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PFAS-Verbot 2026: Was ab 10. Oktober aus Jacken, Kosmetik und Pizzakartons verschwindet

Zwei lachende Frauen in Regenjacken im herbstlichen Wald © A. C. / Unsplash+
© A. C. / Unsplash+
Aktualisiert: Von greenya Redaktion

Das PFAS-Verbot 2026 gilt ab dem 10. Oktober: Regenjacken, Schuhe, Imprägniersprays, Kosmetik und Pizzakartons dürfen dann höchstens 25 ppb PFHxA enthalten. Verboten ist damit eine einzelne Ewigkeitschemikalie, nicht die ganze Stoffgruppe. Ware aus dem Lager darf noch abverkauft werden. Wer PFAS insgesamt meiden will, prüft Siegel und Etikett.

PFAS-Verbot ab 10. Oktober 2026: Fristen, Grenzwerte, Produkte

  • Die Verordnung (EU) 2024/2462 begrenzt ab dem 10. Oktober 2026 den Gehalt an PFHxA und ihren Salzen in Verbraucherprodukten auf 25 ppb, für PFHxA-verwandte Stoffe gilt ein Summengrenzwert von 1.000 ppb.
  • Betroffen sind ab diesem Stichtag Kleidung, Zubehör und Schuhe für Verbraucher, Papier und Karton mit Lebensmittelkontakt, Gemische wie Imprägniersprays sowie Kosmetik.
  • Übrige Textilien, Leder und Pelze, zum Beispiel Heimtextilien, müssen dieselben Grenzwerte erst ab dem 10. Oktober 2027 einhalten.
  • Produkte, die vor dem Stichtag in Verkehr gebracht wurden, dürfen weiterhin verkauft werden, sodass Altware noch Monate in Regalen liegen kann.
  • Seit dem 12. August 2026 verbietet die EU-Verpackungsverordnung PPWR zusätzlich Lebensmittelverpackungen, die 25 ppb eines einzelnen PFAS, 250 ppb PFAS in Summe oder 50 ppm PFAS einschließlich Polymeren erreichen oder überschreiten.
  • Ein Beschränkungsvorschlag für rund 10.000 PFAS liegt seit 2023 bei der Europäischen Chemikalienagentur ECHA, eine finale Stellungnahme des SEAC-Ausschusses wird bis Ende 2026 erwartet.

PFHxA und Ewigkeitschemikalien: Welche Chemikalie ab Oktober verboten ist

PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, auch Per- und Polyfluoralkylsubstanzen oder polyfluorierte Alkylverbindungen genannt. Sie zählen zu den organischen Verbindungen und bestehen aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, deren Wasserstoffatome ganz oder teilweise durch Fluoratome ersetzt sind. Das Fluor ist dabei organisch gebunden, also fest an Kohlenstoff gekoppelt. Chemisch sind sie extrem stabil: Sie weisen Wasser, Fett und Schmutz ab und werden in der Umwelt praktisch nicht abgebaut. Wegen dieser Eigenschaften werden sie als Ewigkeitschemikalien bezeichnet. Das Verbot vom 10. Oktober trifft aus der Stoffgruppe der PFAS nur eine einzige Chemikalie: die Perfluorhexansäure, kurz PFHxA.

Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EU) 2024/2462. Die EU-Kommission hat sie am 19. September 2024 beschlossen. Sie ergänzt Anhang XVII der REACH-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) um den Eintrag 79 und ist seit Oktober 2024 in Kraft, mit Übergangsfristen zwischen 18 Monaten und fünf Jahren. Laut EU-Kommission steckt der Stoff typischerweise in Regenjacken, Pizzakartons, Imprägniersprays und Hautpflegemitteln. 25 ppb entsprechen 25 Mikrogramm pro Kilogramm Material. Bei so geringen Konzentrationen ist eine absichtliche Ausrüstung praktisch ausgeschlossen.

