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Drehtechnik: Grundlagen, Geschichte und Verfahren im Überblick

Eine CNC Maschine mit eingespanntem Werkstück.
Von greenya Redaktion

Ob im Maschinenbau, der Automobilindustrie, der Medizintechnik oder der Mess- und Regeltechnik: Viele Bauteile funktionieren nur dann zuverlässig, wenn sie mit hoher Präzision gefertigt werden, denn bereits geringe Abweichungen im Hundertstelmillimeterbereich können die Passgenauigkeit beeinträchtigen, die Funktion einschränken oder bei sicherheitskritischen Anwendungen auch die Betriebssicherheit beeinflussen. Je nach Material, Bauform und der jeweiligen Genauigkeitsanforderung kommen dabei unterschiedliche Fertigungsverfahren zum Einsatz – besonders verbreitet sind CNC-gesteuerte Verfahren (Computerized Numerical Control) wie CNC-Fräsen, CNC-Drehen oder CNC-Schleifen.

Neben Präzision und Wirtschaftlichkeit rücken in der modernen Fertigung zunehmend Fragen der Ressourceneffizienz in den Mittelpunkt: Wie lässt sich Material einsparen? Wie lassen sich Bauteile so fertigen, dass sie möglichst lange halten und nicht vorzeitig ersetzt werden müssen? Aus Nachhaltigkeitsperspektive ist das keine Nebensache — jedes Bauteil, das durch hohe Fertigungsqualität länger im Einsatz bleibt, spart Rohstoffe, Energie und vermeidbaren Ausschuss. Präzise Drehtechnik trägt damit unmittelbar zu einer ressourcenschonenderen Produktion bei.

Dieser Artikel konzentriert sich auf das CNC-Drehen, gibt einen Überblick über das Thema Drehtechnik und beleuchtet die wichtigsten Drehverfahren — auch unter dem Gesichtspunkt, welchen Beitrag eine moderne Zerspanung zu einer ressourcenschonenden Industrieproduktion leisten kann.

Definition und Funktionsprinzip der Drehtechnik

Drehtechnik ist ein Teilbereich der Zerspanungstechnik und gehört nach DIN 8580 zu den trennenden Fertigungsverfahren. Die Technik, bei der Material mit einem Schneidewerkzeug von einem rotierenden Werkstück abgetragen wird (Zerspanung), wird insbesondere in der Metallbearbeitung eingesetzt und ermöglicht eine präzise Fertigung von sogenannten rotationssymmetrischen Bauteilen wie Schrauben, Wellen, Achsen oder Bolzen.

Das Grundprinzip der Drehtechnik besteht darin, dass ein Werkstück in einer Drehmaschine eingespannt und in Rotation versetzt wird. Die Zerspanung erfolgt durch nicht rotierende Werkzeuge (Drehmeißel oder Stechwerkzeuge), welche in Werkzeughaltern auf einem Werkzeugschlitten montiert sind. Der Schlitten bewegt das Werkzeug kontrolliert in Längs- und Querrichtung relativ zum rotierenden Werkstück, sodass unterschiedliche Geometrien wie Zylinder, Planflächen oder Kegel erstellt werden können.

Die Entwicklung der Drehtechnik

Eine der frühesten Formen der Drehtechnik ist aus dem alten Ägypten bekannt und wird auf die Zeit um 1300 v. Chr. datiert. Diese primitiven Formen wurden mit der Zeit weiter verbessert, im Mittelalter wurde beispielsweise der Fußantrieb über Tretmechanismen hinzugefügt. Während der Industrialisierung dann, im 18. und 19. Jahrhundert, machte die Technik einen großen Sprung und die ersten Werkzeugmaschinen im heutigen Sinn entstanden. Mittlerweile ist die Drehtechnik ein hochpräzises Fertigungsverfahren, das in der modernen Industrie unerlässlich ist und überwiegend mit computergesteuerten Maschinen (CNC-Technik) durchgeführt wird. Moderne Fertigungsprozesse ermöglichen dabei nicht nur eine hohe Präzision, sondern häufig auch eine effizientere Nutzung von Werkstoffen und eine gleichbleibend hohe Produktqualität. Moderne Drehteile, wie sie spezialisierte Drehtechnik-Hersteller heute produzieren, zeichnen sich durch hohe Maßgenauigkeit und lange Lebensdauer aus — beides Faktoren, die auch aus Nachhaltigkeitssicht relevant sind: Langlebige Präzisionsteile müssen seltener ausgetauscht werden und reduzieren damit den Materialeinsatz über den gesamten Produktlebenszyklus.

