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Schlehenlikör selber machen: Rezept mit Kandis und Korn

Reife blauschwarze Schlehen an einem Zweig mit grünen Blättern © Annie Spratt / Unsplash+
© Annie Spratt / Unsplash+
Von greenya Redaktion

Für eine Flasche Schlehenlikör mit knapp einem Liter setzt du 400 g Schlehen mit 150 g Kandiszucker und 0,7 Litern Doppelkorn an und lässt die Flasche acht bis zehn Wochen ziehen. Schlehenlikör ist ein aromatischer Likör aus den Früchten des Schwarzdorns, Zucker und Kornbrand oder Wodka. Hier erfährst du, wann du Schlehen erntest, wie du sie entbitterst und wie du den Likör sicher zubereitest.

Schlehenlikör im Überblick: Zutaten, Ziehzeit und Haltbarkeit

  • Für eine Flasche brauchst du 400 g Schlehen, 150 g weißen Kandiszucker und 0,7 Liter Doppelkorn oder Wodka mit 38 Vol.-%.
  • Frisch gepflückte Schlehen frierst du über Nacht ein, wenn sie noch keinen Frost abbekommen haben, denn Kälte macht sie milder.
  • Die Flasche zieht acht bis zehn Wochen hell und bei Zimmertemperatur und wird anfangs alle paar Tage geschüttelt.
  • Die Kerne bleiben ganz, denn sie enthalten Amygdalin, aus dem Blausäure entstehen kann.
  • Nach dem Abseihen hält der Likör gut verschlossen jahrelang und schmeckt nach einigen Monaten Lagerung runder.
  • Rechnerisch hat der fertige Likör rund 25 bis 30 Vol.-%, deshalb gehört er nicht in Kinderhände und nicht in die Schwangerschaft.

Schlehenlikör selber machen: Rezept Schritt für Schritt

Schlehenlikör gelingt mit drei Zutaten und einem großen Glas: Frostbehandelte Schlehen, Kandis und Kornbrand ziehen zwei Monate zusammen, dann wird der Likör abgeseiht. Aktiv arbeitest du etwa 20 Minuten, den Rest erledigt die Zeit.

Für eine Flasche mit rund 0,9 Litern Likör brauchst du 400 g Schlehen, 150 g weißen Kandis, 0,7 Liter Doppelkorn oder Wodka mit 38 Vol.-% und ein Glas oder eine Flasche mit weitem Hals und mindestens 1,5 Litern Inhalt. Optional kommen eine halbe Vanilleschote, eine Zimtstange oder zwei bis drei Gewürznelken dazu. Unser Ansatz liegt bewusst zwischen zwei gängigen Verhältnissen: LECKER nimmt 200 g Schlehen und 150 g Kandis auf 0,75 Liter Korn, t-online rechnet mit 1 kg Schlehen, 300 g Zucker, 1 Liter Rotwein und 1 Liter Korn. Mit 400 g Schlehen bekommt der Likör mehr Fruchtaroma als in der schlanken Variante, ohne den Wein zu brauchen.

  1. Schlehen vorbereiten: Zupfe die Früchte von den Stielen, wasche sie und lass sie gut abtropfen. Hatten die Schlehen noch keinen Frost, friere sie über Nacht im Gefrierfach ein.
  2. Ansetzen: Gib die gefrorenen Schlehen ins Glas, füge den Kandis hinzu und gieße den Korn darüber, bis alle Früchte bedeckt sind. Eine Vanilleschote oder Zimtstange kommt jetzt dazu.
  3. Ziehen lassen: Verschließe das Glas und stelle es hell bei Zimmertemperatur auf die Fensterbank, etwa acht bis zehn Wochen lang. Ein dunkler, kühler Ort funktioniert ebenfalls, dann zieht der Likör etwas langsamer. Schüttle es anfangs alle paar Tage, damit sich der Kandis auflöst.
  4. Abseihen: Gieße alles durch ein feines Sieb oder ein Passiertuch und fülle den Likör in saubere Flaschen.
  5. Reifen lassen: Lass den Likör noch einige Wochen ruhen. Die Aromen verbinden sich, und das herbe Mandelaroma wird weicher.

Kandis löst sich langsam im Alkohol, deshalb schüttelst du die Flasche anfangs öfter. Wer es weniger süß mag, nimmt 100 g Kandis und süßt nach dem Abseihen bei Bedarf mit etwas Zuckersirup nach.

Frostbehandlung: Warum Schlehen eingefroren werden

Frische Schlehen vom Strauch schmecken im Herbst sehr herb. Das liegt an Gerb- und Bitterstoffen. Nach Angaben von Plantura werden nach dem Durchfrieren die Zellwände durchlässiger, Stärke wird zu Zucker und der Gerbstoffgehalt sinkt. Dasselbe erreichst du in der Tiefkühltruhe, wenn die Früchte noch keinen Frost bekommen haben. Wasche und trockne sie, packe sie in Gefrierbeutel und lasse sie über Nacht gefrieren. Eingefroren halten sie sich laut Plantura mehrere Monate, frisch nur wenige Tage.

