Alte Apfelsorten sind Sorten, die vor 1950 entstanden sind und im Erwerbsanbau kaum noch vorkommen. In Deutschland gibt es laut NABU rund 3.000 davon – im Supermarkt liegen meist nur fünf. Sorten wie Boskoop, Goldparmäne oder Rote Sternrenette enthalten bis zu viermal mehr Polyphenole als moderne Züchtungen und sind oft selbst für Allergiker verträglich.
Alte Apfelsorten in Zahlen
Über 3.000 alte Apfelsorten existieren noch in Deutschland (Quelle: NABU)
Streuobstbestand 2020: rund 7,1 Millionen Bäume – 60 Prozent weniger als 1965
Polyphenolgehalt alter Sorten: bis zu viermal höher als bei modernen Supermarktäpfeln
Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Apfelallergie
Streuobstwiesen beherbergen über 5.000 Tier- und Pflanzenarten
Älteste deutsche Apfelsorte: Edelborsdorfer, Erstnennung 1175
Was sind alte Apfelsorten genau?
Als alte Apfelsorten gelten Sorten, die vor etwa 1950 entstanden sind – also bevor die systematische Obstbaumzucht für den industriellen Anbau einsetzte. Pomologen, die sich als Wissenschaftler mit Apfelsorten beschäftigen, zählen vor allem Sorten dazu, die im Erwerbsobstbau heute keine Rolle mehr spielen.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden neue Apfelsorten meist als Zufallssämling und durch gezielte Auslese, nicht durch geplante Kreuzungen. Viele alte Apfelsorten tragen deshalb regionale Namen wie „Pommerscher Krummstiel" oder „Finkenwerder Herbstprinz" – sie waren über Jahrhunderte an Böden und Klima ihrer Heimatregion angepasst. Ab den 1950er-Jahren verschob sich der Fokus auf wenige ertragreiche Sorten für Niederstammplantagen.### Warum so wenige alte Apfelsorten im Handel sind
Im klassischen Supermarkt liegen meist nur fünf bis sechs Sorten in der Auslage: Elstar, Gala, Braeburn, Granny Smith, Golden Delicious und Pink Lady. Diese modernen Züchtungen wurden auf gleichmäßige Form, makellose Schale, lange Lagerfähigkeit und süße Äpfel selektiert. Eine alte Apfelsorte wie der Geflammte Kardinal, der Rheinische Krummstiel oder die Ananasrenette hat diese kommerziellen Eigenschaften oft nicht: Die Früchte sind unregelmäßiger geformt, werden nach dem Anschneiden schneller braun und sind zum Teil schwieriger zu lagern.
Die Folge: Wer alte Apfelsorten kaufen möchte, findet sie heute fast ausschließlich auf Wochenmärkten, in Hofläden, bei Bio-Baumschulen oder direkt bei spezialisierten Streuobst-Initiativen. Genau dieser Nischenstatus macht sie für Liebhaber, Allergiker und Selbstversorger besonders interessant – und macht aus einer alten Apfelsorte ein kleines Stück Kulturgeschichte, das man frisch vom Baum probieren kann.
Inhaltsstoffe und Wirkung alter Apfelsorten für Allergiker
Der entscheidende Unterschied zwischen alten und modernen Apfelsorten liegt im Polyphenolgehalt. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe, die für Aroma, schnelle Bräunung des Fruchtfleischs und die typische Säure verantwortlich sind. Viele alte Apfelsorten enthalten laut BUND-Lemgo-Untersuchungen bis zu viermal mehr Polyphenole als moderne Supermarktäpfel.
Die Renette aus Damason erreicht sogar einen achtfach höheren Polyphenol-Wert als der Supermarktapfel Gala. Diese Verbindungen wirken antioxidativ und werden mit gesundheitsfördernden Effekten in Verbindung gebracht. Eine Dissertation am Max Rubner-Institut bestätigt, dass moderne Züchtungen den Polyphenolgehalt gezielt reduziert haben – um die Bräunung zu verhindern und süße Äpfel zu erzeugen.
Höherer Vitamin-C-Gehalt im Vergleich
Neben Polyphenolen enthalten viele alte Apfelsorten mehr Vitamin C als gängige Supermarktäpfel. Der Berlepsch gilt als „Vitamin-C-Bombe" unter den Äpfeln und liegt bei rund 25 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm – mehr als das Doppelte mancher moderner Sorten wie Golden Delicious. Auch der Boskoop zählt zu den Vitamin-C-reichen Sorten. Verbraucherportale wie Öko-Test weisen darauf hin, dass eine alte Apfelsorte in Summe das interessantere Nährstoffprofil bietet.