Warum gerade PFHxA? Die Industrie hat den Stoff jahrelang als Ersatz für PFOA (Perfluoroctansäure) eingesetzt, die seit 2020 in der Europäischen Union verboten ist. Die chemische Verbindung aus der Gruppe der Carbonsäuren hat eine kürzere Kette mit sechs Kohlenstoffatomen, in der Branche heißt das „C6-Chemie“. Das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt das Problem solcher Ersatzstoffe: Ihre Persistenz bleibt, zugleich sind sie im Wasser mobiler und gelangen schneller ins Grundwasser, aus dem sie sich nur aufwendig entfernen lassen.

Im Körper verhält sich die Substanz anders als die alten, langkettigen PFAS. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) liegt die Halbwertszeit im Blut bei Tagen, bei PFOA und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) dagegen bei Jahren. Sie reichert sich also weniger im Menschen an. Ein Schadstoff wie PFAS im Boden oder in Gewässern bleibt dort trotzdem über Generationen.

Einige PFAS stehen laut Verbraucherzentrale im Verdacht, Leber, Hormon- und Immunsystem zu schädigen, die Fruchtbarkeit zu mindern und Krebs zu fördern. Das Umweltbundesamt nennt die besorgniserregenden PFAS, die als besonders besorgniserregende Stoffe auf der Kandidatenliste der ECHA stehen, darunter PFOA, PFBS (Perfluorbutansulfonsäure) und den PFOA-Ersatz GenX. Kurzkettig heißt also nicht harmlos.

Ausnahmen je Anwendung und Abverkauf nach dem Stichtag

Nicht jedes betroffene Produkt verschwindet am Stichtag aus dem Handel. Ausgenommen sind persönliche Schutzausrüstung der Kategorie III wie Feuerwehrkleidung, Medizinprodukte, In-vitro-Diagnostika und Bautextilien. Für diese Anwendungen fehlen bisher gleichwertige Alternativen, die Verwendung bleibt erlaubt.

Wichtiger für deinen Einkauf ist die Abverkaufsregel. Das Verbot betrifft nur Erzeugnisse und Gemische, die ab dem Stichtag erstmals in Verkehr gebracht werden. Eine Regenjacke, die im September an den Handel ging, darf also im Frühjahr 2027 legal im Outlet hängen. Wann ein Erzeugnis in Verkehr kam, erkennst du von außen nicht. Gerade bei reduzierter Vorjahresware lohnt deshalb ein Blick in die Produktbeschreibung.

Welche Produkte ab wann PFHxA-frei sein müssen

Fünf Produktgruppen für Verbraucher sind ab dem 10. Oktober 2026 betroffen, weitere Textilien folgen am 10. Oktober 2027 und Löschschaum für die Zivilluftfahrt am 10. Oktober 2029. Die Übersichtstabelle ordnet jede Anwendung ihrer Frist zu. Die Fristen stammen aus dem Verordnungstext und der EU-Verpackungsverordnung, die Spalte zum Kauf-Check ist unsere redaktionelle Einordnung für alle, die über das gesetzliche Minimum hinaus entscheiden wollen.

Produktgruppe Ab wann verboten Was du beim Kauf prüfst
Regenjacken, Outdoorhosen und Kleidung für Verbraucher ab 10.10.2026 Bei Regenjacken zählt die Angabe „ohne PFAS“ plus Siegel wie GOTS oder Blauer Engel; eine ePTFE-Membran ist ein Fluorpolymer.
Schuhe für Verbraucher ab 10.10.2026 Bei wasserdichten Schuhen verrät die Membranangabe, ob ein Fluorpolymer verbaut ist.
Imprägniersprays und andere Gemische für Verbraucher ab 10.10.2026 Imprägniersprays auf Wachs-, Paraffin- oder Silikonbasis kommen ohne Fluorchemie aus.
Kosmetik und Hautpflege ab 10.10.2026 In der INCI-Liste deuten „PTFE“ und Namen mit „fluoro“ auf PFAS hin, auch wenn der Stoff nicht unter das neue Verbot fällt.
Pizzakartons, Backpapier, Papier und Karton mit Lebensmittelkontakt ab 10.10.2026, Verpackungen zusätzlich über PPWR seit 12.08.2026 Bei Pizzakarton und Backpapier deutet abperlendes Speiseöl auf eine Fluor-Beschichtung hin.
Heimtextilien und übrige Textilien, Leder, Pelze ab 10.10.2027 Bei Polsterstoffen und Vorhängen deutet „fleckgeschützt“ ohne PFAS-Angabe auf eine mögliche Fluor-Ausrüstung hin.
Feuerlöschschäume seit 10.04.2026 für Übungen und öffentliche Feuerwehren, ab 10.10.2029 für Zivilluftfahrt Für Feuerlöscher regelt die Verordnung (EU) 2025/1988 schrittweise alle PFAS; frag beim Neukauf nach fluorfreiem Schaum.

