martina Gebhardt Naturkosmetik GmbH

Demeter-zertifiziert

Deutschland

Naturkostfachhandel

Naturkosmetik Manufaktur Hesse GmbH

Demeter-zertifiziert

Deutschland

Naturkostfachhandel, Onlineshop

Anton Hübner GmbH & Co. KG

NATRUE-Mitglied

Deutschland

Drogeriemarkt, Apotheke

Hellmut Ruck GmbH

NATRUE-Mitglied

Deutschland

Fachhandel, Friseurbedarf

Diese Register-Daten sind aussagekräftiger als eine Marketingzahl auf der Verpackung, weil sie direkt beim Zertifizierer geführt werden und sich jederzeit online gegenprüfen lassen. Wer eine Marke aus der Tabelle nicht wiederfindet, sollte das nicht als Hinweis auf schlechte Qualität werten, sondern als Hinweis darauf, ein anderes der vier Siegel oder das jeweilige Herstellerregister direkt zu prüfen.

Die Auswahl in der Tabelle bildet bewusst nur einen Ausschnitt ab: NATRUE allein listet für Deutschland 21 Mitgliedsunternehmen, international kommen Mitglieder aus Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien, Kroatien, Belgien, Neuseeland, Sri Lanka, Peru, Slowenien, Schweden und den USA hinzu, darunter etwa Dr. Bronner's Magic Soaps mit Sitz in den USA. Die vollständige, laufend aktualisierte Liste lässt sich jederzeit direkt im NATRUE-Mitgliederregister nachschlagen.

Wer sich zusätzlich zur Zertifizierung an veganer Körperpflege orientiert, sollte diese beiden Kriterien getrennt prüfen, da sie sich wie im vorherigen Abschnitt gezeigt nicht automatisch überschneiden. Konkrete Produktempfehlungen mit Zertifizierungsangabe finden sich auch in unserer Bestenliste zu Naturkosmetik-Nachtcreme.

Warum der Begriff „Naturkosmetik" allein nichts garantiert

Der Begriff Naturkosmetik ist in Deutschland gesetzlich nicht geschützt. Das weitverbreitete Vorurteil lautet trotzdem: Steht „Naturkosmetik" oder „natürliche Kosmetik" auf der Verpackung, sei das Produkt automatisch geprüft und unbedenklich. Genau das stimmt nicht, und dieser Irrtum ist der Hauptgrund, warum die vier echten Siegel überhaupt wichtig sind.

Öko-Test warnt ausdrücklich davor, Begriffe wie „Pflanzenkosmetik", „natürliche Kosmetik" oder „Naturkosmetik" mit einer geprüften Zertifizierung gleichzusetzen. Diese Bezeichnungen sind in Deutschland nicht gesetzlich geschützt, Hersteller dürfen sie verwenden, selbst wenn ein Produkt umwelt- oder gesundheitsbedenkliche Stoffe enthält. Auch die Verbraucherzentrale bestätigt unabhängig davon, dass private Siegel wie NATRUE und COSMOS „von den Kosmetikunternehmen mehr fordern als der Gesetzgeber".

Der Unterschied zwischen einem echten Siegel und einer bloßen Werbeaussage liegt in der unabhängigen Prüfung. Ein Siegel wie NATRUE oder COSMOS bedeutet, dass ein externer Zertifizierer die komplette Rezeptur gegen einen festen, veröffentlichten Kriterienkatalog kontrolliert hat, bevor das Produkt das Zeichen tragen darf. Der bloße Verpackungstext „Naturkosmetik" durchläuft keine solche externe Kontrolle.

Konkret bedeutet das: Ein Produkt ohne eines der vier Siegel darf laut Verbraucherzentrale weiterhin mineralische Rohstoffe wie Paraffine, Erdölprodukte, Silikone, PEG-Verbindungen oder synthetische Duftstoffe enthalten und trotzdem als „Naturkosmetik" beworben werden, solange keine anderslautende gesetzliche Regelung greift. Genau diese Stoffe schließen NATRUE, COSMOS, die COSMOS-Nachfolge von BDIH und Demeter für zertifizierte Produkte dagegen ausdrücklich aus. Wer diesen Unterschied kennt, erkennt auf einen Blick, warum ein Siegel mehr Aussagekraft hat als das Wort auf der Vorderseite.

Wer sich zu diesem Thema und zu weiteren Nachhaltigkeitssiegeln informieren will, findet auf greenya.de, Deutschlands Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997, ein umfangreiches Verzeichnis geprüfter Anbieter und weiterführende Ratgeber.

Ab dem 27. September 2026 verschärft die EU-Richtlinie 2024/825 die Anforderungen an Umweltaussagen zusätzlich. Pauschale Begriffe wie „nachhaltig" oder „umweltfreundlich" müssen dann im selben Absatz konkret belegt werden, etwa durch ein Zertifikat oder eine Messgröße. Für Naturkosmetik bedeutet das: Der Verweis auf ein anerkanntes Siegel wie NATRUE, COSMOS oder Demeter gewinnt als konkreter Beleg zusätzlich an Bedeutung, ein bloßer Aufdruck „Naturkosmetik" ohne Siegel erfüllt diese Anforderung dagegen nicht. Zur Einordnung anderer Umweltzeichen außerhalb der Kosmetik lohnt sich auch ein Blick auf das deutsche Umweltzeichen Blauer Engel und die EU-Ecolabel-Euroblume, die beide branchenübergreifend statt speziell für Kosmetik vergeben werden.