Hinzu kommen Ballaststoffe wie Pektin und Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium. Bei alten Apfelsorten konzentrieren sich viele dieser Inhaltsstoffe direkt unter der Schale – ein Grund, den Apfel mit Schale zu essen, sofern er aus unbelastetem Anbau stammt.
Welche alten Apfelsorten Allergiker vertragen
Die meisten Apfelallergiker reagieren nicht auf alle Äpfel, sondern nur auf bestimmte Sorten – vor allem auf moderne Züchtungen mit niedrigem Polyphenolgehalt. Viele alte Apfelsorten wie Boskoop, Berlepsch, Goldparmäne, Alkmene, Eifeler Rambur und Gravensteiner werden deutlich besser vertragen, weil ihre Polyphenole das Apfel-Allergen weitgehend deaktivieren.
Eine Pilotstudie der Berliner Charité in Kooperation mit dem BUND Lemgo und der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) hat das untersucht. Bei regelmäßigem Verzehr alter Apfelsorten konnten viele Teilnehmende ihre Symptome reduzieren, ein Teil vertrug danach sogar wieder moderne Sorten besser. Auch das Robert Koch-Institut weist in seiner DEGS1-Studie auf den Zusammenhang zwischen Pollen- und Apfelallergie hin. Der BUND Lemgo führt eine fortlaufend aktualisierte Verträglichkeitsliste (Stand: Dezember 2024).
Die wichtigsten alten Apfelsorten im Überblick
Die folgende Übersicht zeigt verschiedene Apfelsorten mit Herkunft, Eignung und Lagerfähigkeit – von klassischen Tafeläpfeln über Wirtschafts- und Mostapfel bis zum Weihnachtsapfel.
Sorte | Herkunft / Erstnennung | Geschmack | Verwendung | Lagerfähig bis |
|---|---|---|---|---|
Edelborsdorfer | Sachsen, ab 1175 | süß-säuerlich, weinwürzig | Tafel- und Wirtschaftsapfel | März |
Goldparmäne | Normandie, um 1510 | süß-aromatisch, leicht nussig | Tafelapfel, Pollenspender | Januar |
Roter Eiserapfel | Bamberg, seit dem 16. Jahrhundert | süß, mild | Wirtschafts- und Mostapfel | Juni |
Gravensteiner | Dänemark/Schleswig, ab 1669 | aromatisch, würzig | Tafel-, Backapfel, Saft- und Mostsorte | November |
Danziger Kantapfel | Rügen, ab 1703 | süß-säuerlich, rosenapfelartig | guter Tafelapfel, Saftherstellung | Januar |
Ananas-Renette | vermutlich aus Holland, um 1820 im Rheinland verbreitet | süßsäuerlich, ananasartig | Tafel- und Wirtschaftsapfel | Februar |
Boskoop | Boskoop (Niederlande), 1856 als Zufallssämling entdeckt | säuerlich-würzig | Backen, Saft, Kompott | März/April |
Rote Sternrenette | Niederrhein, 1830 erstmals beschrieben | süßsäuerlich, leicht aromatisch | Tafelapfel, Mostsorte, Weihnachtsapfel | Januar |
Berlepsch | Niederrhein, um 1880 | leicht säuerlich, würzig | Tafelapfel, Saft | Februar |
Rheinischer Krummstiel | Rheinland, seit dem 19. Jahrhundert | süß-saure Note | Tafel-, Wirtschafts- und Mostapfel | März |
Die Goldparmäne, die um 1510 in der Normandie gezüchtet wurde, gilt als eine der ältesten dokumentierten Apfelsorten Europas. Ihre kleine, goldgelbe Frucht mit roten Streifen ist als guter Tafelapfel und zuverlässiger Pollenspender geschätzt, geschmacklich liegt sie zwischen süß und nussig, die Erntezeit beginnt Anfang September. Wer sie im Garten hat, sollte ab dem fünften Standjahr konsequent auslichten – ohne diesen Schnitt neigt sie zur Alternanz und trägt nur jedes zweite Jahr.
