Quoten in Bestform:

Die am häufigsten recycelten Materialien und Produkte

Recyclingsystem verschiedene Tonnen für recyelbare Materialien

Die Welt wäre definitiv ein besserer Ort, wenn absolut alles, was hergestellt wird, auf recycelten Ausgangsmaterialien basieren würde. Einfach, weil damit von wegfallenden landschaftlichen Verheerungen bis zu reduzierten Energieverbräuchen und Emissionen viele heutige Probleme, wenn schon nicht beseitigt, dann doch wenigstens deutlich verkleinert würden.

Noch mag es weder in einzelnen Staaten und erst recht nicht auf der gesamten Welt eine so vollkommene Kreislaufwirtschaft geben. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine schönen Erfolge zu feiern gäbe. Im Folgenden zeigen wir verschiedene Materialien und Produkte, die es entweder global oder zumindest in hochentwickelten Staaten auf sehr hohe Recyclingquoten bringen. Doch zuvor noch eine kurze Hintergrund-Info:

Recycling-Rate: Warum wir so oft von 100 Prozent entfernt sind

Gerade einmal 25 Prozent von allem weltweit genutzten Wolfram werden recycelt. Dabei hat das Metall aufgrund seiner Härte und Hitzebeständigkeit viele verschiedene Anwendungen. Ähnliches bei Bauschutt: Der wird zwar zu immerhin 90 Prozent verwertet, aber nur zu gerade einmal 13 Prozent recycelt. 

Stellt sich die Frage, warum gibt es Materialien und Produkte, bei denen nach dem Lebensende kaum Recycling in die Ausgangsmaterialien samt einer sinnvollen Neuverwendung stattfindet? Die Gründe sind vielfältig:

  • Recyclingmaterialien sind (zeitweilig) teurer als frisch geförderte/hergestellte Rohstoffe. Ähnliches gilt für das Kostenverhältnis im Vergleich zu einer Entsorgung bzw. finalen Verwertung. Das hängt häufig zusammen mit:

  • Die nötigen Schritte zum Sammeln und insbesondere sortenreinen Trennen sind oftmals aufwendig bzw. teuer. Das gilt beispielsweise bei vielen Sandwich-Materialien oder Material-Mixen.

  • Es gibt vielerorts keine hinreichende Infrastruktur und/oder kein ausreichendes Recycling-positives Verhalten.

  • Manche Materialien bzw. Produkte sind hinsichtlich der Recycling-Prozesse schwierig bis gefährlich zu händeln – mitunter schwieriger als die Ausgangsmaterialien.

In den allermeisten Fällen treffen mehrere Punkte zusammen. Wenn beispielsweise die Menge an rückgewonnenen Materialien von geringerem Wert ist als die Kosten für das Recycling und dieses außerdem noch kompliziert ist, steht schnell eine Entscheidung zuungunsten der Wiederverwertung fest. Das ist etwa in vielen Ländern bei typischen Einweg-Batterien der Fall.

Doch nun genug der Negativität. Wenden wir uns Dingen zu, bei denen es um ihr Recycling glänzend bestellt ist.

Papier und Pappe

2022 brachte es Deutschland allein bei Verpackungspapieren und -pappen auf eine Quote eingesetzter Recyclingmaterialien von 99 Prozent. Bei anderen Papieren, etwa Zeitungen, wurden sogar noch höhere Raten erzielt. 

Der Grund dafür ist simpel: Papiere und Pappen sind technisch vergleichsweise einfach und mit geringem Energieeinsatz zu recyceln. Das gilt selbst für komplexere Produkte aus diesen Materialien. Wellpappe etwa, besteht im Schnitt nur zu 20 Prozent aus frischen Fasern – der große Rest ist Recycling-Material. Der Leim, der die Schichten miteinander verbindet, basiert auf Pflanzenstärke, ist also ebenfalls unbedenklich.

Über längere Zeiträume können viele Wellpappen und Papiere sogar kompostiert werden; wenngleich dadurch naturgemäß wertvoller Rohstoff verloren geht.

Eisen, Stahl und Aluminium

Ein erheblicher Teil aller Metallprodukte der modernen Zivilisation basieren entweder auf Eisen oder Aluminium. Zwar handelt es sich hierbei immer um Materialmischungen (im Metallbereich Legierungen genannt), teils sogar sehr komplexer Art. Dennoch liegen die globalen Recycling-Quoten zwischen 70 und 80 Prozent. 

