Naturnah gärtnern: Mit insektenfreundlicher Gartengestaltung ohne Chemie zu mehr Artenvielfalt – die wichtigsten Tipps
Über 75 Prozent der Fluginsekten sind in 27 Jahren aus deutschen Schutzgebieten verschwunden, zeigt die berühmte Krefeld-Studie. Naturnah gärtnern setzt genau hier an: Wer im Garten auf Chemie verzichtet, heimische Pflanzen setzt und Lebensräume schafft, holt Artenvielfalt zurück – Biene, Schmetterling und Igel inklusive. Diese Pillar-Seite bündelt alle Tipps zur insektenfreundlichen Gartengestaltung: von der richtigen Pflanzenauswahl über Wildblumenwiese und Gartenteich bis zu Nisthilfen und torffreier Erde.
Naturnah gärtnern in Zahlen
Die Krefeld-Studie dokumentierte zwischen 1989 und 2016 einen Rückgang der Fluginsekten-Biomasse um 76,7 Prozent – im Hochsommer sogar um 81,6 Prozent (PLOS ONE, 2017).
Von den über 560 Wildbienenarten in Deutschland ist fast die Hälfte bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben (Rote-Liste-Zentrum).
Rund ein Drittel unserer Nahrungspflanzen ist auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen.
Ein naturnaher Garten kommt ohne chemisch-synthetische Pestizide aus – Nützlinge wie Marienkäfer und Schlupfwespen übernehmen den Pflanzenschutz.
Heimische, ungefüllte Blüten liefern Nektar und Pollen, gefüllte Zuchtsorten dagegen oft nichts.
Schon kleine Strukturen wirken: Totholz, Steinhaufen, ein kleiner Teich und eine ungemähte Ecke schaffen wertvollen Lebensraum.
Warum naturnahes Gärtnern zählt: das Insektensterben
Naturnahes Gärtnern ist eine direkte Antwort auf das Insektensterben – und Privatgärten sind dabei ein unterschätzter Hebel. Die Zahlen sind drastisch: Forschende des Entomologischen Vereins Krefeld wiesen über 27 Jahre einen Rückgang der Fluginsekten-Biomasse um 76,7 Prozent nach, veröffentlicht 2017 im Fachjournal PLOS ONE. Gemessen wurde nicht eine einzelne Art, sondern das Gesamtgewicht tausender Insektenarten – ein umfassendes Bild.
Besonders betroffen sind die Wildbienen. Von den über 560 in Deutschland heimischen Arten ist laut Rote-Liste-Zentrum fast die Hälfte bestandsgefährdet, 39 Arten gelten bereits als ausgestorben. Das ist kein Nischenproblem: Rund ein Drittel unserer Nahrungspflanzen hängt an der Bestäubung durch Insekten – ohne Biene, Hummel und Schwebfliege gäbe es weniger Obst, Gemüse und Saatgut.
Diese verlorenen Prozent der Insekten fehlen an allen Ecken: als Bestäuber, als Nahrung für Vögel und Igel und als natürliche Schädlingsregulierer. Denn Insekten im Garten sind kein Ärgernis, sondern das Fundament des Ökosystems. Sie brauchen dafür wenig – Insekten brauchen vor allem Nahrung, Unterschlupf und Wasser –, und genau diese drei Dinge kann jeder Garten liefern, vom großen Grundstück bis zum Balkonkasten. Wo die Landwirtschaft auf Millionen Hektar ausräumt, kann der Privatgarten Gegengewicht sein.
Die Hauptursachen sind Lebensraum- und Nahrungsverlust durch intensive Landwirtschaft, Monokultur und den Einsatz von Pestiziden. Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen – Millionen Hektar in Deutschland – fehlen Wildkräuter und blühende Säume. Genau hier werden private Gärten wertvoll: Zusammengenommen umfassen sie eine riesige Fläche, die zum Trittstein-Biotop für Insekten werden kann.
Ein hausgemachtes Problem sind dabei Schottergärten: pflegeleicht gedacht, sind sie für Insekten tote Fläche – ohne Blüten, ohne Nahrung, ohne Lebensraum. Mehrere Bundesländer haben sie inzwischen eingeschränkt oder verboten. Jeder Quadratmeter Schotter, der wieder begrünt wird, ist gewonnener Lebensraum. Genau das macht naturnahes Gärtnern so wirksam: Es kostet wenig und wirkt sofort.