Der Rote Eiserapfel mit Erstbeschreibung 1539 in Bamberg ist eine Wirtschaftssorte – mittelgroß bis groß, kugelig, leuchtend rot, lagerfähig bis in den Sommer und prädestiniert für die Mostherstellung. Direkt nach der Ernte schmeckt er noch fade; sein volles Aroma entwickelt er erst im Januar oder Februar im Lager. Der Gravensteiner aus Dänemark und Norddeutschland ist seit 1669 belegt und seit dem 17. Jahrhundert in deutschen Gärten verbreitet; er überzeugt würzig und schön saftig – ideal als Tafelobst, Saft- und Wirtschaftsapfel, allerdings nicht lange haltbar. Wichtig zu wissen: Er ist triploid, also kein Pollenspender, und braucht selbst zwei Befruchtersorten. Der Danziger Kantapfel mit Erstnennung 1703, vermutlich von der Insel Rügen, zählt zu den traditionsreichen Tafeläpfeln Norddeutschlands und trägt selbst auf mageren Böden zuverlässig.
Goldgelbe Schale, knackiges Fruchtfleisch: Boskoop und Rote Sternrenette
Der Boskoop wurde 1856 als Zufallssämling im niederländischen Ort Boskoop entdeckt, nach dem er auch benannt wurde. Heute ist er der Klassiker für Apfelkuchen und Bratäpfel: säuerlich-würzig, mit festen, mittelgroßen Früchten und Lagerfähigkeit bis März oder April. Die Schale ist häufig grüngelb mit roter Deckfarbe, das Fruchtfleisch fest, schön saftig und aromatisch – wegen seines hohen Säuregehalts auch für viele Apfelallergiker verträglich. Praxistipp: nie zu früh ernten – wer schon Ende September pflückt, bekommt mehlige Äpfel. Erst nach den ersten Nachtfrösten Anfang bis Mitte Oktober entwickelt er seine Würze. Die ältere Ananas-Renette stammt vermutlich aus Holland und war um 1820 im Rheinland verbreitet; sie wurde 1857 von der zweiten Versammlung deutscher Pomologen in Gotha zum Anbau empfohlen und gilt seitdem als guter Tafel- und Wirtschaftsapfel mit ananasartigem Aroma.
Die Rote Sternrenette wurde 1830 am Niederrhein erstmals beschrieben und nach ihren sternförmigen Lentizellen benannt, die wie kleine Sterne auf der Schale erscheinen. Im Volksmund hieß der Apfel allerdings längst „Weihnachtsapfel" – über Generationen war er der klassische Apfel im Adventsteller. Die runde Frucht ist mittelgroß, leuchtend rot mit charakteristischen Sternpunkten, die Schale glatt und leicht bereift, das Fruchtfleisch süßsäuerlich. Sie gilt als robuste Sorte: im Holz frosthart, gegen Schorf und Mehltau gering anfällig, ein verlässlicher Pollenspender und reich tragend in Streuobstwiesen. Die Baumreife setzt ab Mitte Oktober ein – Äpfel werden klassisch im Oktober geerntet, sonnenseits ist die Frucht dann fast vollflächig rot gefärbt. Die Genussreife setzt ab Dezember ein und reicht bis ins Frühjahr. Bei der Mostherstellung liefert sie einen intensiv roten, aromatischen Saft.
Streuobstwiesen als natürliche Heimat alter Sorten
Streuobstwiesen sind der wichtigste Lebensraum für alte Apfelsorten. Deutschland gilt als Europas Streuobstland Nummer eins, doch das Biotop ist unter Druck: Von einst rund 1,5 Millionen Hektar in den 1950er-Jahren sind heute nicht mehr als 250.000 Hektar übrig. Auf diesen Flächen wachsen hochstämmige Obstbäume in lockerer Anordnung – meist eine Vielfalt an Sorten in unterschiedlichem Alter.
Laut NABU ging die Zahl der Streuobstbäume zwischen 1965 und 2020 um rund 60 Prozent zurück, von etwa 18 Millionen auf 7,1 Millionen Bäume. Gründe: Bebauung, Flurbereinigung, sinkende Erträge, mangelnde Pflege. Gleichzeitig sind Streuobstwiesen Hotspots der Biodiversität und beherbergen über 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Seit 2021 ist der Streuobstanbau UNESCO-Immaterielles Kulturerbe.
Regionale Sortenvielfalt nach Anbaugebiet
Eine alte Apfelsorte ist oft regional spezifisch. Im Alten Land bei Hamburg dominieren Sorten wie der Altländer Pfannkuchenapfel oder der Finkenwerder Herbstprinz – Letzterer steht auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen. Im Rheinland und Süddeutschland ist der Rheinische Krummstiel verbreitet, der seit dem 19. Jahrhundert angebaut wird und durch Robustheit überzeugt. In Westfalen prägt der Dülmener Herbstrosenapfel die Streuobstwiesen, in Norddeutschland der Pommersche Krummstiel. Bayern und Baden-Württemberg pflegen jedes Jahr ihre eigene Streuobstsorte des Jahres.