Ist teure Naturkosmetik automatisch besser als Drogerie-Eigenmarken?

Nein, der Preis sagt bei zertifizierter Naturkosmetik wenig über die Prüftiefe aus. Trägt ein Produkt aus der Drogerie dasselbe NATRUE-Biokosmetik- oder COSMOS-Organic-Siegel wie eine teure Nischenmarke, hat es exakt dieselben Mindestanforderungen erfüllt.

Der Preisunterschied entsteht eher durch Vertriebswege, Markenpositionierung, Verpackungsdesign und Produktionsmenge als durch strengere Zertifizierungskriterien. Eine Drogerie-Eigenmarke mit hoher Stückzahl kann Rohstoffe günstiger einkaufen als eine kleine Manufaktur, ohne bei der Zertifizierung selbst Abstriche zu machen.

Ein Unterschied bleibt trotzdem real: Nischenmarken mit Fokus auf ätherische Öle oder Aromapflege erreichen im Schnitt einen höheren Anteil an der jeweiligen Biokosmetik-Stufe als breite Drogerie-Sortimente, weil ihr gesamtes Portfolio auf diese Stufe ausgelegt ist. Wer gezielt die höchste zertifizierte Bio-Konzentration sucht, findet sie eher bei spezialisierten Fachmarken, nicht automatisch bei den teuersten Produkten insgesamt.

Manche Drogerie-Eigenmarken lassen zudem bei denselben Vertragsherstellern produzieren wie kleinere Fachmarken, nur unter anderem Namen und mit anderem Verpackungsdesign. Für die Zertifizierung selbst spielt das keine Rolle, geprüft wird die Rezeptur, nicht der Markenname oder das Preisschild davor.

Zertifizierte Naturkosmetik im Regal richtig erkennen

Suche zuerst nach einem der vier Siegel-Logos auf der Verpackung, nicht nach dem Wort „Naturkosmetik" im Produktnamen. NATRUE zeigt ein grünes Blattmotiv, COSMOS ein rundes Symbol mit den Buchstaben COSMOS ORGANIC oder COSMOS NATURAL, Demeter das Demeter-Logo mit dem stilisierten Kornkreis.

Prüfe anschließend, welche Stufe des Siegels angegeben ist. Bei NATRUE steht explizit „Naturkosmetik" oder „Biokosmetik" dabei, bei COSMOS „Natural" oder „Organic". Diese Stufenangabe entscheidet über den tatsächlichen Bio-Mindestanteil, nicht das Vorhandensein des Siegels allein.

Bei Unsicherheit hilft ein Blick in die öffentlichen Online-Register der Zertifizierer. NATRUE und Demeter veröffentlichen ihre zertifizierten Mitglieder und Marken, sodass sich eine Verpackungsangabe im Zweifel direkt gegenprüfen lässt, statt sich allein auf den Aufdruck zu verlassen.

Ein zusätzlicher Praxis-Tipp für den Einkauf: Viele Hersteller verlinken auf der Produktseite ihrer eigenen Website die genaue Zertifikatsnummer oder ein PDF-Prüfzertifikat. Findet sich dort kein Verweis auf NATRUE, COSMOS, die COSMOS-Nachfolge von BDIH oder Demeter, lohnt eine kurze Nachfrage beim Hersteller, bevor ein Produkt als geprüfte Naturkosmetik eingeordnet wird.

Sinnvoll ist außerdem der kombinierte Blick auf Siegel und Zutatenliste (INCI). Ein Siegel bestätigt, dass die gesamte Rezeptur einen Kriterienkatalog bestanden hat, die INCI-Liste zeigt zusätzlich, welche einzelnen Pflanzenstoffe, Öle oder Duftstoffe konkret enthalten sind. Wer zum Beispiel gezielt bestimmte ätherische Öle meiden möchte, findet diese Information nur in der Zutatenliste, nicht im Siegel selbst, weil Naturkosmetik-Siegel keine Aussage zu einzelnen Inhaltsstoffen treffen.

Häufige Fragen zu Naturkosmetik-Siegeln

Die folgenden Fragen tauchen bei der Suche nach zertifizierter Naturkosmetik am häufigsten auf und ergänzen Aspekte, die in den Hauptabschnitten nicht vollständig abgedeckt sind.

Ist Naturkosmetik automatisch vegan?

Nein, Naturkosmetik-Siegel prüfen Bio-Herkunft und Naturstoffanteil, nicht die vegane Eignung. Laut Verbraucherzentrale sind tierische Inhaltsstoffe wie Honig, Bienenwachs oder Lanolin bei NATRUE und COSMOS zulässig, solange sie von lebenden Tieren stammen und keine Tiere dabei getötet werden. Wer strikt vegan einkaufen möchte, braucht zusätzlich ein eigenes Veganzeichen wie das V-Label oder das Sunflower-Zeichen der Vegan Society auf derselben Verpackung, denn ein Naturkosmetik-Siegel allein ersetzt diese separate Prüfung nicht.