Naturnah zu gärtnern heißt deshalb nicht, den Garten verwildern zu lassen, sondern ihn als Lebensraum zu denken. Wer Insekten Nahrung, Unterschlupf und Wasser bietet, macht aus einem sterilen Rasen ein kleines Ökosystem – und sieht den Erfolg schon nach einer Saison.
Ohne Chemie gärtnern: natürlicher Pflanzenschutz statt Pestizide
Der wichtigste Schritt zum naturnahen Garten ist der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide – denn sie treffen nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge und Bestäuber. Im naturnahen Garten übernimmt die Natur den Pflanzenschutz selbst: Marienkäfer und ihre Larven vertilgen Blattläuse, Schlupfwespen parasitieren Schädlinge, Schwebfliegen und Florfliegen helfen mit. Wer Chemie weglässt, fördert dieses biologische Gleichgewicht.
Damit die Nützlinge bleiben, brauchen sie selbst Lebensraum. Ein Igel frisst Schnecken, eine Eidechse Insekten, Vögel füttern ihre Jungen mit Raupen. Steinhaufen, Laub- und Asthaufen sowie eine wilde Ecke geben ihnen Unterschlupf. Statt zur Giftflasche zu greifen, lohnt sich der Blick auf die Ursache: Eine Monokultur lädt Schädlinge ein, eine vielfältige Bepflanzung hält sie in Schach.
Auch beim Düngen gilt Zurückhaltung. Magere Böden bringen mehr Blütenvielfalt hervor als überdüngte, weil nährstoffarme Standorte konkurrenzschwache Wildblumen begünstigen. Wer kompostiert und sparsam mit organischem Material düngt, schließt den Kreislauf im Garten.
Zu den fleißigsten Helfern gehören neben Marienkäfer und Schlupfwespe auch Raubwanzen und Florfliegen, die Blattläuse und andere Schädlinge erbeuten. Damit diese Nützlinge im Garten bleiben, brauchen sie Rückzugsorte: Eine Eidechse sonnt sich am Steinhaufen, ein Igel baut sein Nest im Laubhaufen, viele Wildbienen nisten in markhaltigen Stängeln. Wer diese Tiere schützen will, lässt im Herbst Stauden stehen und räumt nicht jede Ecke auf – das vermeintliche Chaos ist in Wahrheit ein Kinderzimmer für Nützlinge. Auch Mischkultur und Fruchtfolge im Beet helfen: Wo verschiedene Pflanzen nebeneinander wachsen, hat kein Schädling leichtes Spiel.
Konkret heißt Gärtnern ohne Chemie: Gegen Schnecken helfen abendliches Absammeln, Schneckenzäune und ein igelfreundlicher Garten statt Schneckenkorn; gegen Wildkraut auf Wegen genügen heißes Wasser oder die Hacke statt Unkrautvernichter. Blattläuse verschwinden meist von selbst, sobald sich Marienkäfer und Florfliegen eingefunden haben. Geduld ist hier die wirksamste Methode – das Gleichgewicht stellt sich ein, wenn man es lässt. Wie sich Schädlinge ganz ohne Gift regulieren lassen, zeigt dieses Zusammenspiel: Es ist robuster als jede Spritzung – und kostet nichts.
Die richtige Pflanzenauswahl: heimisch, ungefüllt und ganzjährig blühend
Insektenfreundlich wird ein Garten vor allem über die richtige Pflanzenauswahl: heimische, ungefüllte Blüten, die vom Frühjahr bis in den Herbst Nektar und Pollen liefern. Entscheidend ist das Wort „ungefüllt": Gefüllte Zuchtsorten sehen üppig aus, sind für Bienen aber oft wertlos, weil ihnen die Staubblätter fehlen und kein Nektar erreichbar ist. Eine einfache, ungefüllte Wildrose nährt mehr Insekten als die prächtigste gefüllte Sorte. Heimische Arten haben dabei einen Vorsprung vor exotischen Zierpflanzen: Über Jahrtausende sind unsere Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen genau an sie angepasst – viele Wildbienenarten sammeln Pollen sogar nur an einer einzigen Pflanzenfamilie. Exoten blühen oft prächtig, liefern aber nicht das passende Pollen- und Nektarangebot.
