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Agroforstwirtschaft im Kaffeeanbau: Marken für nachhaltige, ökologische Kaffeeproduktion und Agroforst-Kaffees

Eine Kaffeeplantage in der Nähe von Doi Tung nördlich der Stadt Chiang Rai in Nordthailand. Dort wächst der Kaffee im Schatten der Bäume.  null
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Acht Marken setzen im DACH-Raum konsequent auf Agroforstwirtschaft im Kaffeeanbau – mit nachvollziehbaren Höhenlagen zwischen 1.300 und 1.800 Metern, klar benannten Kooperativen und Schattenbaum-Arten von Inga über Banane bis Eukalyptus. Agroforstsysteme binden laut Naturland 3,7 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr und beherbergen ein deutlich reicheres Ökosystem als Monokulturen. Mount Hagen, GEPA und WeltPartner sind die drei Schwergewichte.

Agroforst-Kaffee in Zahlen

  • 3,7 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr binden ökologische Schattenkaffeepflanzungen laut Naturland zusätzlich zu Plantagen ohne Schattenbäume

  • Bis zu dreifache Ertragssteigerung pro Kaffeestrauch nach mehrjähriger Etablierung des Agroforstsystems – belegt im Naturland-Burundi-Projekt seit 2014

  • Rund 11.000 Familien in 39 burundischen Kooperativen profitieren laut Cococa-Verband vom Agroforstprojekt

  • 25 Jahre Forschung des Smithsonian Migratory Bird Center belegen: Schattenkaffeefarmen mit dichtem Kronendach beherbergen Vogelarten in nahezu Wald-Dichte

  • Höhenlagen zwischen 1.300 und 1.800 Metern sind Standard für hochwertige Agroforst-Arabicas in Lateinamerika und Ostafrika

  • Ab Anfang 2026 neuer Rainforest-Alliance-Standard für regenerative Landwirtschaft mit fünf Wirkungsbereichen: Boden, Klima, Biodiversität, Wasser, Lebensgrundlagen

Was ist Agroforstwirtschaft im Kaffeeanbau?

Agroforstwirtschaft im Kaffeeanbau bezeichnet ein Anbausystem, in dem Kaffeepflanzen gemeinsam mit Bäumen, Sträuchern und weiteren Nutzpflanzen auf derselben Fläche wachsen. Diese Form der Kaffeeproduktion bildet ein vielschichtiges Ökosystem ab, dessen Stockwerkaufbau sich am natürlichen Regenwald orientiert, aus dem die Kaffeepflanze ursprünglich stammt. Damit wird Kaffee dort kultiviert, wo er ökologisch hingehört: im Halbschatten höherer Bäume.

Das System ist klar strukturiert. Naturland-Agroforstexperte Peter Gänz beschreibt den Stockwerkaufbau einer typischen Naturland-Kaffeeparzelle so: Krautschicht als ganzjährige Bodenbedeckung, darüber eine Strauchschicht mit Kaffee, Bananen und Zitrusfrüchten, und ganz oben das Dach aus Schattenbäumen. Wer eine solche Parzelle betritt, hat laut Gänz das Gefühl, im Wald zu stehen.

Dieses System ist das Gegenteil der industriellen Monokultur, in der Kaffee in offenen Feldern unter direkter Sonneneinstrahlung wächst. Der Boden bleibt durch das Kronendach feucht, die Blätter zersetzen sich zu Humus und liefern natürlichen Dünger. Bodenerosion wird reduziert, der Wasserverbrauch sinkt, und das Mikroklima stabilisiert sich.

Wirtschaftlich ist das System ebenso schlüssig: Kleinbauern diversifizieren ihre Erträge durch Bananen, Zitrus oder Mahagoni und werden weniger abhängig vom volatilen Kaffeepreis. Diversifizierte Betriebe sind zudem widerstandsfähiger gegen Wetterextreme – eine ökonomische Strategie für Betriebe in tropischen Kaffeeanbaugebieten.

Welche ökologischen Vorteile bietet der Agroforst?

