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Welche Nahrungsergänzungsmittel sind sinnvoll? Was laut DGE und BfR nötig ist

Nahrungsergänzungsmittel, Kapseln mit flüssigem Inhalt
Aktualisiert: Von greenya Redaktion

Fünf Nährstoffe decken fast alle belegten Fälle ab: Vitamin B12 bei veganer Ernährung, Vitamin D im Winter, 400 µg Folsäure bei Kinderwunsch, Jod in Schwangerschaft und Stillzeit sowie Eisen bei nachgewiesenem Mangel. Welche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind, entscheidet also deine Lebenslage. Gesunde Erwachsene, die sich ausgewogen ernähren, brauchen die meisten Präparate nicht.

Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll einsetzen: Fakten, Dosen und Grenzen

  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät allen vegan lebenden Menschen, dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einzunehmen.
  • Frauen mit Kinderwunsch sollen laut DGE spätestens vier Wochen vor der Schwangerschaft täglich 400 µg Folsäure ergänzen und das bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels beibehalten.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält Vitamin-D-Präparate mit bis zu 20 µg pro Tag für gesundheitlich unbedenklich, höhere Dosen gehören in ärztliche Begleitung.
  • Rund 32 Prozent der Erwachsenen in Deutschland liegen beim Jod unter dem geschätzten Durchschnittsbedarf, berichtet die Verbraucherzentrale.
  • Eisenpräparate sollten laut BfR nur nach einer per Blutbild bestätigten Unterversorgung und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt eingenommen werden.
  • Nahrungsergänzungsmittel gelten rechtlich als Lebensmittel und durchlaufen vor dem Verkauf keine Zulassung mit Wirksamkeitsprüfung wie Arzneimittel.

Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll für gesunde Menschen?

Bei gesunden Menschen deckt eine abwechslungsreiche Ernährung den Bedarf meist vollständig, Nahrungsergänzungsmittel sind dann nicht nötig. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) sieht die meisten Menschen in Deutschland gut mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Sinnvoll wird eine Supplementation erst bei erhöhtem Bedarf, einseitiger Kost oder einem ärztlich festgestellten Mangel.

Trotzdem greifen viele zur Kapsel. In einer forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen hielt 2021 gut die Hälfte der Befragten (51 Prozent) Nahrungsergänzungsmittel für gesundheitsförderlich. Das Problem: Viele schlucken mehrere Präparate, essen angereicherte Lebensmittel und nehmen Medikamente mit Mikronährstoffen. Wie viel Vitamin oder Mineralstoff am Tag zusammenkommt, weiß dann niemand mehr genau. Die Verbraucherzentrale NRW warnt deshalb ausdrücklich vor dem „Gießkannenprinzip“.

Hinzu kommt der rechtliche Rahmen. Ein Nahrungsergänzungsmittel gilt als Lebensmittel, das Nährstoffe in konzentrierter Form liefert, etwa als Kapsel, Tablette oder Pulver. Stiftung Warentest betont: Klinische Studien und ein Zulassungsverfahren braucht es dafür nicht. Hersteller zeigen ein Produkt beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur an. Ob es wirkt, prüft vorab niemand.

Das Vorurteil von den ausgelaugten Böden

Das verbreitetste Argument für Pillen lautet: Unsere Böden seien ausgelaugt, deshalb stecke in Obst und Gemüse kaum noch etwas drin. Diese Annahme hält keiner Prüfung stand. Die meisten Vitamine bildet die Pflanze selbst, sie stammen nicht aus dem Boden. Die echte Versorgungslücke in Deutschland betrifft vor allem Jod, und dafür gibt es seit Jahrzehnten eine einfache Lösung: Jodsalz als Speisesalz im Haushalt. Das BZfE bringt es auf die Formel „Wenn Salz, dann Jodsalz“.

Viel wichtiger als der Boden ist der Teller. Wer vegan isst, schwanger ist oder kaum ins Freie kommt, hat einen messbar anderen Bedarf als der Durchschnitt.