Schlehenlikör mit Rotwein und Gewürzen

Magst du es weihnachtlich, setzt du einen Teil des Korns durch Rotwein und Gewürze um. t-online kocht dafür die zerkleinerten Schlehen kurz mit Wasser auf, lässt sie eine Woche im Rotwein ziehen und kocht den Seihsaft mit Nelken, Sternanis, Zimtstange und Zucker auf, bevor der Korn untergerührt wird. Das Ergebnis ist ein süßer, wärmender Likör für kalte Abende.

Wann sind Schlehen reif zum Ernten?

Schlehen sind reif, wenn die Schale bis zum Stielansatz kräftig blauschwarz ist. Nach Plantura liegt die beste Erntezeit zwischen Ende November und Mitte Dezember, also nach den ersten Frösten. Frühe Früchte ab Oktober eignen sich ebenfalls, wenn du sie vor dem Ansetzen einfrierst.

Je länger die Beeren am Strauch hängen, desto milder und süßer werden sie, schreibt ÖKO-TEST. Das Risiko liegt bei den Vögeln: Sie fressen die Früchte gern weg, deshalb lohnt sich eine frühere Ernte mit Frost aus der Truhe. Pflücke mit Handschuhen und langer Kleidung, denn die Zweige tragen spitze Dornen. Die Beeren werden einzeln gepflückt.

Schlehen sammeln: Was das Gesetz erlaubt

In Deutschland darf jeder wild lebende Früchte aus der Natur in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen. So steht es in Paragraf 39 Absatz 3 des Bundesnaturschutzgesetzes. Das gilt nur an Stellen ohne Betretungsverbot, und Naturschutzgebiete haben oft eigene Regeln.

Nimm nie einen ganzen Strauch ab. Vögel und Säugetiere sind im Winter auf die Früchte angewiesen, betont ÖKO-TEST. Pflücke nur so viel, wie du verarbeitest, und meide Standorte direkt an stark befahrenen Straßen. Das Sammeln auf Privatgrund braucht die Erlaubnis des Eigentümers. Wenn du nicht ganz sicher bist, ob du eine Schlehe vor dir hast, lass sie hängen. Zur Bestimmung hilft ein Blick auf die Blüte im Frühjahr: Die Schlehe blüht weiß vor dem Laubaustrieb und duftet nach Mandel.

Kerne und Blausäure: Was bei Schlehenlikör wichtig ist

Die Kerne der Schlehe enthalten Amygdalin, das im Körper zu Blausäure umgewandelt werden kann. Nach Plantura ist der Gehalt in den kleinen Kernen gering. Trotzdem gilt: Lass die Steine im Likör ganz und knacke sie nicht auf.

Manche Rezepte raten dazu, einzelne Steine aufzuschlagen, um ein Marzipanaroma zu gewinnen. LECKER beschreibt das in seinem Rezept, ohne auf Blausäure einzugehen. Wir verzichten bewusst darauf. Ganze Steine geben dem Likör ohnehin einen leichten Mandelton, und du gehst auf Nummer sicher. Lässt du die Steine im Likör, nimmst du sie beim Abseihen heraus. Iss die Kerne nicht und zerkaue sie nicht. Schlehenlikör ist für Erwachsene gedacht, Kinder bekommen ihn nicht.

Wie schmeckt Schlehenlikör und wozu passt er?

Schlehenlikör schmeckt fruchtig, süß und fein herb, oft mit einer leichten Mandelnote aus den Steinen. Das Aroma erinnert viele an Amaretto oder Marzipan. Pur trinkst du ihn in kleinen Gläsern als Digestif. Er passt zu Schokolade, Vanilleeis und Pflaumenkuchen, in Glühwein oder mit Sekt aufgefüllt als Aperitif. Zu süß geraten? Dann hilft ein kleiner Schuss Zitronensaft im Glas. Zu mild? Dann lass den Likör noch ein paar Wochen auf den Früchten stehen.

Wie lange hält Schlehenlikör?

Gut verschlossen und kühl gelagert hält Schlehenlikör nach dem Abseihen jahrelang. LECKER schreibt, der Likör halte sich jahrelang und schmecke mit der Lagerzeit besser. Der Alkohol und der Zucker konservieren ihn.

Bewahre ihn in sauberen, dicht schließenden Flaschen dunkel auf. Setzt sich mit der Zeit etwas Satz ab, seihst du den Likör einfach noch einmal ab. Riecht oder schmeckt er muffig, kippst du ihn weg. Wie du bei abgelaufenen Lebensmitteln zwischen genießbar und verdorben unterscheidest, erklärt der Beitrag Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen.