Warum? Weil selbst komplexe Legierungen nahezu unendlich oft eingeschmolzen und so wieder in ihre ursprünglichen Bestandteile getrennt werden können. Bis auf geringste prozessbedingte Materialverluste lässt sich deshalb eine Rückgewinnungsquote von praktisch nahezu 100 Prozent erzielen – ohne jegliche Qualitätsverluste.

Das ist nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil bei beiden Metallen die Rohstoffe recht häufig in der Erdkruste vertreten sind. Da sie jedoch in enormen Mengen weltweit benötigt werden, ist Recycling längst ein sehr lohnendes Unterfangen. Es geht so weit, dass praktisch keine Eisen- und Aluminiumprodukte mehr gefertigt werden, ohne dass der Schmelze wenigstens teilweise Schrott hinzugegeben wurde. Beim Aluminium kommt zudem noch ein sehr aufwendiger, teurer Prozess der Umwandlung vom Rohstoff zum technisch nutzbaren Metall hinzu.

Glas – speziell, wenn es nicht eingefärbt ist

Glas gibt es in allen möglichen Farben. Dennoch fordern viele Länder eine strikte Trennung zumindest in Weiß, Grün und Braun – weil das die vorherrschenden Farben nicht nur bei Flaschen sind. 

Der Effekt ist ein ähnlicher wie bei den Eisen- und Aluminium-Metallen: Speziell in Ländern mit Pfandsystemen auf Glasbehälter oder zumindest einer gut ausgebauten Infrastruktur zur Abgabe von Altgläsern sind die Quoten erheblich und tendieren gegen 90 Prozent. 

Ebenfalls vergleichbar mit den Metallen sind die Gründe dahinter. Zwar gibt es verschiedene Arten von Gläsern, diese lassen sich jedoch ebenfalls durch Aufschmelzen wieder zu wertvollen Rohstoffen machen. Lediglich um die Trennbarkeit der Zutaten ist es schlechter bestellt – daher die Notwendigkeit, Glas möglichst farbenrein zu trennen. 

Während weißes Glas als Rohstoff für Gläser aller möglicher Farben dienen kann, werden einmal eingefärbte Gläser stets eine gewisse Einfärbung behalten, sofern sie nicht enorm stark verdünnt werden. Daher versucht man, durch die Mülltrennung bereits eine gute Vorselektion zu erzielen, damit sich ein hoher Deckungsgrad mit der gewünschten Farbe des neuen Glasprodukts erzielen lässt.

Blei-Säure-Batterien

Bei Einwegbatterien sind die Quoten, wie weiter oben dargestellt, eher schlecht. Allerdings darf man das Thema Batterien hierbei nicht zu stark generalisieren. Dafür gibt es schlichtweg viel zu viele chemisch unterschiedliche Varianten dieser Energiespeicher. 

Zu den ältesten und gleichsam am weitesten verbreiteten davon gehören Akkus, die auf Blei und Säure setzen. Hierunter fallen beispielsweise fast sämtliche Fahrzeugbatterien. Diese sind nicht nur technisch relativ leicht in ihre Ursprungsmaterialien zu zerlegen, sondern das gelingt aufgrund der sortenreinen Materialwahl ziemlich günstig – zumal Blei recht wertvoll ist. 

Hier bewegen sich die Quoten ebenfalls dicht an 100 Prozent – zumindest unter anderem in Europa. Ebenfalls gut rezyklieren lässt sich die (Schwefel-) Säure sowie der typischerweise als Gehäuse genutzte Kunststoff Polypropylen.

Kraftfahrzeuge

Die Tendenz mag sich aufgrund energiesparender Leichtbau-Notwendigkeiten zwar im Sinken befinden, aber noch besteht der absolut überwiegende Teil aller Fahrzeuge hauptsächlich aus Stahl und Aluminium. Hinzu kommen wertvolle Kupferanteile in den mitunter kilometerlangen Leitungen, die Rohstoffe der Elektronik-Bauteile, Glas und vieles mehr. 

Selbst wenn man das direkte Verwenden von Teilen schrottreifer Fahrzeuge als gebrauchte Ersatzteile völlig ausklammert, bringen es Kraftfahrzeuge vom kleinen Moped bis zum riesigen Kranwagen auf sehr umfassende Recycling-Raten. Aufs gesamte Fahrzeug und die Welt bezogen liegen diese im Bereich von 80 Prozent. 

Schwierigkeiten bereiten lediglich diverse Textilien sowie Kunststoffe aller Art. Noch handelt es sich bei den meisten Fahrzeugen dabei um Mischmaterialien, die sich – vor allem bezogen auf den Materialwert – nur recht schlecht sortenrein trennen und somit zu kostbaren Recycling-Rohstoffen machen lassen.