Der Drei-Fragen-Check vor jedem Kauf

Ob ein Präparat zu dir passt, klären drei Fragen, die wir aus den Empfehlungen von DGE, BfR und Verbraucherzentrale verdichtet haben. Erstens: Gehörst du zu einer Risikogruppe mit offiziell anerkanntem Mehrbedarf? Zweitens: Bestätigt ein Laborwert oder eine ärztliche Empfehlung den Bedarf? Drittens: Liegt die Tagesdosis unter dem Höchstmengenvorschlag des BfR?

Erst drei Mal Ja macht ein Präparat zu einer begründeten Wahl. Schon ein Nein ist ein guter Grund, vor dem Kauf mit Hausarzt, Apotheke oder Ernährungsberatung zu sprechen.

Welche Nahrungsergänzungsmittel wirklich sinnvoll sind: die Bedarfs-Matrix

Wissenschaftlich gut begründet sind nur wenige Nährstoffe: Vitamin B12 für Veganer, Vitamin D bei wenig Sonne, Folsäure und Jod rund um die Schwangerschaft, Eisen bei nachgewiesenem Mangel. Alle anderen Vitamine und Mineralstoffe liefert in der Regel eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchten.

Die folgende Matrix ordnet die häufigsten Präparate nach Zielgruppe und nennt die Höchstmengenvorschläge des BfR pro Tagesdosis. Verbindlich sind diese Werte in Deutschland bislang nicht, sie bieten aber die beste verfügbare Orientierung.

Nährstoff Sinnvoll für Meist unnötig für BfR-Höchstmengenvorschlag je Tagesdosis
Vitamin B12 alle, die sich vegan ernähren (dauerhaft) Mischköstler ohne Magen-Darm-Erkrankung 25 µg
Vitamin D Menschen mit wenig Sonne, vor allem von Oktober bis März Menschen, die im Sommerhalbjahr regelmäßig im Freien sind 20 µg
Folsäure Frauen mit Kinderwunsch und im ersten Schwangerschaftsdrittel Männer und Frauen ohne Kinderwunsch 200 µg, für Frauen mit Kinderwunsch und im ersten Schwangerschaftsdrittel 400 µg
Jod Schwangere, Stillende, vegan lebende Menschen nach ärztlichem Rat alle, die Jodsalz verwenden 100 µg, für Schwangere und Stillende 150 µg
Eisen Menschen mit per Blutbild belegtem Eisenmangel alle ohne Diagnose 6 mg
Omega-3 (DHA/EPA aus Algenöl) vegetarisch und vegan lebende Schwangere Erwachsene mit Leinöl und Walnüssen im Speiseplan kein BfR-Wert (kein Vitamin oder Mineralstoff)
Magnesium Einzelfälle nach ärztlicher Rücksprache gesunde Erwachsene mit Vollkorn und Nüssen 250 mg
Calcium Menschen, die wenig calciumreiche Lebensmittel essen alle mit calciumreichem Mineralwasser, Grünkohl, Tofu 500 mg

Die Werte stammen aus den Höchstmengenvorschlägen des BfR von 2021. Im Februar 2024 hat das Institut unter anderem die Kapitel zu Vitamin D und Folsäure aktualisiert, im Dezember 2025 das Kapitel zu Jod. Die Zahlen in der Tabelle entsprechen diesem aktuellen Stand.

Nahrungsergänzungsmittel vegan: Vitamin B12 ist Pflicht

Vitamin B12 ist das einzige Präparat, das die DGE für eine ganze Ernährungsform ohne Einschränkung empfiehlt. Das lebensnotwendige Vitamin steckt nahezu nur in tierischen Lebensmitteln. In ihrer Position zur veganen Ernährung von 2024 hält die DGE eine vegane Ernährung für gesunde Erwachsene für gesundheitsfördernd, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: ein Vitamin-B12-Präparat, eine ausgewogene, gut geplante Lebensmittelauswahl und eine bedarfsdeckende Zufuhr der potenziell kritischen Nährstoffe. Der Schätzwert für Erwachsene liegt bei 4,0 µg Vitamin B12 pro Tag.