Im süddeutschen Raum spielen Wirtschafts- und Mostapfel-Sorten eine besondere Rolle. Apfelweinkeltereien greifen auf säurehaltigere alte Apfelsorten zurück, weil sie Saft und Most ein ausgewogenes Säure-Zucker-Verhältnis geben. Das hessische Apfelweingebiet rund um Frankfurt funktioniert deshalb fast ausschließlich mit Streuobst.
Anbau im Garten und Schorfanfälligkeit alter Apfelsorten
Wer eine alte Apfelsorte im eigenen Garten ziehen möchte, sollte zuerst klären, welche Sorten zum Standort passen. Lokalsorten sind oft besonders robust und stellen geringe Ansprüche – andere brauchen nährstoffreiche Böden oder ein mildes Klima. Die ‘Cox Orangerenette' verlangt maritimes Klima mit feucht-kühlen Sommern, bringt dafür breitrunde, feinaromatische Früchte hervor und gilt als anspruchsvolle Gartensorte. Der Geflammte Kardinal kommt fast überall klar.
Für den Hausgarten sind hochstämmige Sorten ideal: Sie tragen jahrzehntelang und brauchen kaum Pflege. Wichtig sind ein passender Befruchterbaum (Äpfel sind selbststeril) und ein Erziehungsschnitt in den ersten Jahren. In der Praxis bewährt: junge Hochstämme drei Winter hintereinander konsequent schneiden – danach reicht ein Auslichtungsschnitt alle zwei bis drei Jahre. Wer verschiedene Apfelsorten kombiniert, verlängert die Erntezeit über mehrere Monate – von Sommersorten wie Gravensteiner ab August bis zum Roten Eiserapfel, der bis Juni lagert.
Resistenz gegen Schorf, Feuerbrand und Frost
Viele alte Apfelsorten gelten als weitgehend resistent gegen Schorf oder Mehltau. Die Schorfanfälligkeit unterscheidet sich aber stark zwischen den Sorten: Die Rote Sternrenette gilt als robuste Sorte und zeigt kaum Schorf, Ananasrenette und Goldparmäne sind deutlich anfälliger. Bei Feuerbrand sind Streuobst-Sorten häufig weniger gefährdet als Niederstamm-Plantagen, weil ihre Genetik vielfältiger ist.
Frosthart sind die meisten alten Apfelsorten ohnehin: Eine Wirtschaftssorte wie der Rote Eiserapfel oder der Rheinische Krummstiel ist auf Höhenlagen ausgelegt und liefert auch in kühleren Regionen einen reich tragenden Ertrag. Ein guter Pollenspender wie die Goldparmäne erhöht die Befruchtungssicherheit benachbarter Bäume.
Zertifizierte Anbieter alter Obstsorten finden sich im Branchenverzeichnis von greenya.de, Deutschlands Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997 mit über 27.000 gelisteten Anbietern. Dort sind Bio-Baumschulen, Hofläden und regionale Streuobst-Initiativen nach Region durchsuchbar.
Wer keinen eigenen Garten hat, findet alte Apfelsorten auf Wochenmärkten, bei Hofverkäufen oder in Onlineshops spezialisierter Obstbauern. Pomologen-Treffen, Apfeltage und Pflegepatenschaften für verwaiste Streuobstwiesen sind weitere Wege, um in die Sortenvielfalt einzusteigen.
Häufige Fragen zu alten Apfelsorten
Diese Fragen tauchen bei einer alten Apfelsorte besonders häufig auf – kompakt beantwortet mit den wichtigsten Fakten und Quellen.
Was zählt als alte Apfelsorte?
Als alte Apfelsorten gelten Sorten, die vor etwa 1950 entstanden sind und im modernen Erwerbsobstbau kaum noch eine Rolle spielen. Dazu zählen jahrhundertealte Sorten wie der Edelborsdorfer (1175) ebenso wie Sorten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine offizielle Definition gibt es nicht – die Pomologie orientiert sich am Verschwinden aus dem Erwerbsanbau.
Welche alten Apfelsorten sind besonders gesund?
Boskoop, Berlepsch, Goldparmäne und Renette aus Damason gelten als besonders gesund, weil sie hohe Polyphenolgehalte und überdurchschnittlich viel Vitamin C enthalten. Laut BUND Lemgo erreicht die Renette aus Damason achtfach höhere Polyphenol-Werte als der Supermarktapfel Gala. Polyphenole wirken antioxidativ und können laut ECARF-Studie Allergiesymptome lindern.