Ein unterschätzter Tipp: Küchenkräuter sind hervorragende Bienenpflanzen, sobald man sie blühen lässt. Thymian, Salbei, Rosmarin und Oregano ziehen zur Blütezeit zahlreiche Wildbienen und Schwebfliegen an – ein Kraut-Beet versorgt also Küche und Insekten zugleich. Wer ein paar Pflanzen pro Sorte zieht und nicht alles gleichzeitig erntet, hat über Wochen Nahrung im Beet und auf dem Teller.
Genauso wichtig ist ein durchgehendes Blütenangebot über einen langen Zeitraum. Frühblüher wie Schneeglöckchen, Krokus und Traubenhyazinthe sind die erste Nahrungsquelle, wenn die ersten Bienen im Frühjahr fliegen. Im Sommer tragen Stauden, im Spätsommer und Herbst etwa die Fetthenne. So findet sich vom ersten warmen Tag bis zum Frost immer etwas zu holen.
Der folgende Blühkalender zeigt das Prinzip mit heimischen und bewährten Pflanzen:
Saison | Beispiele | Bedeutung für Insekten |
|---|---|---|
Frühjahr | Schneeglöckchen, Krokus, Traubenhyazinthe, Weißdorn | erste Nahrung nach dem Winter |
Frühsommer | Salbei, Katzenminze, Kornblume, Klee | Hauptnahrungszeit für Wildbienen |
Hochsommer | Schafgarbe, Natternkopf, Lavendel, Sonnenhut | Nektar für Bienen und Schmetterlinge |
Spätsommer/Herbst | Fetthenne, Astern, Dahlien (ungefüllt) | letzte Nahrungsquelle vor dem Winter |
Setze auf Vielfalt statt Monotonie und bevorzuge heimische Arten – sie sind an die heimischen Insekten angepasst. Eine ausführliche Liste mit den besten Arten für Beet, Kübel und Balkon findest du in unserem Beitrag zu bienenfreundlichen Pflanzen. Schon eine kleine, vielfältige Bienenweide macht den Unterschied.
Auch auf Balkon und Terrasse funktioniert das Prinzip: Winterharte Stauden im Kübel, dazu Frühblüher aus Blumenzwiebeln wie Narzisse und Krokus, locken Bienen schon ab dem ersten warmen Tag an. Wer im Herbst die Samen verblühter Pflanzen stehen lässt, schafft Nahrung für Vögel und neue Sämlinge fürs nächste Jahr – statt alles im Spätsommer abzuschneiden. Blühende Gärten locken nicht nur Insekten an, sie sind auch für uns ein Hingucker: naturnah und attraktiv schließen sich nicht aus, im Gegenteil.
Vom Rasen zur Wildblumenwiese: weniger mähen, mehr Leben
Der klassische englische Rasen ist für Insekten eine grüne Wüste – kurz gemäht, artenarm, ohne Blüten. Wer naturnah gärtnert, lässt zumindest Teile davon wachsen: Schon eine Ecke, die seltener gemäht wird, bringt Gänseblümchen, Klee und Wildkräuter zurück und damit Nahrung für viele Insekten. Der Aufwand sinkt dabei sogar: Seltener mähen spart Zeit, Sprit und Lärm. Wer es ordentlich mag, mäht schmale Wege durch die höhere Fläche – so wirkt der Garten gepflegt und bietet trotzdem Lebensraum. Diese Kombination aus kurzem Weg und wilder Fläche ist der einfachste Einstieg ins naturnahe Gärtnern.
Der konsequente Schritt ist die Wildblumenwiese. Auf magerem, nährstoffarmem Boden ausgesät, verwandelt sie eine freie Fläche in ein farbenfrohes Blütenmeer aus heimischen Wildblumen – und braucht weniger Pflege als Rasen, weil sie nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird. Wichtig ist der richtige Zeitpunkt der Mahd und das Abräumen des Mähguts, damit der Boden mager bleibt. Wie du eine Wildblumenwiese anlegst – von der Saatgut-Mischung bis zur Pflege – erklärt unser eigener Ratgeber.
Wer keine ganze Wiese will, kombiniert: kurzer Rasen zum Spielen, daneben eine ungemähte Blühfläche und ein paar Wildstauden am Rand. Diese Mischung ist alltagstauglich und ökologisch wertvoll zugleich. Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge danken es mit ihrem Besuch.