Diese potenziell kritischen Nährstoffe nennt die DGE: Jod, Protein, langkettige Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Vitamin B2, Calcium, Eisen, Zink, Selen und gegebenenfalls Vitamin A. Pauschal schlucken musst du sie nicht. Jodsalz, Hülsenfrüchte, Nüsse und angereicherte Pflanzendrinks decken vieles ab. Was ein B12-Mangel im Körper anrichtet, erklärt unser Ratgeber zu Vitamin-B12-Mangel, Symptomen und Ursachen. Auch bestimmte Magen- und Darmerkrankungen, etwa eine chronische Magenschleimhautentzündung, verschlechtern laut DGE die Aufnahme von B12.

Vitamin D im Winter

Vitamin D bildet dein Körper zu 80 bis 90 Prozent selbst in der Haut, wenn du regelmäßig draußen bist. Von Oktober bis März reicht die Sonne in Deutschland dafür laut DGE nicht aus. Laut BfR-Daten, die die Verbraucherzentrale 2025 zusammengefasst hat, erreichen nur 44 Prozent der Erwachsenen den wünschenswerten Blutwert von mindestens 50 nmol/l, rund 15 Prozent liegen unter 30 nmol/l.

Die DGE empfiehlt Präparate nur, wenn Ernährung und Sonne die Versorgung nicht verbessern können. Zu den Risikogruppen zählt sie ältere Menschen, deren Haut deutlich weniger Vitamin D bildet, und alle, die sich kaum im Freien aufhalten. Bis 20 µg täglich hält das BfR für unbedenklich. Säuglinge erhalten ab der ersten Lebenswoche eine eigene Vitamin-D-Prophylaxe, die die Kinderarztpraxis begleitet. Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Laborwerte vertieft unser Ratgeber zu Vitamin D und seiner Dosierung.

Nahrungsergänzungsmittel Frauen: Folsäure, Jod und Eisen im Fokus

Für Frauen gibt es die klarste Empfehlung überhaupt: 400 µg Folsäure täglich, beginnend spätestens vier Wochen vor der Schwangerschaft. Folsäure senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind. Viele Schwangerschaften beginnen ungeplant, deshalb rät die DGE allen Frauen, die schwanger werden könnten, zur Einnahme. Mehr zum Unterschied zwischen Folat und Folsäure und dem täglichen Bedarf an Vitamin B9 findest du in unserem eigenen Beitrag.

Folsäure und Jod gehören in der Schwangerschaft zusammen. DGE und ÖGE empfehlen seit 2025 Erwachsenen 150 µg Jod pro Tag, Schwangeren 220 µg und Stillenden 230 µg. Das BfR rät Schwangeren und Stillenden deshalb, nach Rücksprache mit der Frauenärztin zusätzlich 100 bis 150 µg Jod täglich als Tablette einzunehmen. Beim Eisen ist Vorsicht angesagt. Frauen im gebärfähigen Alter haben zwar ein höheres Risiko für leere Speicher, das BfR bezifferte den Anteil zuletzt auf rund 10 Prozent der Frauen (Stand 2008). Trotzdem gilt: Eisen nur nach Diagnose, denn ein Zuviel lagert sich im Körper ein.

Die Matrix zeigt ein klares Muster. Sinnvolle Präparate sind kein Lifestyle-Produkt, sondern die Antwort auf eine konkrete Lebensphase.

Meist überflüssig: Multivitamin, Vitamin C und Co.

