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Mikrobiom, Darm und Darmflora: Ein Ökosystem für dein Immunsystem – Darmflora aufbauen, denn gemeinsam sind wir stark

Die Gichtflora ist eine komplexe Gemeinschaft von Darmmikrobiota oder Magen-Darm-Mikrobiota. 3D-Illustration null

Dein Darm beherbergt ein faszinierendes Ökosystem aus Billionen von Bakterien – und dieses Mikrobiom beeinflusst deine Gesundheit weit mehr, als du vielleicht denkst. Das menschliche Mikrobiom ist ein komplexes Zusammenspiel der verschiedenen Organismen, das eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit spielt. Von der Verdauung über das Immunsystem bis hin zu chronischen Krankheiten: Die Forschung zum Mikrobiom liefert ständig neue Erkenntnisse darüber, wie Darmbakterien unseren gesamten menschlichen Körper beeinflussen.


Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist das Mikrobiom einfach erklärt?

  2. Das Mikrobiom des Menschen: Billion Mikroorganismen im Überblick

  3. Wie ist das Mikrobiom aufgebaut und zusammengesetzt?

  4. Welche Aufgaben hat das Mikrobiom im Darm?

  5. Wie beeinflusst das Mikrobiom unser Immunsystem?

  6. Wie äußert sich ein gestörtes Mikrobiom?

  7. Welche Rolle spielt das Mikrobiom bei bestimmten Krankheiten?

  8. Gesunde Darmflora durch Ballaststoffe und Ernährung

  9. Wie bekomme ich ein gutes Mikrobiom? Darmflora aufbauen leicht gemacht

  10. Probiotika und Stuhltransplantation: Mikrobielle Therapien

  11. Wie kann man das Mikrobiom untersuchen und analysieren?

  12. FAQ – Häufige Fragen zum Thema Mikrobiom

  13. Fazit


Was ist das Mikrobiom einfach erklärt?

Als Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die in und auf unserem menschlichen Körper leben. Diese mikrobielle Gemeinschaft umfasst Bakterien, Viren, Pilze und andere Keime, die verschiedene Körperregionen besiedeln. Das Thema Mikrobiom hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, weil Wissenschaftler den erheblichen Einfluss dieser winzigen Mitbewohner auf unsere Gesundheit erkannt haben.

Das intestinale Mikrobiom – also das Mikrobiom im Darm – ist dabei besonders wichtig. Hier leben die meisten Mikroorganismen in einer komplexen Gemeinschaft zusammen. Der Begriff stammt aus dem Englischen ("Human Microbiome") und wurde durch große Forschungsprojekte weltweit bekannt. Manchmal wird auch der Begriff Mikrobiota verwendet, der speziell die Gesamtheit der lebenden Organismen meint.


Das Mikrobiom des Menschen: Billion Mikroorganismen im Überblick

Das Darmmikrobiom umfasst das Mikrobiom in seiner ganzen Vielfalt. In deinem Darm leben mehr Bakterien als Zellen in deinem gesamten Körper – wir sprechen von etwa 100 Billion Mikroorganismen. Dieses innere Ökosystem wiegt insgesamt etwa 1,5 bis 2 Kilogramm und spielt eine wichtige Rolle für praktisch alle Körperfunktionen.

Die Vielfalt des Mikrobioms im Darm

Die Bakterien aus dem Darm erfüllen lebenswichtige Aufgaben. Sie helfen bei der Verdauung, produzieren Vitamine wie Vitamin K und schützen vor Krankheitserregern. Das Mikrobiom schützt die Darmschleimhaut und stärkt die Darmbarriere gegen schädliche Eindringlinge. Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist dabei von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Die Funktionen des Mikrobioms verstehen

Die Erforschung des Mikrobioms hat gezeigt, dass diese mikrobielle Gemeinschaft weit mehr leistet als nur bei der Verdauung zu helfen. Die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien beeinflussen den gesamten Organismus – vom Immunsystem bis zur Gehirnfunktion.


Wie ist das Mikrobiom aufgebaut und zusammengesetzt?

Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dein individuelles Mikrobiom ist so einzigartig wie dein Fingerabdruck. Selbst eineiige Zwillinge haben eine unterschiedliche Bakterienflora in ihrem Darm, obwohl sie genetisch identisch sind.

Welche Bakterienarten den Darm besiedeln

Im menschlichen Darm wurden bisher über 1.000 verschiedene Bakterienarten identifiziert. Zu den häufigsten gehören Vertreter der Gattungen Bacteroides und Firmicutes. Auch Escherichia coli – ein Bakterium, das oft in den Schlagzeilen erscheint – ist ein wichtiger Bewohner deiner Darmflora. Die meisten Escherichia-Stämme sind harmlos und erfüllen wichtige Funktionen bei der Verdauung.

Neben Bakterien gehören auch Viren (sogenannte Bakteriophagen) und Pilze zum Darmmikrobiom. Die verschiedenen Bakterienstämme arbeiten in einem fein abgestimmten Gleichgewicht zusammen. Das Zusammenspiel der verschiedenen Organismen bestimmt, ob du gesund bleibst oder krank wirst.

Warum die Zusammensetzung von Mensch zu Mensch variiert

Die Zusammensetzung von Mensch zu Mensch hängt von vielen Faktoren ab. Ernährung und Mikrobiom sind eng miteinander verknüpft – was du isst, bestimmt maßgeblich, welche Bakterien in deinem Darm gedeihen. Aber auch Geburtsmodus, Stillen, Medikamente und Lebensstil haben Einfluss auf unsere Darmflora.

Das Mikrobiom verändert sich im Laufe des Lebens ständig. Bei Säuglingen unterscheidet sich die Bakterienflora deutlich von der eines Erwachsenen. Im Alter nimmt die Vielfalt oft ab. Diese Plastizität zeigt, dass du aktiv Einfluss auf dein Mikrobiom nehmen kannst.


Welche Aufgaben hat das Mikrobiom im Darm?

Das Mikrobiom im Darm ist weit mehr als ein passiver Mitbewohner. Die Billion Mikroorganismen in deinem Verdauungstrakt arbeiten rund um die Uhr für deine Gesundheit. Sie bilden ein hocheffizientes System, das viele lebenswichtige Funktionen übernimmt.

Verdauung und Nährstoff-Verwertung

Die Bakterien im Darm zerlegen Nahrungsbestandteile, die dein Körper alleine nicht verwerten kann. Besonders Ballaststoffe werden durch mikrobielle Fermentation aufgeschlossen. Dabei entstehen wichtige Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren, die deiner Darmschleimhaut als Energiequelle dienen.

Diese kurzkettigen Fettsäuren stärken die Darmbarriere und wirken entzündungshemmend. Die Schleimschicht auf der Darmschleimhaut wird durch bestimmte Bakterien genährt und geschützt. Ohne diese mikrobielle Unterstützung würde dein Nährstoff-Haushalt zusammenbrechen.

Vitamine und andere Stoffwechselprodukte

Die Darmbakterien im Darm produzieren lebenswichtige Vitamine. Vitamin K etwa, das für die Blutgerinnung unverzichtbar ist, wird größtenteils von Bakterien hergestellt. Auch verschiedene B-Vitamine entstehen durch mikrobielle Stoffwechselprozesse.

Die Stoffwechselprodukte der Darmbakterien haben weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Sie beeinflussen den Blutzucker, den Cholesterinspiegel und sogar die Gehirnfunktion. Das Mikrobiom ist damit ein aktiver Mitspieler in deinem Stoffwechsel.


Wie beeinflusst das Mikrobiom unser Immunsystem?

Das Mikrobiom beeinflusst das Immunsystem auf vielfältige Weise. Etwa 70-80 Prozent deiner Immunzellen befinden sich im Darm – und sie stehen in ständigem Kontakt mit den dort lebenden Mikroorganismen. Diese Interaktion spielt eine entscheidende Rolle für deine gesamte Abwehrkraft.