Alkohol im Schlehenlikör: Das solltest du wissen

Ein Likör aus 0,7 Litern Korn mit 38 Vol.-% und 150 g Kandis enthält rechnerisch rund 25 bis 30 Vol.-% Alkohol. Das ist eine eigene Überschlagsrechnung, die Menge hängt von der Fruchtmenge ab. Ein Gläschen mit 2 cl enthält damit etwa 4 bis 5 g reinen Alkohol.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) rät: Am besten für die Gesundheit ist es, keinen Alkohol zu trinken. Schwangere sollen unbedingt vollständig auf Alkohol verzichten, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen keinen trinken. Schlehenlikör ist deshalb ein Genussmittel für Erwachsene und gehört in kleinen Gläsern auf den Tisch, nicht in den Alltag. Er enthält auch viel Zucker: Der Kandis allein trägt in einer Flasche rund 600 kcal bei, der Alkohol rund 1.500 kcal (eigene Rechnung). Wer den Zucker reduzieren will, findet Alternativen im Beitrag Zuckerersatz im Vergleich.

Schlehenlikör verfeinern und Schlehen weiter verwerten

Schlehenlikör lässt sich mit Vanille, Zimt, Nelken, Sternanis oder einem Streifen Bio-Orangenschale verfeinern, die du mit ansetzt und beim Abseihen entfernst. Pur schmeckt er als Digestif, auf Eis oder im Kuchenteig. Mit Sekt aufgefüllt wird er zum winterlichen Aperitif.

Die abgeseihten Schlehen sind nicht verloren. Sie lassen sich in Desserts mit Alkohol verarbeiten oder entsteint für Kompott verwenden. Aus frischen Schlehen kochst du außerdem Saft, Sirup, Marmelade oder Gelee, wie Plantura beschreibt. Ein Rezept für Sirup findest du im Beitrag Sirup selber machen. Was im Herbst und Winter sonst Saison hat, zeigt der Saisonkalender November.

Häufige Fragen zu Schlehenlikör

Diese sieben Fragen kommen bei Schlehenlikör am häufigsten auf.

Muss man Schlehen vor dem Ansetzen einfrieren?

Nur wenn sie noch keinen Frost hatten. Der erste Frost macht die Früchte milder, weil Stärke zu Zucker wird und Gerbstoffe abnehmen. Das Einfrieren über Nacht ersetzt den Frost. LECKER empfiehlt es, wenn die Schlehen nicht nach dem ersten Frost geerntet wurden.

Wie lange muss Schlehenlikör ziehen?

Acht bis zehn Wochen sind ein guter Richtwert. LECKER gibt zehn Wochen an. Wer es eilig hat, seiht nach sechs Wochen ab, der Likör schmeckt dann fruchtiger und etwas schärfer. Länger gelagert wird er runder.

Welcher Alkohol eignet sich für Schlehenlikör?

Am häufigsten sind Doppelkorn und Wodka mit 38 bis 40 Vol.-%. Sie schmecken neutral und lassen die Frucht wirken. Nach Plantura gelingt Likör auch mit Gin oder Rum.

Sind Schlehenkerne giftig?

Die Kerne enthalten Amygdalin, aus dem Blausäure entstehen kann. Nach Plantura ist die Menge in den kleinen Kernen gering. Du solltest sie trotzdem nicht zerkauen oder zerkleinern und im Likör ganz lassen. Kinder sollten Schlehen roh nicht essen.

Kann man Schlehenlikör ohne Alkohol machen?

Ein echter Likör braucht Alkohol, weil er die Aromen löst und den Likör haltbar macht. Alkoholfrei kochst du aus Schlehen Saft oder Sirup. Plantura beschreibt beides mit Wasser, Zucker und Zitronensaft. Beides ist ohne Alkohol aber deutlich kürzer haltbar als Likör und gehört nach dem Öffnen in den Kühlschrank.

Was ist der Unterschied zwischen Schlehenlikör, Schlehenfeuer und Sloe Gin?

Schlehenlikör ist der Oberbegriff für Fruchtlikör aus Schlehen. Schlehenfeuer nennt der Bayerische Rundfunk sein Rezept für denselben Likör. Sloe Gin ist die englische Variante mit Gin als Grundlage. Ein Schlehenschnaps wird dagegen destilliert und braucht nach Plantura eine Destillieranlage und Vorkenntnisse.

Wie isst man Schlehen?

Roh schmecken Schlehen vor dem Frost sehr herb und adstringierend. Nach dem Frost oder aus der Tiefkühltruhe sind sie milder. Du kannst sie zu Marmelade, Mus, Gelee oder Kompott kochen, trocknen und über Müsli streuen oder als Tee aufbrühen. Beim Kochen entkernst du sie durch ein feines Sieb.

Fazit: Frostbehandelte Schlehen, Kandis und ein bisschen Geduld

Schlehenlikör gelingt, wenn die Schlehen Frost hatten, die Steine ganz bleiben und die Flasche zwei Monate in Ruhe zieht. Unsere Empfehlung: Setz noch im November eine Flasche an, dann steht sie zu Weihnachten bereit. Pflücke nur so viel, wie du brauchst, und lass den Vögeln genug am Strauch. Mehr Ratgeber rund um Saison, Wildfrüchte und Vorrat findest du auf greenya.de, Deutschlands Nachhaltigkeitsportal seit 1997.

Quellen und weiterführende Informationen