Lebensräume und Strukturen schaffen: Totholz, Steinhaufen, Teich und Nisthilfen
Nahrung allein reicht nicht – Insekten und Kleintiere brauchen auch Unterschlupf und Nistplätze. Genau hier entscheidet sich, ob ein Garten wirklich naturnah ist: Strukturen wie Totholz, Steinhaufen, Hecken und ein Teich schaffen Lebensraum, den ein aufgeräumter Garten nicht bietet. Je vielfältiger die Strukturen, desto mehr Arten siedeln sich an.
Ein Ast- oder Totholzhaufen in einer ruhigen Ecke wird zum Quartier für Käfer, Wildbienen und Igel. Ein Steinhaufen an sonniger Stelle wärmt Eidechsen und bietet Wildbienen Nistmöglichkeiten. Eine heimische Hecke aus Weißdorn, Holunder und Brombeere liefert Nahrung, Nistplätze und Schutz zugleich. Markhaltige Stängel und offene Bodenstellen ergänzen das Angebot – viele Wildbienenarten nisten genau dort.
Eine heimische Hecke leistet dabei mehr als jeder Zaun: Sie ist Sichtschutz, Nahrungsquelle und Kinderstube in einem. Weißdorn, Schlehe und Holunder blühen für Insekten und tragen später Beeren für Vögel; im dichten Geäst finden Singvögel sichere Nistplätze. Wer statt einer immergrünen Thuja-Wand eine gemischte Wildhecke pflanzt, schafft auf gleicher Fläche ein Vielfaches an Leben – und muss sie seltener schneiden.
Das Herzstück vieler naturnaher Gärten ist Wasser. Ein naturnaher Gartenteich – ökologisch wertvoll und ohne Fische – wird in kurzer Zeit von Libellen, Fröschen und Molchen besiedelt und dient Vögeln und Insekten als Tränke. Wie du einen Gartenteich anlegst, mit Stufenprofil, heimischen Wasserpflanzen und ohne Pumpe, zeigt unser Ratgeber. Gezielte Nisthilfen runden das Strukturangebot ab: Worauf es bei Nisthilfen für Wildbienen und Insektenhotels wirklich ankommt – und welche untauglich sind –, erklärt ein eigener Beitrag.
Gerade ein kleiner Teich ist ökologisch wertvoll wie kaum eine andere Struktur: Schon ein Miniteich in einer Wanne wird zum Biotop, an dem Wasserinsekten, Vögel und Amphibien zusammenkommen. Wichtig ist ein flach auslaufendes Ufer, damit Tiere gefahrlos ans Wasser und wieder heraus gelangen. Wer keinen Platz für einen großen Teich hat, schafft mit dem Miniteich auf wenigen Quadratmetern trotzdem ein vollwertiges Stück Natur.
Struktur | Bewohner | Aufwand |
|---|---|---|
Totholz-/Asthaufen | Käfer, Wildbienen, Igel | sehr gering |
Steinhaufen (sonnig) | Eidechsen, Wildbienen | gering |
heimische Hecke | Vögel, Insekten, Igel | mittel |
naturnaher Teich | Libellen, Frösche, Molche | mittel bis höher |
Nisthilfe/Insektenhotel | Mauerbienen, Schlupfwespen | gering |
Tiere im naturnahen Garten fördern: Bienen, Schmetterlinge, Vögel und Igel
Ein naturnaher Garten lebt von seinen Bewohnern – und die lassen sich gezielt fördern. Wildbienen und Honigbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen kommen, sobald Nahrung und Nistmöglichkeiten stimmen. Vögel, Igel und Eidechsen folgen, wenn der Garten ihnen Unterschlupf und Beute bietet. Jede Gruppe braucht etwas anderes – und genau diese Vielfalt macht den Garten stabil.
Für Bienen und Schmetterlinge zählt das ungefüllte, heimische Blütenangebot über den ganzen Sommer. Schmetterlinge brauchen dabei zweierlei: Nektarpflanzen für die Falter und Futterpflanzen für ihre Raupen – viele Arten legen ihre Eier nur an bestimmten Wildkräutern ab, etwa der Brennnessel. Wer eine wilde Ecke stehen lässt, schützt damit die nächste Schmetterlingsgeneration. Für Vögel sind Insekten, Beeren und im Winter eine Futterstelle entscheidend – wie du Vögel füttern und ihnen ganzjährig hilfst, ohne Fehler zu machen, erklärt unser Ratgeber. Igel brauchen Durchgänge zwischen Gärten, Laubhaufen zum Überwintern und eine flache Wasserschale. Eine offene Wasserstelle nutzen im Sommer fast alle Tiere gern zum Trinken.