Das Immunsystem trainieren und regulieren

Die ständige Auseinandersetzung mit den Bakterien im Darm trainiert dein Immunsystem. Es lernt, zwischen harmlosen Mitbewohnern und gefährlichen Krankheitserregern zu unterscheiden. Dieser Lernprozess beginnt bereits bei der Geburt und setzt sich das ganze Leben fort.

Ein gestörtes Mikrobiom kann zu Fehlreaktionen des Immunsystems führen. Autoimmunerkrankungen, Allergien und chronische Entzündungen werden zunehmend mit Veränderungen in der Darmflora in Verbindung gebracht. Die Forschung zum Mikrobiom zeigt immer deutlicher diese Zusammenhänge.

Schutz vor Infektion und Krankheitserregern

Das Mikrobiom schützt dich aktiv vor Infektion durch pathogene Keime. Die nützlichen Bakterien konkurrieren mit Krankheitserregern um Nährstoffe und Lebensraum. Zusätzlich produzieren sie antimikrobielle Substanzen, die schädliche Bakterien abtöten.

Die Schleimschicht auf der Darmschleimhaut bildet gemeinsam mit dem Mikrobiom eine effektive Barriere. Wenn diese Barriere intakt ist, haben Krankheitserreger kaum eine Chance, in den Körper einzudringen. Das Mikrobiom ist damit deine erste Verteidigungslinie gegen Infektionen.


Wie äußert sich ein gestörtes Mikrobiom?

Ein gestörtes Mikrobiom – Fachleute sprechen von Dysbiose – kann sich durch vielfältige Symptome bemerkbar machen. Wenn das Gleichgewicht einer gesunden Darmflora kippt, entsteht oft ein Teufelskreis aus Beschwerden und weiterer Störung.

Typische Anzeichen einer Dysbiose

Die häufigsten Symptome eines gestörten Mikrobioms betreffen den Verdauungstrakt: Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung können auftreten. Viele Betroffene berichten auch von Müdigkeit, Hautproblemen oder einer erhöhten Infektanfälligkeit.

Weniger offensichtlich, aber ebenso wichtig: Ein gestörtes Mikrobiom kann sich auch auf die Psyche auswirken. Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme und sogar depressive Verstimmungen werden mit einer Dysbiose in Verbindung gebracht.

Was macht das Mikrobiom kaputt?

Medikamente wie Antibiotikum sind die häufigste Ursache für akute Mikrobiom-Störungen. Ein Antibiotikum unterscheidet nicht zwischen schädlichen und nützlichen Bakterien – es dezimiert beide gleichermaßen. Nach einer Behandlung kann es Monate dauern, bis sich die Darmflora erholt.

Auch chronischer Stress, einseitige Ernährung ohne Ballaststoffe und übermäßiger Alkoholkonsum sind schädlich für das Mikrobiom. Wenn das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät, können sich schädliche Keime ausbreiten und die Beschwerden verstärken. Das Gute ist: Du kannst aktiv gegensteuern.


Welche Rolle spielt das Mikrobiom bei bestimmten Krankheiten?

Die Forschung hat das Mikrobiom zunehmend mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht. Bei vielen Erkrankungen zeigen sich charakteristische Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora.

Darmerkrankungen und chronische Entzündung

Bei Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist das Mikrobiom massiv gestört. Patienten zeigen eine deutlich verringerte Bakterienvielfalt und ein verändertes Verhältnis verschiedener Bakteriengruppen. Die chronische Entzündung wird durch diese Dysbiose weiter befeuert.

Stoffwechselerkrankungen und Übergewicht

Übergewicht und Diabetes werden ebenfalls mit Veränderungen im Darmmikrobiom assoziiert. Studien zeigen, dass übergewichtige Menschen oft eine andere Bakterienzusammensetzung haben als normalgewichtige. Bestimmte Bakterienstämme scheinen die Energiegewinnung aus der Nahrung zu beeinflussen.

Psychische Erkrankungen und die Darm-Hirn-Achse

Die Verbindung zwischen Darm und Gehirn – die sogenannte Darm-Hirn-Achse – rückt zunehmend in den Fokus. Depressionen, Angststörungen und sogar neurologische Erkrankungen werden mit dem Mikrobiom in Verbindung gebracht. Die Bakterien im Darm produzieren Neurotransmitter und beeinflussen so direkt die Gehirnfunktion.