Drehtechnik und Nachhaltigkeit: Wo entsteht der Hebel?

Auf den ersten Blick wirkt Zerspanung wenig nachhaltig — schließlich entsteht beim Drehen zwangsläufig Materialabtrag in Form von Spänen. Tatsächlich liegt der Nachhaltigkeitshebel jedoch nicht in der einzelnen Bearbeitung, sondern im gesamten Produktlebenszyklus der gefertigten Bauteile. Mehrere Faktoren spielen dabei zusammen:

Lebensdauer durch Präzision: Ein passgenau gefertigtes Bauteil hält in der Anwendung deutlich länger als ein toleranzbehaftetes. Wellen, Lager oder Dichtungssitze, die exakt im vorgesehenen Maß liegen, verschleißen langsamer und müssen seltener ersetzt werden. Über die Nutzungsdauer einer Maschine kann das den Materialbedarf für Ersatzteile spürbar reduzieren.

Materialwahl: Drehteile werden überwiegend aus Stahl, Edelstahl, Messing oder Aluminium gefertigt — alles Werkstoffe, die zu hohen Anteilen aus Recyclingmaterial bestehen können und sich am Ende ihres Lebenszyklus erneut einschmelzen lassen. Bei Stahl liegt der Recyclinganteil in der europäischen Produktion typischerweise bei über 80 Prozent.

Späne als Sekundärrohstoff: Die beim Drehen anfallenden Späne sind kein Abfall, sondern werden in modernen Betrieben sortenrein erfasst, gepresst und an Schmelzwerke zurückgeführt. Damit fließt der zerspante Werkstoff in den Materialkreislauf zurück.

Energieeffizienz moderner CNC-Anlagen: Aktuelle Drehmaschinen sind deutlich energieeffizienter als ältere Generationen. Frequenzgeregelte Antriebe, Energierückspeisung beim Bremsen der Hauptspindel und intelligente Steuerungen, die nicht-produktive Phasen erkennen, senken den Stromverbrauch pro gefertigtem Bauteil. Eine zusätzliche Option für Betriebe, die ihren Maschinenpark erneuern wollen, ist der Griff zu gebrauchten Metallverarbeitungsmaschinen — sie sind wirtschaftlich attraktiv und schonen Ressourcen, weil keine neuen Anlagen produziert werden müssen.

Hartdrehen statt Schleifen: In bestimmten Anwendungen ersetzt das Hartdrehen den traditionell energieintensiveren Schleifprozess. Das spart nicht nur Energie, sondern reduziert auch den Bedarf an Kühlschmierstoffen.

Drehtechnik: Verfahren, Unterschiede und Einsatzgebiete

Zunächst einmal unterscheidet man bei den Drehverfahren zwischen Außendrehen und Innendrehen: Beim Außendrehen wird die äußere Oberfläche eines Werkstücks bearbeitet, zum Beispiel bei der Herstellung von Wellen, Zylindern oder Kegeln. Beim Innendrehen hingegen werden innere Flächen bearbeitet, beispielsweise beim Ausdrehen von Bohrungen oder bei der Herstellung von Innenkonturen und Innengewinden.