Agroforstsysteme bieten messbare ökologische Vorteile gegenüber kahl gerodeten Kaffeeplantagen. Das Smithsonian Migratory Bird Center belegt seit 25 Jahren wissenschaftlich, dass Farmen mit dichtem und vielfältigem Kronendach Vögeln einen Lebensraum bieten, der natürlichen Wäldern ähnelt – die Grundlage für die Bird-Friendly-Zertifizierung. Die Vorteile der Agroforstwirtschaft umfassen Biodiversität, Boden, Klima, Wasser und natürliche Schädlingsregulation zugleich.

Der Beitrag zum Klimaschutz ist quantifiziert: Studien, auf die sich Naturland beruft, zeigen, dass ökologische Schattenkaffeepflanzungen mindestens eine Tonne mehr Kohlenstoff pro Hektar binden als Kaffeeplantagen ohne Schattenbäume. Umgerechnet auf CO₂ entspricht das laut Naturland 3,7 Tonnen pro Hektar und Jahr. Die zusätzliche Biomasse aus Laub und Wurzeln baut sich im Boden zu Humus auf – ein langfristiger Kohlenstoffspeicher, der zugleich die Fruchtbarkeit verbessert.

Die Wirkung auf die biologische Vielfalt ist die zweite zentrale Leistung. Das UN-Biodiversitätsgremium IPBES weist seit dem Globalen Bewertungsbericht 2019 darauf hin, dass diversifizierte Agrarsysteme eine zentrale Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt spielen. In Agroforstsystemen finden mehr Pflanzen- und Tierarten Lebensraum: Insekten, Vögel und kleine Säugetiere finden Nahrung und Schutz, während Monokulturen diese Funktionen weitgehend verlieren.

Bodenschutz, Wasserhaushalt und natürlicher Dünger

Auf Bodenebene wirken Agroforstsysteme gleich mehrfach. Das Kronendach reduziert Bodenerosion bei Starkregen erheblich, weil die Aufprallenergie der Tropfen abgefangen wird. Die Mount-Hagen-Geschäftsführung verweist darauf, dass die Integration von Schattenbäumen und Mischkulturen den Boden vor Erosion schützt, den Wasserverbrauch senkt und Temperaturextreme mildert. Damit trägt das System zum Schutz der natürlichen Ressourcen bei – Boden, Wasser, Luft.

Die Humusbildung ist der zweite Bodeneffekt. Herabfallendes Laub zersetzt sich zu organischem Material, das dem Boden Stickstoff, weitere Nährstoffe und Mineralien zuführt. So entsteht ein natürlicher Düngerkreislauf, der den Einsatz chemischer Düngemittel weitgehend überflüssig macht. Pestizide werden in Agroforstsystemen ebenfalls reduziert, da die höhere Artenvielfalt natürliche Schädlingsregulation ermöglicht. Naturland berichtet etwa aus dem Burundi-Projekt, dass Bauern mit fachlicher Begleitung verschiedene Pflanzenauszüge gegen die Kaffeewanze einsetzen – ein konkretes Beispiel für biologische Schädlingskontrolle in der Praxis.

Diese Effekte verstärken sich gegenseitig: Gesunder Boden hält mehr Wasser, ein stabiles Mikroklima fördert die Pflanzengesundheit, gesunde Pflanzen liefern höhere Erträge.

Welche sozialen, fairen und wirtschaftlichen Vorteile bringt Agroforst für Kleinbauern?

Die sozialen Vorteile von Agroforstwirtschaft im Kaffeeanbau sind so konkret wie die ökologischen. Im Naturland-Projekt in Burundi stieg laut Anne Hessenland (Naturland) der Ertrag pro Kaffeestrauch von ursprünglich rund einem halben Kilo auf bis zu drei Kilo, sobald die Schattenbäume höher gewachsen waren. Diese Verdreifachung verändert die ökonomische Basis ganzer Familien.

Auch der Erlös pro Kilogramm steigt deutlich. WeltPartner zahlte den teilnehmenden Cococa-Kooperativen seit 2016 einen Bio-Aufschlag, sodass der Gesamtpreis bei 2,30 US-Dollar pro Libra (453,6 Gramm) lag – während nicht zertifizierte burundische Kooperativen im selben Zeitraum nur Weltmarktpreise zwischen 0,95 und 1,30 US-Dollar pro Libra erzielten. Der Faktor zwei bei den Erntepreisen ist hier wirtschaftlich entscheidend.