Gesunde Darmflora durch Ballaststoffe und Ernährung

Eine gesunde Darmflora braucht die richtige Nahrung. Ballaststoffe sind dabei der wichtigste Faktor – sie sind das Futter für deine nützlichen Darmbakterien und unverzichtbar für ein funktionierendes Mikrobiom.

Ballaststoffreiche Ernährung als Fundament

Eine ballaststoffreiche Ernährung bildet das Fundament für ein gesundes Mikrobiom. Ballaststoffe können vom menschlichen Körper nicht verdaut werden, dienen aber den Bakterien im Darm als Nahrungsquelle. Durch die Fermentation von Ballaststoffen entstehen die wertvollen kurzkettigen Fettsäuren.

Ziel sollten mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich sein. Gute Quellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Nüsse. Besonders präbiotische Ballaststoffe wie Inulin fördern gezielt bestimmte nützliche Bakterienstämme.

Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt und Kefir

Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi liefern lebende Bakterien direkt in deinen Darm. Diese natürlichen Probiotika unterstützen die Darmflora und können das Gleichgewicht positiv beeinflussen.

Bei einer ausgewogenen Ernährung mit vielen verschiedenen Pflanzenarten entwickelt sich ein vielfältiges Mikrobiom. Studien zeigen, dass Menschen, die wöchentlich mehr als 30 verschiedene Pflanzenarten essen, deutlich diversere Darmbakterien haben.


Wie bekomme ich ein gutes Mikrobiom? Darmflora aufbauen leicht gemacht

Du kannst aktiv deine Darmflora aufbauen und das Mikrobiom stärken. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich auch nach Störungen das Gleichgewicht wiederherstellen. Hier erfährst du, wie du zu einem gesunden Mikrobiom kommst.

Darmflora stärken durch Ernährungsumstellung

Der wichtigste Schritt: Stelle deine Ernährung um. Mehr Ballaststoffen, mehr Vielfalt, mehr fermentierte Lebensmittel – das ist das Rezept für ein gesundes Mikrobiom. Schon nach wenigen Wochen zeigen sich positive Veränderungen in der Zusammensetzung.

Meide hochverarbeitete Lebensmittel mit vielen Zusatzstoffen. Diese können die Darmschleimhaut schädigen und fördern oft das Wachstum von weniger erwünschten Keimen. Auch übermäßiger Zucker ist schädlich für deine Bakterienflora.

Das Mikrobiom stärken im Alltag

Um das Mikrobiom stärken zu können, brauchst du keine teuren Präparate. Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und Stressreduktion unterstützen deine Darmflora ebenfalls. Der Wirt – also du – muss gesund leben, damit auch die Mitbewohner gedeihen.

Vermeide den unnötigen Einsatz von Antibiotikum. Bei viralen Erkrankungen wie einer Erkältung sind Antibiotika wirkungslos und schaden nur deinem Mikrobiom. Sprich mit deinem Arzt über Alternativen, wenn möglich.


Probiotika und Stuhltransplantation: Mikrobielle Therapien

Die Forschung zum Mikrobiom hat zu aufregenden neuen Therapieansätzen geführt. Probiotika und Stuhltransplantation nutzen gezielt mikrobielle Interventionen, um Erkrankungen zu behandeln.

Probiotika gezielt einsetzen

Probiotika sind Zubereitungen mit lebenden Mikroorganismen, die einen gesundheitlichen Nutzen bringen sollen. Sie können helfen, die Darmflora aufbauen nach einer Antibiotika-Behandlung oder bei bestimmten Erkrankungen die Symptome lindern.

Allerdings ist nicht jedes Probiotikum gleich wirksam. Die enthaltenen Bakterienstämme müssen in ausreichender Menge im Darm ankommen, damit sie wirken können. Was bei einem gesunden Menschen funktioniert, zeigt bei einem kranken nicht immer die gleiche Wirkung.