Vögel profitieren ganzjährig: Im Sommer brauchen sie Insekten und Raupen für die Aufzucht ihrer Jungen, im Winter energiereiches Futter und im Frühjahr Nistmöglichkeiten. Ein naturnaher Garten liefert alle drei – heimische Sträucher mit Beeren, eine insektenreiche Wiese und sichere Nistplätze in Hecke und Nistkasten. So wird der Garten zum verlässlichen Lebensraum statt zur Durchgangsstation.
Wichtig ist die Geduld: Ein naturnaher Garten braucht ein, zwei Jahre, bis sich das ökologische Gleichgewicht einstellt. Dann aber reguliert er sich weitgehend selbst – Naturschutz, der direkt vor der Haustür stattfindet. Wer dranbleibt, erlebt, wie es im Garten wieder summt und brummt.
Schritt für Schritt zum naturnahen Garten: so legst du los
Der Einstieg ins naturnahe Gärtnern gelingt in überschaubaren Schritten – du musst nicht den ganzen Garten auf einmal umkrempeln. Als Merkhilfe dient die Drei-Säulen-Regel des naturnahen Gartens: Nahrung (durchgehend blühende, heimische Pflanzen), Unterschlupf (Totholz, Steine, Hecke, Nisthilfen) und Wasser (Teich oder Tränke). Wer alle drei bedient, hat das Wesentliche.
Praktisch heißt das: Beginne mit ein paar heimischen, ungefüllten Stauden am passenden Standort, lass eine Ecke ungemäht und stell eine Wasserschale auf. Im nächsten Schritt kommen Strukturen wie ein Asthaufen oder eine Nisthilfe dazu, später vielleicht eine kleine Wildblumenwiese oder ein Teich. Pflegeleicht wird der Garten fast von selbst, weil naturnahe Flächen weniger Wässern, Düngen und Mähen brauchen.
Ein realistischer Fahrplan fürs erste Jahr: Im Frühjahr Frühblüher und ein paar heimische Stauden pflanzen, im Sommer eine Fläche seltener mähen und beobachten, was von selbst kommt, im Herbst Laub liegen lassen und verblühte Stauden für den Winter stehen lassen. Schon nach zwölf Monaten ist der Unterschied sichtbar – mehr Insekten im Garten, und das Ganze pflegeleichter als zuvor. Naturnah gärtnern ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn: für die Artenvielfalt und für dich.
Naturnah gärtnern ist dabei kein teures Hobby: Wildblumen-Saatgut kostet wenig, Totholz, Steine und Laub fallen im Garten ohnehin an, und viele Stauden lassen sich durch Teilen kostenlos vermehren. Der größte Einsatz ist nicht Geld, sondern die Bereitschaft, etwas Wildnis zuzulassen und auf den Drang zum Aufräumen zu verzichten. Wer klein anfängt und jedes Jahr eine Struktur ergänzt – ein Beet, eine Nisthilfe, einen Miniteich –, hat nach wenigen Saisons einen Garten, der summt, brummt und sich fast von selbst trägt. Naturschutz beginnt damit direkt vor der eigenen Haustür, ganz ohne großes Budget.
Ein oft übersehener Punkt ist die Erde: Torf in Blumenerde stammt aus zerstörten Mooren und setzt klimaschädliches CO₂ frei. Wer torffrei gärtnert, schützt diese Lebensräume – wie das gelingt und worauf du beim Kauf achtest, zeigt unser Beitrag zum torffreien Gärtnern. Heimische Pflanzen, Saatgut und Gartenbedarf findest du auf greenya.de, Deutschlands Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997 – allein in der Branche Pflanzen und Blumen sind dort über 170 Anbieter gelistet.
Häufige Fragen zum naturnahen Garten
Antworten auf die häufigsten Fragen rund ums insektenfreundliche Gärtnern.
Was bedeutet naturnah gärtnern genau?