Ein Muster fällt in der Tabelle auf: Überall dort, wo eine Anwendung Wasser oder Fett abweisen soll, liegt die Verwendung von PFAS nahe. Diese Faustregel hilft auch bei Produkten, die in keiner Verordnung auftauchen.

Was ändert sich bei PFAS in Kleidung und Outdoorjacken?

Für PFAS in Kleidung bringt der 10. Oktober das Ende der C6-Imprägnierung auf neuer Ware: Wasser- und schmutzabweisende Ausrüstungen auf Basis von PFHxA-verwandten Fluortelomeren sind in Verbraucherkleidung dann unzulässig. Membranen aus Fluorpolymeren wie ePTFE regelt die Verordnung dagegen nicht. Eine gesetzeskonforme Jacke kann also weiterhin PFAS enthalten.

Chemisch betrachtet sitzt die Fluorchemie einer Jacke an zwei Stellen. Die Außenimprägnierung (DWR, „durable water repellent“) lässt Regen abperlen und war lange eine Domäne der C6-Chemie. Die Membran im Inneren hält Wasser draußen und lässt Dampf durch; klassische Membranen bestehen aus expandiertem PTFE. Dieser Kunststoff ist stabil, bei Herstellung und Entsorgung können aber PFAS in die Umwelt gelangen.

Eine Outdoorjacke ohne PFAS kombiniert deshalb eine fluorfreie Imprägnierung mit einer Membran aus Polyurethan oder Polyester oder verzichtet ganz auf eine Membran. Alternativen zu PFAS gibt es seit Jahren: Vaude etwa rüstet nach eigenen Angaben seit der Kollektion Frühjahr/Sommer 2018 alle textilen Materialien seiner Bekleidung ohne Fluorcarbone aus. Das Gesetz holt also nach, was einzelne Hersteller längst umsetzen.

Auf greenya.de, der Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997, beobachten wir den Outdoor-Markt seit vielen Jahren. Auffällig: Früher warben Hersteller mit „PFOA-frei“, dann mit „PFC-frei“. Belastbar über die ganze Jacke ist heute nur noch die Angabe „ohne PFAS“ zusammen mit einem unabhängigen Siegel. Welche Kriterien die einzelnen Zeichen verlangen, erklärt unser Überblick zu Textilsiegeln von GOTS bis Grüner Knopf.

Siegel für Textilien: Wer auch das Fluorpolymer PTFE ausschließt

Mehrere Textilsiegel schließen Fluorchemie umfassender aus als das Gesetz und sind deshalb der verlässlichste Weg zu PFAS-freier Kleidung. Entscheidend ist, wie weit das jeweilige Siegel geht: Nur wenige verbieten ausdrücklich auch Fluorpolymere wie PTFE.

Der Global Organic Textile Standard verbietet in Version 7.0 alle PFAS-Verbindungen und nennt PTFE ausdrücklich. Mehr dazu erfährst du im Beitrag zur GOTS-Zertifizierung und ihren Kriterien. Der Blaue Engel für Textilien (DE-UZ 154) verbietet per- und polyfluorierte Chemikalien in der Ausrüstung und schließt Materialien aus PTFE vom Zeichen aus. bluesign hat PFAS nach eigenen Angaben bis 2026 schrittweise aus zertifizierten Materialien entfernt, in den Übergangsstufen mit Ausnahmen für unverzichtbare Anwendungen.