Wo kann ich alte Apfelsorten kaufen?
Eine alte Apfelsorte gibt es selten im Supermarkt, dafür auf Wochenmärkten, in Hofläden, in Bio-Baumschulen und bei spezialisierten Online-Anbietern. Viele Streuobst-Initiativen bieten Direktverkauf oder Probierpakete an. Auch Obst- und Gartenbauvereine vor Ort und der Pomologen-Verein e.V. sind gute Anlaufstellen für seltene Sorten.
Welche alte Apfelsorte ist ein guter Tafelapfel?
Klassische Tafeläpfel unter den alten Sorten sind Goldparmäne, Berlepsch, Alkmene, Cox Orangerenette und Rote Sternrenette. Sie überzeugen durch saftiges, knackiges Fruchtfleisch direkt vom Baum, vielfältige Aromen von süß bis säuerlich-würzig und eine ansprechende Optik – die Goldparmäne mit goldgelber Schale und roten Streifen, die Rote Sternrenette mit leuchtend roter Deckfarbe. Auch der Gravensteiner gilt als ausgesprochen guter Tafelapfel.
Wie lange sind alte Apfelsorten lagerfähig?
Die Lagerfähigkeit unterscheidet sich stark zwischen den Sorten. Boskoop und Rheinischer Krummstiel halten bei kühler, dunkler Lagerung bis März, Goldparmäne bis Januar, Sommersorten wie Gravensteiner nur wenige Wochen. Der Rote Eiserapfel ist als Winteräpfel-Klassiker sogar bis Juni lagerfähig. Wichtig: kühler Keller (4 bis 8 Grad), hohe Luftfeuchtigkeit, keine Lagerung neben anderem Obst. Praktiker-Tipp: Äpfel mit dem Stiel nach oben einlagern und einmal pro Woche kontrollieren – ein einziger fauler Apfel steckt eine Kiste an.
Welche alte Apfelsorte eignet sich zum Backen?
Zum Backen eignen sich besonders säuerliche Sorten mit festem Fruchtfleisch. Boskoop ist der Klassiker für Apfelkuchen und Bratäpfel, der Altländer Pfannkuchenapfel passt in Pfannkuchen, der Geflammte Kardinal in Strudel und auf Torten. Ihr säuerlicher Geschmack hält der Hitze stand und harmoniert mit Zucker und Zimt.
Fazit: 3.000 Apfelsorten warten auf Wiederentdeckung
3.000 alte Apfelsorten gibt es noch in Deutschland – die meisten ausschließlich auf Streuobstwiesen, Bauernmärkten oder in Liebhaber-Gärten. Wer alte Apfelsorten kauft oder pflanzt, schmeckt nicht nur intensiver und vielfältiger, sondern unterstützt den Erhalt eines Lebensraums, der seit 1950 um über 80 Prozent zurückgegangen ist. Für Apfelallergiker können Boskoop, Berlepsch und Goldparmäne den Unterschied zwischen Verzicht und Genuss machen. Die ehrlichste Empfehlung: Pflanzen Sie diesen Herbst einen Hochstamm. Ein gut gepflegter Apfelbaum trägt 60 bis 80 Jahre – der Edelborsdorfer schafft sogar 100. Was Sie heute setzen, ernten Ihre Enkel.
Quellen und weiterführende Informationen
BUND Baden-Württemberg (2021): Für Apfelallergiker: Fruchtige Antiquitäten. bund-bawue.de
BUND Lemgo (2024): Apfelsortenliste mit Polyphenolgehalt und Verträglichkeit. bund-lemgo.de
ECARF – Europäische Stiftung für Allergieforschung (2016): Hoffnung für Apfelallergiker. ecarf.org
Max Rubner-Institut, Schonsek (Dissertation): Untersuchungen zum Polyphenolprofil alter und neuer Apfelsorten. db-thueringen.de
NABU – Naturschutzbund Deutschland (2022): Kurz-Info Streuobstbau in Deutschland. nabu.de
NABU Baden-Württemberg: Streuobstwissen und Gefährdung Streuobstwiesen. baden-wuerttemberg.nabu.de
Öko-Test (2025): Apfelallergiker: Verträglichere Apfelsorten. oekotest.de
Pomologen-Verein e.V.: Sortenarchiv und Bestimmungshilfen. pomologen-verein.de
UNESCO-Kommission Deutschland (2021): Streuobstanbau – Immaterielles Kulturerbe. unesco.de