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Fairtrade-Siegel: Was die verschiedenen Labels wirklich bedeuten

Grünes Blatt in Hand einer Frau
Von Sonja Hermann

Das Fairtrade-Siegel kennzeichnet fair gehandelte Produkte – doch hinter dem schwarz-grün-blauen Logo stecken mehrere Varianten mit unterschiedlicher Aussage. Das klassische Fairtrade-Siegel, der Pfeil für Mengenausgleich und das Fairtrade-Rohstoffsiegel bedeuten jeweils etwas anderes. Bei Mischprodukten müssen mindestens 20 Prozent der Zutaten fair gehandelt sein; bei Monoprodukten wie Kaffee sind es 100 Prozent. Wie du die verschiedenen Labels liest, was Mengenausgleich heißt und worauf du beim Einkauf achten solltest.

Das Fairtrade-Siegel in Zahlen

  • Das klassische Fairtrade-Siegel kennzeichnet Produkte, deren Zutaten unter Fairtrade-Standards angebaut und fair gehandelt wurden.

  • Bei Mischprodukten wie Schokolade oder Keksen müssen mindestens 20 Prozent der Zutaten aus fairem Handel stammen.

  • Ein schwarzer Pfeil neben dem Siegel verweist auf Mengenausgleich oder ein Mischprodukt – die Erklärung steht auf der Rückseite der Verpackung.

  • Mengenausgleich ist nur bei Kakao, Zucker, Tee und Fruchtsaft erlaubt – die Verbraucherzentrale bewertet ihn kritisch als Übergangslösung.

  • Das Fairtrade-Rohstoffsiegel garantiert, dass der genannte Rohstoff zu 100 Prozent fair gehandelt wurde.

Das klassische Fairtrade-Siegel und seine Bedeutung

Das Fairtrade-Siegel ist das bekannteste Label für fair gehandelte Produkte und steht für die Einhaltung der Fairtrade-Standards entlang der Lieferkette. Es garantiert, dass Produzenten im globalen Süden faire Bedingungen erhalten – von Mindestpreisen bis zu Sozialprämien. Vergeben wird es in Deutschland über Fairtrade International und den Verein TransFair. Am schwarzen Fairtrade-Siegel erkennbar, verpflichtet es Produzenten und Händler auf faire Handelsbeziehungen, faire Löhne und das Verbot von Kinderarbeit – unabhängige Kontrolle sichert das ab, wie unser Beitrag zum Fairtrade-Mindestpreis zeigt. Es zählt damit zu den bekanntesten Sozialsiegeln: Profitieren sollen Kooperativen von Kleinbauern ebenso wie Beschäftigte auf einer Plantage. Neben dem Fairtrade-System steht die WFTO als Dachverband des Fair Trade für einen ganzheitlichen Ansatz.

Bei Monoprodukten wie Kaffee, Tee oder Bananen ist die Sache einfach: Hier müssen 100 Prozent der Ware fair gehandelt sein, damit das Siegel auf die Verpackung darf. Komplizierter wird es bei Mischprodukten mit mehreren Zutaten. Hier verlangt der Standard, dass alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, auch fair bezogen werden – und mindestens 20 Prozent des Endprodukts fair gehandelt sind. Solche Fairtrade-Zutaten – etwa Kakao, Zucker oder Vanille – müssen bei der Weiterverarbeitung den geforderten Mindestanteil erreichen und fair produziert sein. Über das Fairtrade-Programm lässt sich zusätzlich der Absatz einzelner Rohstoffe fair sichern, von der Ernte bis ins Regal; auch Textilien aus Fairtrade-Baumwolle folgen diesem Prinzip.

Auf dem deutschen Markt fällt auf, dass viele Verbraucher das Siegel kennen, die Unterschiede zwischen den Varianten aber kaum. Genau hier setzt das Wissen über die Labels an. Die Grundlagen des fairen Handels erklärt unser Beitrag zu fair gehandelten Lebensmitteln.

Mengenausgleich und Mischprodukte: der Pfeil auf dem Siegel

Der Mengenausgleich ist die am meisten missverstandene Regel des Fairtrade-Systems – ein schwarzer Pfeil neben dem Siegel weist darauf hin. Mengenausgleich bedeutet: Bei bestimmten Rohstoffen dürfen faire und konventionelle Ware in der Verarbeitung vermischt werden. Sichergestellt wird nur, dass genauso viel fair eingekaufter Rohstoff in den Handel kommt, wie unter dem Siegel verkauft wird.

Erlaubt ist Mengenausgleich ausschließlich bei Kakao, Zucker, Tee und Fruchtsaft – Rohstoffen, bei denen eine getrennte Verarbeitung technisch aufwendig und kostspielig wäre. Bei einer Tafel Schokolade mit Mengenausgleich steckt also nicht zwingend der faire Kakao physisch drin, aber die entsprechende Menge wurde fair eingekauft und einem Produzenten vergütet.