OEKO-TEX verbietet den absichtlichen Einsatz von PFAS, bescheinigt laut Prüfinstitut Hohenstein aber kein „PFAS-frei“. Ein gutes Signal also, keine Garantie für die ganze Stoffgruppe. Am meisten Sicherheit gibt dir ein Siegel plus eine ausdrückliche Herstellerangabe zu Imprägnierung und Membran.

PFAS in Kosmetik und im Pizzakarton: So prüfst du Etikett und Verpackung

PFAS in Kosmetik sind selten, aber möglich: Laut Verbraucherzentrale weisen die INCI-Angaben „PTFE“ oder organische Inhaltsstoffe mit „fluoro“ im Namen darauf hin. Bei Lebensmittelpapier greifen seit dem 12. August die Grenzwerte der EU-Verpackungsverordnung, am 10. Oktober kommt die neue Regel hinzu.

Für Kosmetika hat der europäische Verband Cosmetics Europe seinen Mitgliedern laut Verbraucherzentrale einen freiwilligen Ausstieg bis Ende 2025 empfohlen. Eine Empfehlung ist aber keine Pflicht. Verbindlich ausgeschlossen ist ab dem 10. Oktober nur dieser eine Stoff.

Ob PFAS enthalten sind, verrät die INCI-Liste

Die INCI-Liste auf der Verpackung ist dein wichtigstes Werkzeug. Achte auf „PTFE“ (Polytetrafluorethylen) und auf Namen mit „Perfluoro“, „Polyfluoro“ oder „Fluoro“, etwa „Perfluorodecalin“. Die neue Regel erfasst nur einen Teil dieser Stoffe, PTFE zum Beispiel nicht. Auch das Wort Naturkosmetik ersetzt den Blick nicht, denn der Begriff ist nicht geschützt. Worauf du bei NATRUE oder COSMOS achtest, zeigt der Ratgeber zu echter und bloß beworbener Naturkosmetik.

Wo PFAS verwendet wurden: Pizzakarton und Backpapier

Für Pizzakartons, Burger-Papier und Pommes-Schalen wurden PFAS verwendet, weil Fett nicht durchweichen soll. Wer PFAS im Pizzakarton vermeiden will, hat es seit dem 12. August leichter, denn seitdem gilt die EU-Verpackungsverordnung PPWR: höchstens 25 ppb je Einzelstoff, 250 ppb für die Summe und 50 ppm Gesamtgehalt einschließlich Polymeren. Damit ist eine gezielte Fluor-Beschichtung von Lebensmittelverpackungen praktisch ausgeschlossen. Welche weiteren Pflichten die EU-Verpackungsverordnung PPWR mitbringt, erklären wir in einem eigenen Ratgeber.

Die neue Regel geht bei Lebensmittelkontaktmaterialien aus Papier über Verpackungen hinaus und erfasst auch Backpapier oder Muffinförmchen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt den Öltropfen-Test: Perlt Speiseöl ab, statt einzuziehen, ist eine Fluor-Beschichtung wahrscheinlich. Ein Labortest ist das nicht. Alternativen zum Einwegpapier findest du im Ratgeber Backpapier-Ersatz: die besten Alternativen.

Für die Küche heißt das: Verpackungen sind jetzt doppelt reguliert, Pfannen dagegen gar nicht. Beschichtete Pfannen gehören nicht zu den erfassten Produktgruppen. Wie du eine Pfanne ohne PFAS findest, zeigt ein eigener Vergleich.

Ist „PFAS-frei“ ab Oktober noch ein Kaufargument?