Es gibt Probiotika auch in Kapseln, die magensaftresistent sind. Diese Kapseln schützen die Bakterien vor der Magensäure und sorgen dafür, dass sie lebend im Darm ankommen. Die Qualität der Produkte variiert jedoch stark.

Stuhltransplantation bei schweren Erkrankungen

Die Stuhltransplantation ist ein faszinierender Therapieansatz. Dabei wird Stuhl von gesunden Menschen auf Darmerkrankte übertragen. Das Verfahren klingt zunächst befremdlich, ist aber bei bestimmten Erkrankungen hoch wirksam.

Bei wiederkehrenden Infektionen mit Clostridioides difficile liegt die Heilungsrate durch Stuhltransplantation bei über 90 Prozent. Der Stuhl von gesunden Menschen enthält eine intakte Bakteriengemeinschaft, die den krankmachenden Erreger verdrängt. Die Übertragung von gesunden Menschen auf Darmerkrankte hat die Therapie dieser schweren Infektion revolutioniert.


Wie kann man das Mikrobiom untersuchen und analysieren?

Die Analyse des Mikrobioms hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Moderne Methoden ermöglichen es, die Zusammensetzung der Darmflora detailliert zu untersuchen und individuelle Profile zu erstellen.

Stuhlproben und DNA-Sequenzierung

Die gängigste Methode zur Untersuchung des Darmmikrobioms ist die Analyse von Stuhlproben. Dabei wird die DNA der enthaltenen Bakterien extrahiert und sequenziert. Durch den Abgleich mit Datenbanken lassen sich die verschiedenen Bakterienarten identifizieren und quantifizieren.

Diese Technologie – auch Metagenomik genannt – hat unser Verständnis des Mikrobioms revolutioniert. Früher konnten nur Bakterien untersucht werden, die sich im Labor züchten ließen. Heute können wir auch die vielen nicht-kultivierbaren Arten erfassen.

Kommerzielle Mikrobiom-Tests

Mittlerweile gibt es kommerzielle Mikrobiom-Tests für zuhause. Du schickst eine Stuhlprobe ein und erhältst eine Analyse deiner Bakterien-Zusammensetzung. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Tests begrenzt, da die Wissenschaft noch nicht eindeutig definiert hat, was genau ein "gesundes" Mikrobiom ausmacht.

Für die medizinische Diagnose sind diese Tests derzeit nicht geeignet. Sie können aber interessante Einblicke liefern und motivieren, sich mehr mit der eigenen Darmgesundheit zu beschäftigen. Die Forschung arbeitet daran, die Interpretation der Ergebnisse zu verbessern.


FAQ – Häufige Fragen zum Thema Mikrobiom

Wie beeinflussen Medikamente, insbesondere Antibiotika, das Mikrobiom?

Antibiotika haben einen massiven Einfluss auf das Mikrobiom, da sie nicht zwischen nützlichen und schädlichen Bakterien unterscheiden können. Eine Antibiotika-Therapie kann die Bakterienvielfalt im Darm um bis zu 30 Prozent reduzieren. Manche Bakterienstämme erholen sich schnell, andere brauchen Monate oder kehren gar nicht zurück. Auch andere Medikamente wie Protonenpumpenhemmer, Metformin oder bestimmte Schmerzmittel können das Mikrobiom verändern. Nach einer Antibiotika-Behandlung kannst du die Erholung unterstützen, indem du viele Ballaststoffe isst, fermentierte Lebensmittel zu dir nimmst und gegebenenfalls hochwertige Probiotika verwendest. Die Einnahme von Probiotika sollte zeitversetzt zur Antibiotika-Gabe erfolgen.

Welche Lebensmittel sind gut für das Mikrobiom?

Für ein gesundes Mikrobiom sind ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel am wichtigsten. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen, verschiedene Gemüsesorten, Obst, Nüsse und Samen sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt mit lebenden Kulturen, Kefir, Sauerkraut, Kimchi und Kombucha liefern zusätzlich nützliche Bakterien. Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und Bananen enthalten präbiotische Ballaststoffe, die gezielt bestimmte Bakterienstämme fördern. Je vielfältiger deine Ernährung, desto vielfältiger wird auch dein Mikrobiom – Studien empfehlen mindestens 30 verschiedene Pflanzenarten pro Woche.