Diversifizierung ist der zweite Hebel. Bananen, Maniok, Zitrus, Bohnen oder Mahagoni wachsen zwischen den Kaffeesträuchern und liefern zusätzlich Nahrung sowie weitere Verkaufserlöse. So lässt sich nicht nur einmal im Jahr Kaffee, sondern ganzjährig auch Obst und Gemüse ernten. Der Kaffeekooperativenverband Cococa in Burundi setzt seit 2019 ein Pilotprojekt um, in dem Kleinbauern auf einer halben Hektar-Fläche mehrere Kulturen kombinieren. Laut Cococa-Export-Manager Ernest Ndumuraro hat sich die Kaffee-Ernte in diesem System verdreifacht, obwohl pro Hektar weniger Kaffeesträucher wachsen. Damit wird der Anbau für Landwirte rentabel und schafft finanzielle Sicherheit – ohne den ökologischen Schaden konventioneller Plantagen.

Faire Handelsstrukturen sichern diese Erträge ökonomisch ab. Zertifizierungen wie Naturland Fair, Fairtrade oder Demeter koppeln Mindestpreise an die Produktion und garantieren stabile Absatzmärkte. So entsteht wirtschaftliche Stabilität für Kooperativen mit oft tausenden Mitgliedern – im Naturland-System bis zu 2.000 Bauern pro Kooperative in Afrika.

Soziale Vorteile gehen über das Einkommen hinaus: Familien können sich besser ernähren, Vieh kaufen und Kinder auf weiterführende Schulen schicken – ein direkter Effekt der finanziellen Sicherheit eines funktionierenden Agroforstsystems.

Damit zeigt sich: Agroforst ist kein reines Umweltprogramm. Es ist ein Anbausystem, das ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Wirkung in einem System bündelt – und gerade deshalb für Kooperativen in Guatemala, Nicaragua, Burundi oder Peru attraktiv bleibt.

Diese Marken setzen für nachhaltigen Kaffeeanbau und Biodiversität konsequent auf Agroforstwirtschaft für Kaffee

Im DACH-Raum gibt es eine überschaubare, aber klar profilierte Gruppe von Kaffeemarken, deren Sortiment ganz oder überwiegend aus Agroforstsystemen stammt. Entscheidend ist nicht das Marketing, sondern die Kombination aus Zertifizierung (Naturland, Demeter, Bio, Bird Friendly, Rainforest Alliance), benannter Kooperative und transparenter Höhenlagenangabe. Wir haben für diesen Vergleich acht Marken systematisch geprüft – mit Fokus auf nachprüfbare Herkunftsdaten statt Marketing-Versprechen.

Mount Hagen produziert nach eigenen Angaben praktisch das gesamte Sortiment Naturland- oder Demeter-zertifiziert. Der Klassiker „Arabica Crema" ist ein Blend aus Hochland-Arabicas der Kooperativen HOAC (Papua-Neuguinea), Atahualpa (Peru) und San Antonio (Honduras). Die Bohnen wachsen in Höhenlagen über 1.500 Metern unter Schattenbäumen wie Eukalyptus, Bananen und Casuarinen. Geröstet wird in Hamburg im Trommelröster bei rund 200 °C über 12 bis 14 Minuten – eine Langzeitröstung, die Aromastoffe schont und Säuren reduziert. Geschmacksprofil: warm, würzig, nussig mit feiner Säure. Geschäftsführer Peter Goebel betont, ein Agroforst-System habe immer eine größere Biodiversität als eine Monokultur.

GEPA ist die Pionierin des fairen Handels in Deutschland und feierte 2025 ihr 50-jähriges Bestehen. Der „Café Orgánico" war 1986 der erste fair gehandelte Bio-Kaffee auf dem deutschen Markt – Partner ist die mexikanische Kleinbauerngenossenschaft UCIRI in Chiapas, ergänzt um Kooperativen aus Peru und Bolivien. Die Bohnen wachsen in Höhenlagen über 1.000 Metern unter natürlichen Schattenbäumen, der Mehrpreis fließt unter anderem in UCIRI-Gesundheitsposten und Diversifizierung wie Marmeladenherstellung. Aluminium-freie Verpackungen ergänzen das Profil. Geschmacksprofil laut GEPA: naturmild, leicht süß mit Geschmacksstärke 2 von 5.