Die Verbraucherzentrale bewertet den Mengenausgleich kritisch und sieht ihn nur als kurzfristige Übergangslösung. Wer das vermeiden will, achtet auf Produkte ohne den Pfeil oder auf das Fairtrade-Rohstoffsiegel. Der Pfeil verweist immer auf weitere Informationen auf der Rückseite der Verpackung – dort steht, ob es sich um Mengenausgleich oder ein Mischprodukt handelt.

Fairtrade-Rohstoffsiegel und die Treppe der Labels

Das Fairtrade-Rohstoffsiegel ist die strengere Variante: Es kennzeichnet, dass ein einzelner Rohstoff – etwa Fairtrade-Kakao oder Fairtrade-Baumwolle – zu 100 Prozent fair gehandelt wurde. Anders als beim klassischen Siegel bezieht sich die Aussage nur auf diese eine Zutat, dafür aber vollständig und physisch rückverfolgbar.

So entsteht eine Treppe der Labels: Das klassische Fairtrade-Siegel steht für das Gesamtprodukt mit mindestens 20 Prozent fairen Zutaten, das Rohstoffsiegel für eine einzelne, vollständig faire Zutat, und Anbieter wie die GEPA gehen mit eigenen Standards teils noch darüber hinaus. Wer ganz sicher gehen will, kombiniert das Fairtrade-Siegel mit einem Bio-Siegel.

Label

Aussage

Beispiel

Fairtrade-Siegel (Monoprodukt)

100 % fair gehandelt

Kaffee, Tee, Bananen

Fairtrade-Siegel (Mischprodukt)

mind. 20 % fair, Pfeil möglich

Schokolade, Kekse

Fairtrade-Rohstoffsiegel

genannter Rohstoff 100 % fair

Fairtrade-Kakao, -Baumwolle

Mengenausgleich (Pfeil)

faire Menge eingekauft, ggf. vermischt

Kakao, Zucker, Tee, Saft

Fair gehandelte Produkte und Anbieter findest du gebündelt auf greenya.de, Deutschlands Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997.

Häufige Fragen zum Fairtrade-Siegel

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um die Fairtrade-Labels.

Was bedeutet der Pfeil neben dem Fairtrade-Siegel?

Der schwarze Pfeil verweist auf Mengenausgleich oder ein Mischprodukt. Er bedeutet, dass nicht zwingend alle Zutaten physisch fair gehandelt sind, sondern die entsprechende Menge fair eingekauft wurde. Die genaue Erklärung steht auf der Rückseite der Verpackung. Die Verbraucherzentrale sieht den Mengenausgleich kritisch und nur als Übergangslösung.

Wie viel Prozent eines Produkts muss fair sein?

Bei Monoprodukten wie Kaffee, Tee oder Bananen müssen 100 Prozent fair gehandelt sein. Bei Mischprodukten mit mehreren Zutaten verlangt der Fairtrade-Standard mindestens 20 Prozent faire Zutaten – und dass alle Zutaten, die fair erhältlich sind, auch fair bezogen werden. Das Rohstoffsiegel garantiert für die genannte Zutat sogar 100 Prozent.

Was ist der Unterschied zwischen Fairtrade-Siegel und Rohstoffsiegel?

Das klassische Fairtrade-Siegel bewertet das Gesamtprodukt mit mindestens 20 Prozent fairen Zutaten. Das Fairtrade-Rohstoffsiegel bezieht sich nur auf einen einzelnen Rohstoff – etwa Kakao – der dann zu 100 Prozent fair gehandelt und physisch rückverfolgbar ist. Das Rohstoffsiegel ist also für die genannte Zutat die strengere Garantie.

Ist Fairtrade automatisch bio?

Nein. Das Fairtrade-Siegel regelt faire Handelsbedingungen, nicht den ökologischen Anbau. Viele Fairtrade-Produkte sind zusätzlich bio-zertifiziert, erkennbar am EU-Bio-Siegel. Wer beides will – faire Bedingungen und ökologischen Anbau – achtet auf die Kombination beider Logos auf der Verpackung. Standards wie die der GEPA verbinden oft fair und bio.

Welche bekannten Marken nutzen das Fairtrade-Siegel?

Das Fairtrade-Siegel findet sich auf zahlreichen Produkten in Supermarkt und Discounter – von Kaffee über Schokolade bis zu Bananen. Pionier des fairen Handels in Deutschland ist die GEPA, die teils über den Fairtrade-Standard hinausgeht. Daneben tragen viele Eigenmarken großer Handelsketten das Siegel. Achte auf das Logo plus eventuelle Zusatzangaben.

Fazit: Erst der zweite Blick macht klar, wie fair

Das Fairtrade-Siegel ist ein verlässliches Signal – aber erst der zweite Blick verrät, wie fair ein Produkt wirklich ist. Bei Monoprodukten sind 100 Prozent fair, bei Mischprodukten mindestens 20 Prozent, und der Pfeil weist auf Mengenausgleich hin. Wer es genau wissen will, achtet auf das Rohstoffsiegel oder kombiniert Fairtrade mit Bio. Dreh die Verpackung um – die Rückseite erklärt, was das Siegel im Einzelfall bedeutet.

Quellen und weiterführende Informationen

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