Multivitaminpräparate, hochdosiertes Vitamin C, Zink zur Vorbeugung und Magnesium ohne Mangel bringen gesunden Erwachsenen in der Regel keinen belegten Zusatznutzen. Das BfR stellt klar: Wer mehr Mikronährstoffe aufnimmt, als er braucht, kann keine positiven gesundheitlichen Wirkungen erwarten. Nahrungsergänzungsmittel sollen laut Verbraucherzentralen nur die Ernährung ergänzen und Lücken bei bestimmten Nährstoffen schließen. Krankheiten behandeln sie nicht.

Vitamin C ist ein gutes Beispiel. Schon eine halbe rote Paprika und ein kleines Glas Orangensaft liefern laut DGE mehr als 155 mg. Empfohlen sind 95 mg für Frauen und 110 mg für Männer. Zink, Vitamin C und Vitamin D tragen laut zugelassenen EU-Angaben „zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“, eine Erkältung verhindern sie damit nicht. Was laut Fachgesellschaften für die Abwehr zählt, haben wir im Ratgeber Immunsystem stärken: was laut DGE, BfR und WHO hilft zusammengetragen.

Magnesiumpräparate sind oft zu hoch dosiert. Das zeigte laut Stiftung Warentest ein Marktcheck der Verbraucherzentralen. Das BfR schlägt höchstens 250 mg pro Tagesdosis vor, verteilt auf zwei oder mehr Portionen. Typische Nebenwirkung einer zu hohen Dosierung ist Durchfall. Wer unter Wadenkrämpfen leidet, lässt die Ursache besser ärztlich abklären, statt auf Verdacht zu supplementieren. Ähnliches gilt für Calcium: Calciumreiches Mineralwasser, Grünkohl, Brokkoli und calciumhaltiger Tofu decken den Bedarf auch bei pflanzlicher Kost oft gut ab.

Omega-3 als Sonderfall

Langkettige Omega-3-Fettsäuren wie DHA und EPA zählt die DGE zu den potenziell kritischen Nährstoffen bei veganer Ernährung. Das BZfE empfiehlt eine DHA-Ergänzung ausdrücklich für schwangere Vegetarierinnen, weil das Ungeborene in dieser Phase besonders viel DHA braucht. Leinöl liefert zwar die pflanzliche Vorstufe Alpha-Linolensäure, der Körper wandelt sie aber nur zu einem kleinen Teil um. Eine direkte, fischfreie DHA-Quelle ist Mikroalgenöl. Worauf du bei Oxidationswerten und Tagesdosis achtest, zeigt unser Ratgeber zu Omega-3 aus Algenöl, TOTOX-Wert und Tagesdosis.

Für alle anderen gilt eine einfache Faustregel: Ein Präparat ohne Bedarf ist kein Gesundheitsplus, sondern nur ein teurer Weg, Überschüsse auszuscheiden oder anzureichern.

Wie viel ist zu viel? Höchstmengen und Wechselwirkungen

Zu viel schadet vor allem bei Mineralstoffen und fettlöslichen Vitaminen wie A, D, E und K, die sich im Körper anreichern. Viele Produkte sind hoch dosiert. Wer regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte deshalb die gesamte Zufuhr zusammenrechnen. Eine verbindliche Höchstmenge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland bis heute nicht. Orientierung bieten die Vorschläge des BfR und die tolerierbaren Obergrenzen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Laut Verbraucherzentrale halten sich nur wenige Hersteller an die BfR-Empfehlungen. Eine EU-weite Regelung ist in Arbeit: Einen öffentlichen Entwurf erwartete die Verbraucherzentrale für das dritte Quartal 2026, die Annahme durch die EU-Kommission für das erste Quartal 2028 (Stand: Juli 2026). Bis dahin liegt die Verantwortung bei dir.

Die EFSA nennt für Erwachsene folgende tolerierbare Gesamtmengen pro Tag aus allen Quellen: 100 µg Vitamin D, 600 µg Jod, 25 mg Zink, 12 mg Vitamin B6 und 1.000 µg zugesetzte Folsäure. Für Magnesium aus Präparaten liegt die Grenze bei 250 mg. Bei Eisen nennt die EFSA eine sichere Aufnahmemenge von 40 mg täglich.