WeltPartner aus Ravensburg vertreibt den „Café du Burundi" aus dem Cococa-Agroforstprojekt. Rund 700 Mitglieder der Kooperative Mboneramiryango bei Gitega bauen den 100 % Hochland-Arabica auf über 1.300 Metern an. Die Langzeitröstung dauert 17 bis 20 Minuten. Geschäftsführender Vorstand Thomas Hoyer betont, dass nur ein solches System ein auskömmliches Leben für die Kaffeebauern ermögliche. Die Lieferkette ist vom Pilotprojekt 2014 (erster Fair-Trade-Kaffee Burundis) über die Bio-Umstellung 2016 bis zum Endprodukt durchgängig dokumentiert. Geschmacksprofil: voller Körper, ausgewogen, süße Noten von dunkler Schokolade.

Marke

Zertifizierung

Herkunft / Kooperative

Höhenlage

Schattenbäume

Geschmack

Preis 250 g

Mount Hagen Arabica Crema

Naturland Fair

HOAC (PNG), Atahualpa (PE), San Antonio (HN)

über 1.500 m

Eukalyptus, Banane, Casuarina

warm, würzig, nussig

ca. 7,50 €

Mount Hagen Demeter (Peru)

Demeter, Fairtrade

Chacra D'Dago (PE)

1.500–1.800 m

Banane, Inga

komplex, schoko-nussig

ca. 9,50 €

GEPA Café Orgánico

Bio, Naturland Fair

UCIRI (MX), Kooperativen PE, BO

über 1.000 m

Inga, Banane, Avocado

naturmild, süß

ca. 7,00 €

GEPA Mexiko Chiapas

Bio, Fairtrade

UCOAAC (MX, Chiapas)

1.400–1.500 m

Inga, Banane, Avocado

füllig, leicht süß

ca. 6,50 €

WeltPartner Café du Burundi

Naturland Fair

Mboneramiryango (Cococa, BI)

über 1.300 m

Banane, Avocado, Eukalyptus

dunkle Schokolade, mild

ca. 7,90 €

Schön Kaffee Wildkaffee

Bio, Direct Trade

Kaffa-Region (ÄT)

1.500–2.000 m

natürlicher Bergregenwald

floral, beerig

ca. 12,00 €

Esperanza (CH)

Bio, Fairtrade

Lateinamerika (Agroforst-Parzellen)

k. A.

k. A.

mild, ausgewogen

ca. 11,00 €

Lebensbaum Plantagen Kaffee

Demeter

Sierra Madre de Chiapas (MX)

Hochland

Bergregenwald-Mischkultur

naturmild, leicht säuerlich

ca. 6,90 €

Ergänzend führt das Bird-Friendly-Programm des Smithsonian Migratory Bird Center die einzige Zertifizierung mit ausdrücklicher Garantie für den Erhalt der Biodiversität, so Smithsonian-Ökologin Ruth Bennett. Bird-Friendly-Kaffees sind im DACH-Raum noch selten, gewinnen aber an Sichtbarkeit – insbesondere bei Specialty-Coffee-Röstereien.

Ein praktisches Detail aus unserer Verkostung: Die Aromaprofile der drei Hauptmarken sind erstaunlich unterschiedlich – Mount Hagen Crema überzeugt mit warmen Schoko-Nuss-Tönen, GEPA Café Orgánico ist deutlich milder und weicher, der WeltPartner Burundi-Kaffee bringt die typische ostafrikanische Klarheit mit Schokoladennoten.

Wer tiefer einsteigen will: Auf greenya.de, der Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997, sind über 27.000 nachhaltige Anbieter gelistet, darunter zahlreiche Bio-Kaffeeröstereien und Hersteller mit transparenter Herkunftsdokumentation. Damit bleibt das Marktbild im DACH-Raum nachvollziehbar – auch jenseits der hier verglichenen Markenbeispiele.

Agroforst-Kaffee richtig auswählen: Nachhaltigkeit prüfen statt Marketing glauben

Wer Agroforst-Kaffees gezielt einkaufen will, kann sich an drei nachprüfbaren Kriterien orientieren – Marketing-Aussagen wie „nachhaltig" oder „grün" reichen ab dem 27. September 2026 ohnehin nicht mehr aus, um EmpCo-Compliance herzustellen. Verlässlich sind Zertifikate, Herkunftsangaben und transparente Lieferketten.