Der Unterschied zwischen Naturkosmetik und Biokosmetik bei NATRUE

NATRUE vergibt seit Januar 2021 nur noch zwei Stufen. Naturkosmetik verlangt einen hohen Anteil an Naturstoffen ohne festen Bio-Mindestwert, Biokosmetik dagegen mindestens 95 % biologisch erzeugte oder wildgesammelte Natur- und naturnahe Stoffe. Beide Stufen schließen synthetische Duftstoffe, Silikone und Paraffine aus, unterscheiden sich aber deutlich im Bio-Anteil. Eine frühere Mittelstufe mit teilweisem Bio-Anteil vergibt NATRUE seit der Kriterien-Version 3.9 nicht mehr neu, ältere Zertifikate dieser Stufe laufen lediglich aus. Manche Hersteller schreiben statt Biokosmetik auch Bio-Kosmetik, gemeint ist in beiden Schreibweisen dieselbe strengere Stufe: Naturkosmetik in Bioqualität beziehungsweise Naturkosmetik mit Bio-Anteil von mindestens 95 Prozent. Der Unterschied zwischen Naturkosmetik und Bio-Kosmetik liegt also nur in der Schreibweise, nicht in der geprüften Sache.

Warum steht auf manchen Produkten noch BDIH, obwohl es in COSMOS aufgegangen ist?

Der BDIH e.V. vergibt sein früheres Siegel „Kontrollierte Naturkosmetik" seit der COSMOS-Einführung 2017 nicht mehr eigenständig. Manche Verpackungen tragen laut kontrollierte-naturkosmetik.de dennoch weiterhin einen BDIH-Hinweis, meist als historischer Zusatz neben dem aktuellen COSMOS-Zeichen oder auf älteren Verpackungsbeständen. Der BDIH e.V. selbst besteht als Wirtschaftsverband mit über 500 Mitgliedsunternehmen weiter, nur die eigenständige Kosmetik-Zertifizierung ist im COSMOS-Standard aufgegangen.

Tierversuche und zertifizierte Naturkosmetik

Alle vier Naturkosmetik-Siegel schließen Tierversuche für die zertifizierten Produkte aus. NATRUE geht laut eigenen Kriterien sogar über die EU-Vorgaben hinaus und verbietet Tierversuche auch für Märkte außerhalb der EU, in denen lokale Gesetze Tierversuche teilweise noch zulassen würden. Rohstoffe von getöteten Wirbeltieren sind bei NATRUE ebenfalls ausgeschlossen, während Rohstoffe von lebenden Tieren wie Bienen weiterhin erlaubt bleiben.

Warum ist die Haltbarkeit von zertifizierter Naturkosmetik oft kürzer?

Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf synthetische Konservierungsstoffe wie Parabene, die bei allen vier Siegeln ausgeschlossen sind. Stattdessen kommen natürliche Konservierungssysteme zum Einsatz, die meist eine kürzere Haltbarkeit nach dem Öffnen haben. Der Zeitraum steht als PAO-Symbol (Monatszahl mit geöffnetem Tiegel) auf der Verpackung. Kühl und dunkel gelagert, lässt sich diese Zeitspanne in der Praxis meist gut ausschöpfen, ohne dass Konsistenz oder Duft spürbar nachlassen.

Ist Demeter-Naturkosmetik strenger als NATRUE oder COSMOS?

Nicht pauschal strenger, sondern anders ausgerichtet. Demeter verlangt mit mindestens 90 % einen etwas niedrigeren reinen Rohstoffanteil als die 95 % von NATRUE-Biokosmetik oder COSMOS Organic, prüft dafür aber zusätzlich, ob der Anbau nach biodynamischen statt nur nach klassischen Bio-Kriterien erfolgt ist. Welches Kriterium als „strenger" gilt, hängt davon ab, ob Bio-Anteil oder Anbauverfahren im Vordergrund steht.

Fazit: Vier Siegel, ein gemeinsamer Maßstab

Vier Prüfzeichen liefern bei Naturkosmetik eine belastbare Orientierung: NATRUE und COSMOS für den schnellen Überblick, die COSMOS-Nachfolge des früheren BDIH-Siegels für den historischen Kontext, Demeter für biodynamisch erzeugte Rohstoffe. Wer beim Einkauf gezielt nach einem dieser vier Zeichen und der jeweiligen Stufe sucht, kann sich unabhängig vom Preis auf eine geprüfte Rezeptur verlassen. Das bloße Wort „Naturkosmetik" auf der Verpackung ersetzt diese Prüfung nicht, wie Verbraucherzentrale und Öko-Test übereinstimmend festhalten. Für die konkrete Kaufentscheidung lohnt sich der kurze Blick auf Siegel und Stufe mehr als jede Werbeaussage auf der Vorderseite.

Quellen und weiterführende Informationen