Eine Überdosierung entsteht selten durch ein einzelnes Präparat. Häufiger summieren sich mehrere Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel und Algenprodukte. Die Verbraucherzentrale warnt: Schon 1 bis 10 g getrocknete Algen können die in Deutschland lange geltende Obergrenze von 500 µg Jod pro Tag deutlich überschreiten. DGE und ÖGE orientieren sich seit 2025 am EFSA-Wert von 600 µg.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Mineralstoffe und Vitamine können die Wirkung von Arzneimitteln verändern, zeigt eine Übersicht der Verbraucherzentrale NRW. Calcium hemmt die Aufnahme bestimmter Antibiotika, von L-Thyroxin für die Schilddrüse und von Eisen. Zwischen den Einnahmen sollten mindestens zwei Stunden liegen. Magnesium verlangt bei einigen Antibiotika zwei bis vier Stunden Abstand.

Besonders heikel sind Gerinnungshemmer. Wer sie einnimmt, notiert am besten alle Präparate für den nächsten Arzttermin. Vitamin K kann mit Gerinnungshemmern wie Marcumar wechselwirken, Omega-3-Fettsäuren und Ginkgo können die Blutungsneigung verstärken. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, bespricht jedes Präparat mit der Ärztin oder in der Apotheke. Umgekehrt gilt: Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme, Kaffee, Tee und Milch verschlechtern sie.

Nahrungsergänzungsmittel Test: woran du gute Präparate erkennst

Ein gutes Präparat erkennst du an einer Dosis im Rahmen der BfR-Vorschläge, einer vollständigen Kennzeichnung, unabhängigen Laboranalysen auf Schadstoffe und Werbeaussagen, die sich an die EU-Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 halten. Ein Testsieg bei Stiftung Warentest oder Öko-Test hilft, ersetzt aber nicht die Frage nach dem eigenen Bedarf.

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt vor jedem Kauf eine kurze Prüfung. Gibt es unabhängige wissenschaftliche Bewertungen zur versprochenen Wirkung? Legt der Hersteller Laborzertifikate zu Schwermetallen offen? Passt die Darreichungsform, und was kostet die Tagesdosis über die geplante Einnahmedauer? Brausetabletten können bis zu einem Gramm Salz pro Tablette enthalten, das nicht deklariert sein muss. Für Menschen mit Bluthochdruck eignen sie sich daher eher nicht.

Werbeaussagen sind ein guter Filter. Erlaubt sind nur Formulierungen, die die EFSA geprüft und die EU-Kommission in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zugelassen hat, etwa „Vitamin B12 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“. Aussagen, ein Mittel heile oder verhindere Krankheiten, sind bei Nahrungsergänzungsmitteln verboten, betont das BZfE.

Bioverfügbarkeit, vegane Kapseln und Herkunft

Auch die chemische Form zählt. Magnesiumcitrat gilt als besser verwertbar als Magnesiumoxid, Vitamin B12 gibt es als Cyanocobalamin, Methylcobalamin oder Adenosylcobalamin. Wer vegan lebt, prüft zusätzlich die Kapselhülle: Viele Kapseln bestehen aus Gelatine, Vitamin D3 wird oft aus Wollfett gewonnen. Vegane Alternativen sind D3 aus Flechten und Hüllen aus Cellulose.

Seit 1997 beobachten wir auf greenya.de, der Plattform für nachhaltiges Leben, wie sich der Markt für Nahrungsergänzungsmittel entwickelt. Auffällig: Viele Marken verkaufen „hochdosiert“ als Qualitätsversprechen. Gemessen an den BfR-Vorschlägen ist eine hohe Dosis eher ein Warnsignal als ein Gütesiegel.

Wer diese Punkte abhakt, braucht keinen Testsieger, um gut zu wählen. Das passende Präparat ist das mit der niedrigsten Dosis, die deinen Bedarf deckt.