Das erste Kriterium ist die Kombination aus Bio-Zertifizierung und Schattenanbau-Hinweis. Bio nach EU-Verordnung 2018/848 schließt synthetische Pestizide aus, sagt aber noch nichts über Agroforst. Erst der Zusatz „Naturland", „Demeter" oder „Bird Friendly" zeigt, dass der Anbau in einem diversifizierten Schattensystem erfolgt. Naturland Fair und Demeter haben deutlich strengere Vorgaben als die EU-Bio-Verordnung – das ist der Grund, warum Marken wie Mount Hagen diese Verbände hervorheben. Naturland verpflichtet seine Partner explizit auf den diversifizierten Stockwerkaufbau aus Krautschicht, Strauchschicht und Kronendach.

Das zweite Kriterium ist Herkunftstransparenz. Eine konkrete Region (Cordillera del Bálsamo, Nueva Segovia, Cusco, Gitega) plus eine benannte Kooperative ist ein deutlich stärkeres Signal als allgemeine Länderangaben. Hochwertige Agroforst-Arabicas kommen typischerweise aus Höhenlagen zwischen 1.300 und 1.800 Metern – diese Angabe sollte auf der Verpackung stehen. Im Bestfall nennt der Hersteller auch das Erntejahr, was bei Specialty-Coffee-Anbietern Standard ist.

Das dritte Kriterium ist die EUDR-Konformität. Die EU-Entwaldungsverordnung (Verordnung (EU) 2023/1115) verlangt ab dem 30. Dezember 2026 entwaldungsfreie Lieferketten für Kaffee-Importe großer und mittlerer Unternehmen, für Kleinst- und Kleinunternehmen ab dem 30. Juni 2027 (Verordnung (EU) 2025/2650). Anbieter, die Agroforst-Projekte unterstützen, sind hier strukturell im Vorteil, weil Wald in diesen Systemen erhalten bleibt – statt für Plantagen gerodet zu werden.

Praktisch heißt das: Beim Einkauf zuerst auf das Bio-Verbandssiegel schauen (Naturland, Demeter, Bird Friendly), dann auf die Herkunftsangabe (Region, Kooperative und Höhenlage) und schließlich auf die EUDR-Erklärung – diese drei Schritte ersetzen alle Pauschal-Versprechen.

Häufige Fragen zu Agroforst-Kaffees

Die folgenden Fragen tauchen rund um Agroforstwirtschaft, Biodiversität und Kaffeemarken besonders häufig auf – Antworten in kompakter Form.

Was ist der Unterschied zwischen Agroforst und Bio?

Bio nach EU-Verordnung 2018/848 verbietet synthetische Pestizide und Kunstdünger, schreibt aber keinen Schattenanbau vor. Agroforst ist eine spezifische Anbauform, in der Kaffee gemeinsam mit Schattenbäumen und weiteren Nutzpflanzen wächst. Viele Agroforst-Kaffees sind zugleich Bio, aber nicht jeder Bio-Kaffee ist Agroforst. Naturland und Demeter sind Bio-Verbände, die Agroforst-Praktiken zusätzlich fordern.

Wie viel CO₂ bindet ein Hektar Agroforst-Kaffee?

Ökologische Schattenkaffeepflanzungen binden laut Naturland mindestens eine Tonne mehr Kohlenstoff pro Hektar als Plantagen ohne Schattenbäume. Umgerechnet auf CO₂ entspricht das 3,7 Tonnen pro Hektar und Jahr. Die zusätzliche Biomasse aus Laub, Wurzeln und Schattenbäumen baut sich im Boden zu Humus auf – ein langfristiger Kohlenstoffspeicher.

Schmeckt Agroforst-Kaffee wirklich besser?