Können Probiotika wirklich helfen, das Mikrobiom zu stärken?

Probiotika können unter bestimmten Bedingungen helfen, das Mikrobiom zu stärken. Gut belegt ist ihre Wirksamkeit bei der Vorbeugung von Antibiotika-assoziiertem Durchfall und beim Reizdarmsyndrom. Die enthaltenen Bakterienstämme müssen in ausreichender Menge im Darm ankommen – nicht alle Produkte erfüllen diese Anforderung. Die Wahl des richtigen Bakterienstamms für die jeweilige Anwendung ist entscheidend. Bei schweren Erkrankungen solltest du immer mit einem Arzt sprechen. Probiotika sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen aber keine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil.

Warum ist das Mikrobiom von Mensch zu Mensch unterschiedlich?

Die Zusammensetzung von Mensch zu Mensch ist unterschiedlich, weil viele Faktoren das Mikrobiom prägen. Es beginnt bei der Geburt: Kaiserschnitt- und natürlich geborene Kinder haben unterschiedliche Erstbesiedlung. Stillen, Ernährung im Säuglingsalter, Antibiotika-Einnahmen, Wohnort, Haustiere und Ernährungsgewohnheiten formen das Mikrobiom weiter. Selbst eineiige Zwillinge entwickeln unterschiedliche Bakteriengemeinschaften. Das Mikrobiom verändert sich im Laufe des Lebens ständig und spiegelt deine persönliche Lebensgeschichte wider. Diese Individualität erklärt auch, warum Menschen unterschiedlich auf gleiche Nahrungsmittel reagieren.

Was passiert bei einer Stuhltransplantation?

Bei einer Stuhltransplantation wird aufbereiteter Stuhl von einem gesunden Spender in den Darm des Empfängers eingebracht. Die Übertragung kann über verschiedene Wege erfolgen: per Einlauf, über eine Magen- oder Darmsonde, während einer Darmspiegelung oder mittels Kapseln zum Schlucken. Der Stuhl wird vorher gründlich auf Krankheitserreger untersucht und in der Regel verdünnt und gefiltert. Ziel ist es, eine intakte Bakteriengemeinschaft zu übertragen, die im gestörten Darm des Empfängers ein neues Gleichgewicht herstellen kann. Bei wiederkehrenden Clostridioides difficile-Infektionen ist die Methode hoch wirksam mit Heilungsraten über 90 Prozent.


Fazit

Das Mikrobiom des Menschen ist ein faszinierendes Ökosystem, das eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit spielt. Die Billion Mikroorganismen in deinem Darm sind keine Fremdkörper, sondern unverzichtbare Partner – gemeinsam sind wir stark.

Die Forschung zum Mikrobiom entwickelt sich rasant weiter. Das menschliche Mikrobiom wird zunehmend als eigenständiges Organ betrachtet, das mit allen anderen Körpersystemen vernetzt ist. Was wir heute wissen, ist vermutlich nur ein Bruchteil dessen, was noch entdeckt werden wird.

Mit einer ausgewogenen Ernährung reich an Ballaststoffen, fermentierten Lebensmitteln und pflanzlicher Vielfalt kannst du deine Darmflora mit mikrobiellen Substanzen aufbauen und stärken. Vermeide unnötige Antibiotika und achte auf einen gesunden Lebensstil. Dein Mikrobiom wird es dir danken – mit besserer Verdauung, stärkerem Immunsystem und mehr Wohlbefinden.

Die Zukunft der Medizin wird zunehmend personalisiert sein, und das intestinale Mikrobiom wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Ob durch maßgeschneiderte Probiotika, innovative Stuhltransplantation oder noch zu entdeckende Therapien: Das Wissen um die enthaltenen Bakterienstämme in ausreichender Menge in unserem Darm eröffnet völlig neue Möglichkeiten.

Fang heute damit an, auf dein intestinales Mikrobiom zu achten. Die Bakterien im Darm arbeiten rund um die Uhr für dich – gib ihnen das zurück, was sie brauchen.

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