Häufige Fragen zu sinnvollen Nahrungsergänzungsmitteln

Die folgenden Antworten greifen Fragen auf, die rund um Nahrungsergänzungsmittel am häufigsten gestellt werden. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung.

Welche Nahrungsergänzungsmittel empfehlen Ärzte?

Ärztinnen und Ärzte empfehlen Nahrungsergänzungsmittel in der Regel gezielt nach Blutbild und Lebenssituation, nicht pauschal. Typisch sind Vitamin B12 bei veganer Ernährung, Folsäure bei Kinderwunsch, Jod in der Schwangerschaft, Vitamin D bei niedrigem Blutwert und Eisen bei diagnostiziertem Mangel. Das BZfE rät, den eigenen Bedarf mit Ärztin, Arzt oder Ernährungsfachkraft zu klären, bevor du ein Präparat dauerhaft einnimmst.

Brauchen Frauen ab 40 Nahrungsergänzungsmittel?

Frauen ab 40 brauchen nicht automatisch Nahrungsergänzungsmittel. Stiftung Warentest fand für Präparate gegen Wechseljahresbeschwerden keine ausreichenden Belege für einen gesundheitlichen Nutzen. Ab 40 lohnt der Blick auf Vitamin D und Calcium für die Knochen, am besten über Ernährung und Bewegung im Freien. Bei Beschwerden in den Wechseljahren ist die Frauenarztpraxis die richtige Anlaufstelle, nicht das Drogerieregal.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel beim Abnehmen?

Nahrungsergänzungsmittel ersetzen beim Abnehmen weder eine Ernährungsumstellung noch Bewegung. Laut BZfE sind Werbeaussagen zur Gewichtsabnahme bei Nahrungsergänzungsmitteln streng reguliert und nur mit EU-Zulassung erlaubt. Wer abnehmen möchte, profitiert mehr von ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Vollkorn und Gemüse als von Kapseln mit Pflanzenextrakten.

Wie lange sollte man Nahrungsergänzungsmittel einnehmen?

Die Dauer hängt vom Nährstoff ab. Vitamin B12 nehmen vegan lebende Menschen laut DGE dauerhaft ein. Folsäure läuft ab spätestens vier Wochen vor der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Drittels. Vitamin D ist vor allem von Oktober bis März ein Thema. Eisen ergänzt du nur so lange, bis die Speicher laut Kontrollwert wieder gefüllt sind, in ärztlicher Begleitung.

Brauchen Vegetarier Nahrungsergänzungsmittel?

Vegetarier brauchen in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel, weil Milch und Eier die Versorgung laut BZfE grundsätzlich sichern. Zwei Nährstoffe verdienen trotzdem Aufmerksamkeit, wenn du dich vegetarisch oder vegan ernährst. Beim Jod können laut BZfE Lücken entstehen, Jodsalz hilft hier zuverlässig. Beim Vitamin B12 zählt die DGE neben Veganern auch Vegetarier zu den Risikogruppen für eine knappe Zufuhr. Ein Bluttest beim Hausarzt zeigt, ob ein B12-Präparat sinnvoll ist.

Fazit: Weniger Präparate, dafür die richtigen

Vier bis fünf Nährstoffe reichen, um die Frage nach sinnvollen Nahrungsergänzungsmitteln für die meisten Menschen zu beantworten: Vitamin B12 bei veganer Ernährung, Vitamin D im Winter bei niedrigen Werten, Folsäure und Jod rund um die Schwangerschaft, Eisen nur bei Mangel. Alles andere braucht einen konkreten Anlass. Unsere Empfehlung: Starte mit dem Drei-Fragen-Check, lass deine Werte beim Hausarzt bestimmen und wähle das Präparat mit der niedrigsten wirksamen Dosis. Bei Beschwerden, chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme gehört die Entscheidung immer in ärztliche Hände.

Quellen und weiterführende Informationen