Ja, „PFAS-frei“ bleibt ein sinnvolles Kaufkriterium, „PFHxA-frei“ dagegen nicht mehr. Ab dem 10. Oktober muss jede neu in Verkehr gebrachte Jacke die Grenzwerte einhalten. Ab dem 27. September 2026 ist es zudem unlauter, gesetzliche Pflichten in der Werbung als besondere Eigenschaft eines Produkts herauszustellen.

Die Regel steht im Anhang des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) unter Nummer 10a. Sie setzt die EU-Richtlinie 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel um, kurz EmpCo. Wirbt ein Händler ab dem Stichtag mit „jetzt PFHxA-frei“, als wäre das ein Extra, ist das irreführend: Es beschreibt nur den gesetzlichen Mindeststandard, den jede Konkurrenzjacke ebenfalls erfüllen muss. Was die Richtlinie sonst verändert, erklärt der Beitrag EmpCo-Richtlinie einfach erklärt.

Nicht alle PFAS verboten: Warum viele PFAS erlaubt bleiben

Das verbreitetste Missverständnis lautet: „Ab Oktober sind PFAS verboten, also ist alles PFAS-frei.“ Das stimmt nicht. Verboten ist ab dem Stichtag PFHxA mit ihren Salzen und verwandten Stoffen, nicht die ganze Stoffgruppe mit rund 10.000 Einzelstoffen. Viele PFAS bleiben erlaubt: Fluorpolymere wie PTFE, andere kurzkettige Fluorchemikalien und alles in Produkten außerhalb der fünf Gruppen. Der Großteil der PFAS ist also weiterhin zulässig, und eine Angabe wie „ohne PFAS“ beschreibt einen echten Unterschied.

Seriös wird „PFAS-frei“, wenn der Hersteller sagt, worauf sich die Aussage bezieht (Imprägnierung, Membran, ganzes Produkt) und ein unabhängiges Siegel sie stützt. Ab Oktober zählt also nicht mehr, was ein Produkt nicht enthalten darf, sondern was es freiwillig weglässt.

Zeitstrahl: Regulierung von PFAS von 2020 bis 2029

Die Regulierung von PFAS läuft in Etappen: Seit 2020 sind die langkettigen Klassiker PFOA und PFOS weitgehend verboten, 2026 folgen Perfluorhexansäure in Verbraucherprodukten und strengere Trinkwasser-Grenzwerte, bis 2029 laufen Übergangsfristen für Löschschaum aus. PFOS steht bereits seit 2010 auf der Verbotsliste des Stockholmer Übereinkommens.

Die Liste der regulierten PFAS wächst stetig, das Umweltbundesamt dokumentiert die bisherigen Verbote. Der Zeitstrahl zeigt alle Etappen, die du im Alltag spürst:

Datum Regel
04.07.2020 PFOA-Verbot über die EU-Verordnung für persistente organische Schadstoffe (POP)
13.01.2023 Fünf Staaten reichen bei der ECHA den Vorschlag für eine universelle PFAS-Beschränkung ein
25.02.2023 Beschränkung über die REACH-Verordnung für langkettige C9- bis C14-PFCA
10.10.2024 Verordnung (EU) 2024/2462 zu PFHxA tritt in Kraft
23.10.2025 Verordnung (EU) 2025/1988 zu PFAS in Feuerlöschschaum tritt in Kraft
01.01.2026 Frankreich verbietet PFAS in Kosmetik, Skiwachs, Kleidung, Schuhen und Imprägniermitteln
12.01.2026 Trinkwasser-Grenzwert 0,1 µg/l für die Summe von 20 PFAS
10.04.2026 PFHxA-Verbot für Löschschaum bei Übungen und öffentlichen Feuerwehren
01.07.2026 Dänemark verbietet PFAS in Kleidung, Schuhen und Imprägniermitteln ab 50 mg Fluor pro Kilogramm, Abverkauf bis Januar 2027
12.08.2026 PPWR-Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen
27.09.2026 UWG-Anhang Nr. 10a: gesetzliche Pflichten wie „PFHxA-frei“ dürfen nicht als Besonderheit beworben werden
10.10.2026 PFHxA-Grenzwerte für Kleidung, Schuhe, Gemische, Kosmetik und Lebensmittelpapier
10.10.2027 Grenzwerte für übrige Textilien, Leder und Pelze
12.01.2028 Trinkwasser-Grenzwert 0,02 µg/l für die Summe von vier PFAS
10.10.2029 Letzte Frist der PFHxA-Verordnung: Löschschaum in der Zivilluftfahrt