Die Aromen variieren je nach Höhenlage, Sorte und Aufbereitung – aber Schattenanbau verlangsamt die Reifung der Kaffeekirschen, was komplexere Aromen im fertigen Getränk begünstigt. Das Smithsonian Migratory Bird Center weist darauf hin, dass Bird-Friendly-Kaffees häufig den Geschmack konventioneller Kaffees übertreffen. Eine pauschale Geschmacks-Garantie gibt es nicht, aber qualitativ hochwertige Agroforst-Kaffees liefern in der Regel konsistent gute Ergebnisse, vor allem aus Höhenlagen über 1.300 Metern.

Hauptanbauländer für Agroforst-Kaffee im Überblick

Klassische Anbauländer sind Mexiko, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Peru, Kolumbien und Äthiopien – die tropischen Hochländer mit langer Schattenanbau-Tradition. In Afrika kommen Tansania, Kenia und Burundi dazu, wo Naturland und WeltPartner aktiv sind. Die Bird-Friendly-Zertifizierung wird nach Smithsonian-Angaben vor allem in lateinamerikanischen Hochländern vergeben.

Was kostet Agroforst-Kaffee im Vergleich?

Agroforst-Kaffees aus Naturland-, Demeter- oder Bird-Friendly-Programmen liegen meist zwischen 6,50 und 12 Euro pro 250-Gramm-Packung – höher als konventioneller Supermarktkaffee. Smithsonian gibt an, Bird-Friendly-Kaffees kosteten oft nur wenige Cent mehr pro Tasse. Der Aufpreis finanziert faire Mindestpreise (laut WeltPartner gut das Doppelte des Weltmarktpreises) und Investitionen in die Schattenbaum-Pflege.

Kann man Agroforst-Kaffee am Siegel erkennen?

Direkt auf das Wort „Agroforst" verweisen wenige Siegel. Bird Friendly garantiert Schattenanbau und Biodiversitätsschutz explizit, Naturland und Demeter verbinden Bio mit Agroforst-Praktiken, Rainforest Alliance führt 2026 einen Standard für regenerative Landwirtschaft mit Biodiversitäts-Fokus ein. Ergänzend lohnt der Blick auf die Verpackung: Hinweise auf Schattenanbau, Kooperative, Höhenlage und Herkunftsregion sind starke Indikatoren.

Fazit: Drei Marken, drei Wege zu mehr Biodiversität in der Kaffeetasse

3,7 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr, eine Verdreifachung des Ertrags pro Strauch, rund 11.000 Familien in einem einzigen Cococa-Projekt – die Zahlen zur Agroforstwirtschaft im Kaffeeanbau sind belegt und konkret. Wer Biodiversität in der Kaffeetasse will, hat im DACH-Raum mit Mount Hagen, GEPA und WeltPartner drei klar profilierte Marken zur Auswahl, ergänzt durch Lebensbaum, Schön Kaffee und den ab 2026 verfügbaren regenerativen Rainforest-Alliance-Standard. Entscheidend ist die Kombination aus Bio-Verbandszertifizierung, transparenter Herkunft mit Höhenlage und EUDR-Konformität – nicht das Marketing-Versprechen auf der Vorderseite.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2026): EUDR – EU-Entwaldungsverordnung. ble.de

  • GEPA / Misereor (2024): Kaffee und Klima – Ab in die Zukunft mit Agroforst. gepa.de

  • IPBES (2019): Globaler Bewertungsbericht über Biodiversität und Ökosystemleistungen. ipbes.net

  • Mount Hagen (2025): Was eine Kaffeemarke gegen den Klimawandel tun kann / Über Agroforst, Berufung und Bescheidenheit (Interview mit Peter Gänz, Naturland). mounthagen.de

  • Naturland (2024): Agroforst und die Revolution im ökologischen Kaffeeanbau – Reportage Burundi (Anne Hessenland). naturland.de

  • Naturland (2024): Öko-Kaffee in Burundi – Projektdokumentation Cococa-Kooperationen. naturland.de

  • Rainforest Alliance (2025): Neuer Standard für regenerative Landwirtschaft im Kaffeesektor. rainforest-alliance.org

  • Smithsonian Migratory Bird Center (2025): 25 Jahre Bird Friendly Certification (Studienreferenzen Mexiko und Guatemala). nationalzoo.si.edu

  • WeltPartner eG (2024): Burundi-Cococa-Kooperation – Pilotprojekt seit 2014, Bio-Umstellung seit 2016. weltpartner.de

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