Naturnah gärtnern heißt, den Garten als Lebensraum zu gestalten: heimische Pflanzen, Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Strukturen wie Totholz, Steinhaufen oder Teich. Ziel ist ein ökologisches Gleichgewicht, in dem Nützlinge den Pflanzenschutz übernehmen. Das Ergebnis ist mehr Artenvielfalt – und weniger Pflegeaufwand als beim klassischen Ziergarten.
Welche Pflanzen sind am insektenfreundlichsten?
Heimische, ungefüllte Blüten, die über einen langen Zeitraum Nektar und Pollen liefern – etwa Salbei, Katzenminze, Schafgarbe, Natternkopf und Fetthenne, dazu Frühblüher wie Krokus. Gefüllte Zuchtsorten sehen prächtig aus, sind für Bienen aber oft wertlos. Eine ausführliche Auswahl steht in unserem Beitrag zu bienenfreundlichen Pflanzen.
Muss ich für einen naturnahen Garten viel Platz haben?
Nein. Schon ein Balkon mit heimischen Kübelpflanzen, eine ungemähte Ecke oder ein Miniteich in der Wanne helfen Insekten. Entscheidend ist nicht die Größe, sondern die Vielfalt aus Nahrung, Unterschlupf und Wasser. Auch kleine Flächen wirken als Trittstein zwischen größeren Lebensräumen.
Ist ein naturnaher Garten nicht einfach ungepflegt?
Nein, er ist anders gepflegt. Statt kurz geschorenem Rasen und Laubbläser setzt der naturnahe Garten auf gezielte Wildnis: eine Blühwiese, die nur zweimal im Jahr gemäht wird, einen Laubhaufen, der über den Winter liegen bleibt. Das ist bewusste Gestaltung – und für viele Tiere überlebenswichtig.
Wie schnell stellt sich der Erfolg ein?
Erste Insekten kommen schon in der ersten Saison, sobald Blüten da sind. Das volle ökologische Gleichgewicht mit Nützlingen, Vögeln und Amphibien braucht ein bis zwei Jahre. Wer durchhält, wird mit einem Garten belohnt, der sich weitgehend selbst reguliert – und in dem es sichtbar mehr summt und brummt.
Warum ist torffreie Erde im naturnahen Garten wichtig?
Torf wird in Mooren abgebaut, die als Lebensraum und CO₂-Speicher unersetzlich sind. Für den Klimaschutz ist torffreies Gärtnern deshalb unerlässlich. Torffreie Blumenerden auf Basis von Holzfasern, Kompost und Rindenhumus gibt es inzwischen in jedem Baumarkt – sie sind die naturnahe Wahl von Anfang an.
Welche Fehler sollte ich beim naturnahen Gärtnern vermeiden?
Die häufigsten Fehler: gefüllte Zuchtsorten kaufen (für Insekten wertlos), exotische statt heimische Pflanzen setzen, im Herbst alles radikal abräumen und torfhaltige Erde verwenden. Auch der Schottergarten ist eine Sackgasse. Wer stattdessen heimisch, ungefüllt und strukturreich plant und im Winter etwas Unordnung zulässt, macht das Wichtigste schon richtig.
Fazit: Jeder Garten zählt
76,7 Prozent weniger Fluginsekten in 27 Jahren – diese Zahl lässt keinen Zweifel, wie dringend Insekten Lebensraum brauchen. Privatgärten sind dabei kein Nebenschauplatz, sondern eine riesige Fläche, auf der jeder etwas bewirken kann. Mit heimischen Pflanzen, dem Verzicht auf Chemie und ein paar Strukturen wird aus jedem Garten ein Trittstein für Artenvielfalt. Fang mit einer Ecke an, denk an Nahrung, Unterschlupf und Wasser – und beobachte, wie das Leben zurückkehrt.
Quellen und weiterführende Informationen
Hallmann, C. A. et al. (2017): More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass. PLOS ONE. journals.plos.org
Nabu (2025): Insektensterben und naturnaher Garten. nabu.de
Rote-Liste-Zentrum (2025): Bienen (Hymenoptera: Apidae) – Gefährdung der Wildbienen. rote-liste-zentrum.de
BUND (2025): Wildbienen – Bedrohung und Schutz. bund.net
Umweltbundesamt (2025): Insektenschutz und naturnahe Flächen. umweltbundesamt.de