Darüber hinaus gibt es bei allen Drehverfahren auch unterschiedliche Bearbeitungsarten. Beim Schruppdrehen wird in kurzer Zeit eine große Menge an Material abgetragen, um das Werkstück schnell in die gewünschte Grundform zu bringen. Das Schlichtdrehen dient der anschließenden Feinbearbeitung und erzeugt eine hohe Maßgenauigkeit. Eine besondere Form ist zudem das Hartdrehen, bei dem bereits gehärtete Werkstoffe bearbeitet werden, was beispielsweise bei Zahnrädern oder hochbelasteten Maschinenteilen der Fall ist. Hartdrehen kann in vielen Anwendungen das energieintensivere Schleifen ersetzen und reduziert damit den Energiebedarf in der Fertigung. Im Folgenden einige gängige Drehverfahren im Überblick:

  • Langdrehen: Langdrehen (Swiss-Type Turning) ist ein Drehverfahren für sehr lange und dünne Bauteile, zum Beispiel sehr kleine Schrauben oder Wellen in der Feinmechanik. Es wird auf sogenannten Langdrehmaschinen bzw. Langdrehautomaten durchgeführt und unterscheidet sich vom herkömmlichen Drehen insofern, als dass das Werkstück nicht nur vorne eingespannt wird, sondern während der Bearbeitung zusätzlich durch eine Führungsbuchse direkt an der Bearbeitungsstelle abgestützt wird. Dadurch bleibt das dünne Material stabil und kann sich nicht verbiegen, was eine besonders hohe Maßgenauigkeit und Oberflächenqualität ermöglicht — und durch die geringe Ausschussquote auch einen ressourcenschonenden Einsatz von Werkstoffen begünstigt.

  • Plandrehen: Beim Plandrehen handelt es sich um ein Drehverfahren, bei dem ebene, rechtwinklig zur Werkstückachse liegende Flächen hergestellt werden. Dabei bewegt sich das Werkzeug mit radialem Vorschub quer zur Drehachse in Richtung des Werkstückmittelpunkts oder von ihm weg, während das Werkstück rotiert. Typische Anwendungen sind etwa das Planen von Stirnflächen an Wellen oder das Bearbeiten von Bauteilenden, um eine saubere und plane Auflagefläche zu erzeugen.

  • Kegeldrehen: Bei diesem Drehverfahren werden konische (kegelförmige) Flächen an einem Werkstück hergestellt. Dabei ändert sich der Durchmesser des Werkstücks entlang seiner Länge gleichmäßig, sodass eine schräge, spitz zulaufende Form entsteht. Eingesetzt wird dieses Verfahren beispielsweise für Passkegel, Werkzeugaufnahmen oder Verbindungsstellen, bei denen eine selbstzentrierende oder formschlüssige Verbindung benötigt wird. Solche Verbindungen sind oft langlebiger als geklebte oder geschweißte Lösungen und lassen sich am Ende des Produktlebens leichter wieder demontieren — ein Vorteil für Reparatur und Recycling.

  • Gewindedrehen: Gewindedrehen ist ein Verfahren der Drehtechnik, bei dem auf einer Drehmaschine in der Regel ein Außengewinde in ein Werkstück eingebracht wird. In Ausnahmefällen können auch Innengewinde auf speziellen Maschinen oder mit geeigneten Werkzeugen gefertigt werden. Geschraubte Verbindungen gelten in der Konstruktion als kreislauffähig, weil sie zerstörungsfrei gelöst werden können — ein Faktor, der für die Reparierbarkeit von Maschinen und Geräten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

  • Mehrkantdrehen: Mehrkantdrehen (auch Polygonaldrehen genannt) ist ein Drehverfahren, bei dem nicht runde, sondern kantige Formen an einem ursprünglich runden Werkstück erzeugt werden, zum Beispiel Vierkant-, Sechskant- oder andere polygonale Profile, wie etwa Schraubenköpfe, Muttern oder Werkzeugaufnahmen.

Fazit: Präzision als Nachhaltigkeitsfaktor

Drehtechnik ist auf den ersten Blick ein klassisches Industriethema — bei genauerer Betrachtung aber auch ein Hebel für ressourcenschonendere Fertigung. Wo Bauteile passgenau, langlebig und reparierbar gefertigt werden, sinkt der Bedarf an Ersatzteilen, und Material bleibt länger im Nutzungskreislauf. Hinzu kommen die hohe Recyclingfähigkeit der eingesetzten Metalle und die Rückführung der anfallenden Späne in den Materialkreislauf. Eine moderne, präzise Drehtechnik leistet damit einen Beitrag, der über das einzelne Werkstück hinausgeht — und der für eine zirkuläre Industrieproduktion von wachsender Bedeutung ist.

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