PFAS in Lebensmitteln und PFAS im Trinkwasser: Wie stark die Bevölkerung belastet ist

Seit dem 12. Januar 2026 darf Trinkwasser in Deutschland höchstens 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von 20 PFAS enthalten; die Summe umfasst neben PFOA und PFOS verschiedene weitere PFAS. Ab dem 12. Januar 2028 kommt ein Grenzwert von 0,02 Mikrogramm pro Liter für die Summe der vier besonders kritischen Stoffe PFOA, PFNA (Perfluornonansäure), PFHxS und PFOS hinzu. Die beiden Stufen der Trinkwasserverordnung bestätigt die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS).

PFAS im Trinkwasser sind vor allem ein regionales Problem. Recherchen des Forever Pollution Project zählten in Deutschland über 1.500 Orte, an denen PFAS nachgewiesen wurden, und mehr als 300 Hotspots (Stand Februar 2023). Die Belastung der Bevölkerung mit PFAS stammt laut BfR vor allem aus PFAS in Trinkwasser und PFAS in Lebensmitteln wie Fisch, Eiern und Fleisch. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2020 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht für die Summe von PFOA, PFNA, PFHxS und PFOS festgelegt. Ob dein Leitungswasser mit PFAS belastet ist, erfährst du bei deinem Wasserversorger.

Universelle Beschränkung von PFAS: der aktuelle Stand

Das große Verfahren für ein weitgehendes Verbot von PFAS läuft seit Januar 2023. Damals wurde der Beschränkungsvorschlag eingereicht, die Europäische Chemikalienagentur ECHA veröffentlichte ihn im Februar 2023. Er zielt auf eine Beschränkung von PFAS bei Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung, von Textilien über Kältemittel bis zu Medizinprodukten. Behörden aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Schweden schätzen, dass ohne Maßnahmen in 30 Jahren rund 4,4 Millionen Tonnen PFAS in die Umwelt gelangen würden. Der Ausschuss für Risikobewertung (RAC) ist fertig, die öffentliche Konsultation zum Entwurf des Ausschusses für sozioökonomische Analyse (SEAC) lief bis zum 25. Mai 2026.

Die finale SEAC-Stellungnahme wird laut IHK Karlsruhe bis Ende 2026 erwartet. Danach entscheidet die Europäische Kommission über einen Rechtsvorschlag. Ob am Ende ein vollständiges, pauschales Verbot oder eine Regel mit vielen Ausnahmen steht, ist offen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt vor gravierenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Europa, etwa für Halbleiter und Brennstoffzellen, und fordert, Fluorpolymere auszunehmen. Bis dahin bleiben Siegel und Herstellerangaben dein wichtigstes Werkzeug.

Häufige Fragen zum PFAS-Verbot 2026

Diese Fragen tauchen rund um den Stichtag am häufigsten auf. Die Antworten ergänzen die Übersicht zu Produkten und Fristen.

Muss ich meine alte Regenjacke jetzt entsorgen?

Nein, das PFAS-Verbot 2026 betrifft nur das Inverkehrbringen neuer Ware, nicht die Nutzung. Die EU-Verordnung regelt, was Hersteller und Händler ab dem Stichtag verkaufen dürfen. Deine Jacke darfst du weiter tragen, und wer sie lange nutzt, spart Ressourcen für eine neue. Zum Nachimprägnieren greifst du zu einem fluorfreien Imprägnierspray.

Ist PFAS in Kleidung ein Schadstoff für die Haut?

Beim bloßen Tragen kaum: Für die menschliche Gesundheit gilt das Risiko über die Haut als gering. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält eine Aufnahme über die Haut durch PFAS-behandelte Kleidung nach derzeitigem Wissensstand für unwahrscheinlich. Hauptquellen sind laut BfR Nahrung und Leitungswasser. Die Risiken der Kleidung liegen im Umweltpfad: Beim Waschen, bei der Herstellung und bei der Entsorgung gelangen PFAS in Gewässer und Böden, wo sie sich praktisch nicht abbauen.

Wie imprägniere ich eine Outdoorjacke ohne PFAS?

Fluorfreie Imprägniersprays auf Wachs-, Paraffin- oder Silikonbasis ersetzen die frühere C6-Chemie. Sie weisen Wasser gut ab, Öl und Fett dagegen schwächer. Wasch die Jacke vorher mit einem passenden Waschmittel, denn Schmutz und Rückstände stören den Abperleffekt. Ob Wärme im Trockner die Imprägnierung reaktivieren darf, steht auf dem Pflegeetikett.

Welche Länder gehen beim PFAS-Verbot weiter?

Frankreich und Dänemark verbieten PFAS in Kleidung schon heute weitgehend. Laut französischem Wirtschaftsministerium gilt das Gesetz Nr. 2025-188 seit dem 1. Januar 2026 für Kosmetik, Skiwachs, Kleidung, Schuhe und Imprägniermittel, ab 2030 für alle Textilien. Dänemark verbietet seit dem 1. Juli Kleidung, Schuhe und Imprägniermittel ab 50 mg Fluor pro Kilogramm, berichtet der TÜV SÜD. In Deutschland und Österreich gilt die EU-weite Regel.

Verbot von PFAS: Was für Pfanne, Backpapier und Heißluftfritteuse gilt

Beschichtete Pfannen und Heißluftfritteusen fallen nicht unter die neue Regel, Backpapier dagegen schon. Als Papier mit Lebensmittelkontakt muss es ab dem 10. Oktober die Grenzwerte einhalten. PTFE-Beschichtungen in Kochgeschirr bleiben erlaubt, bis die universelle PFAS-Beschränkung womöglich etwas anderes regelt. Was an den Schlagzeilen zu Airfryern dran ist, klärt der Faktencheck Heißluftfritteuse und PFAS-Verbot 2026.

Woran erkenne ich PFAS-freie Produkte im Laden?

Ob PFAS in Produkten enthalten sind, erkennst du am zuverlässigsten an einer konkreten Herstellerangabe plus unabhängigem Siegel. Bei Textilien schließen GOTS 7.0 alle PFAS einschließlich PTFE und der Blaue Engel DE-UZ 154 PFC-Ausrüstungen aus. Bei Kosmetik hilft die INCI-Liste ohne „PTFE“ und „fluoro“. Die Verbraucherzentrale rät, bei Begriffen wie „ölabweisend“, „oleophob“ oder „fleckgeschützt“ genau nachzufragen, denn sie deuten auf mögliche Fluorchemie hin.

Fazit: PFHxA ist raus, PFAS bleiben ein Kaufkriterium

25 ppb PFHxA: Mehr darf ab dem 10. Oktober 2026 nicht mehr in neuer Kleidung, in Schuhen, Imprägniersprays, Kosmetik und Pizzakartons stecken. Die Regel schließt eine Lücke, die nach dem Aus für die langkettigen Vorgänger entstanden war, verbietet aber nur einen Stoff aus einer Gruppe von rund 10.000. Unsere Einschätzung: „PFHxA-frei“ ist ab jetzt Pflicht und kein Pluspunkt mehr, „ohne PFAS“ mit Siegel dagegen weiterhin ein echter Unterschied. Beim nächsten Jackenkauf fragst du deshalb nach Imprägnierung und Membran, schaust auf GOTS, bluesign oder Blauen Engel und behältst reduzierte Altware kritisch im Blick. Deine alte Jacke trägst du einfach weiter.

Quellen und weiterführende Informationen