Hafer ist mit 66 Prozent Käuferreichweite der beliebteste Pflanzendrink in Deutschland, vor Mandel (44 %), Soja (32 %) und Kokos (23 %). Klimatechnisch sind Pflanzendrinks Kuhmilch klar überlegen: Hafer verursacht bis zu 78 Prozent weniger CO₂. Steuerlich sieht es anders aus – Pflanzendrinks zahlen 19 Prozent Mehrwertsteuer, Kuhmilch nur 7. Dieser Vergleich zeigt, welche Sorte sich wofür eignet, was wirklich drinsteckt und wo der Steuerstreit gerade steht.
Pflanzendrinks: Marktdaten, Preise und Steuerlogik
47 Prozent der Deutschen konsumieren Pflanzendrinks zumindest gelegentlich, 18 Prozent regelmäßig (YouGov 2025)
Preisspanne im Handel: 0,95 bis 3,05 Euro pro Liter (Öko-Test 2023, Bio-Eigenmarken am günstigsten)
Durchschnittliche Kalorien pro 100 ml: Kokos 14, Mandel 13–21, Soja 38, Hafer 46, Reis 47
CO₂-Fußabdruck pro Liter: Hafer 0,3 kg, Soja ~0,7 kg, Reis 1,2–1,4 kg, Kuhmilch 1,1–1,4 kg (ifeu, UBA)
Mehrwertsteuer in Deutschland: 19 Prozent auf Pflanzendrinks, 7 Prozent auf Kuhmilch (Stand 2026)
Marktwachstum bis 2030: 8,1 Prozent CAGR jährlich (Grand View Research)
Haferdrink und Hafermilch: der Marktführer mit vielen Kohlenhydraten
In deutschen Kühlschränken ist Haferdrink heute Standard. Er liegt mit rund 46 Kalorien pro 100 Milliliter im oberen Bereich der Pflanzendrinks, bringt dafür aber natürliche Ballaststoffe und ein dezent getreidiges Aroma mit. Lebensmittelrechtlich darf das Produkt nur „Drink" heißen – gemeint ist trotzdem Hafermilch. Im Müsli passt sie ohne Umschweife, im Kaffee sorgt die Barista-Variante für stabilen Schaum, und beim Kochen und Backen behält sie ihre dezente Süße. Hafer ist gut zum Backen geeignet, weil seine natürliche Süße Teig und Soßen unterstützt, ohne sie zu dominieren. Wer einen verlässlichen Allrounder sucht, ist mit Hafer in fast jeder Anwendung gut bedient.
Hafer enthält viele Kohlenhydrate – das macht ihn süß und sättigend
Im Vergleich zu Soja oder Mandel fallen Haferdrinks energiedichter aus. Der Grund liegt im Rohstoff: Hafer enthält viele Kohlenhydrate aus Getreidestärke, die bei der Herstellung teilweise enzymatisch in Zucker umgewandelt werden. Genau diese natürliche Süße erklärt, warum ein Haferdrink ohne zugesetzten Zucker süßlich schmeckt. Für viele ist das ein Plus: Die Kohlenhydrate sättigen länger und liefern Energie für den Tagesstart. Wer Kalorien sparen will, greift dagegen besser zu Mandel- oder Kokosdrink.
Pflanzendrinks lassen sich grundsätzlich in fünf Rohstoffgruppen einteilen: Getreidedrinks (Hafer, Dinkel, Reis), Hülsenfrüchte (Soja, Erbsen, Lupinen), Nussdrinks (Mandel, Cashew, Haselnuss), Pseudogetreide (Buchweizen, Quinoa) und Kokos. Der Herstellungsprozess ähnelt sich überall: Der Rohstoff wird gemahlen, mit Wasser eingeweicht, gekocht oder fermentiert, gefiltert und pasteurisiert. Auf der Verpackung steht „Drink" oder „Getreidegetränk" – die EU reserviert die Bezeichnung „Milch" für tierische Produkte aus Kuh, Schaf, Ziege oder Pferd.
Für Menschen mit Laktoseintoleranz oder Milcheiweißallergie sind Pflanzendrinks die naheliegende Alternative zu Kuhmilch. Wer auf Gluten verzichten muss, greift zu Reis-, Mandel- oder einem als glutenfrei zertifizierten Haferdrink – Dinkelmilch fällt bei Zöliakie aus.
Sojadrink, Lupinendrink und Erbsendrink: eiweißreicher Milchersatz
Beim Eiweiß führt Soja das Feld an: 3 Gramm Protein pro 100 Milliliter, fast so viel wie Kuhmilch (3,3 g). Hergestellt wird Sojadrink aus Sojabohnen, die eingeweicht, fein gemahlen und teilweise per Fermentation aufgeschlossen werden. Das Ergebnis schäumt im Kaffee stabil, weil das pflanzliche Eiweiß hitzebeständig bleibt – für Kaffeespezialitäten wie Latte Macchiato oder Cappuccino ist Sojadrink darum eine erste Wahl. Geschmacklich bringt er eine leichte Heunote mit, die in Soßen, Salatdressings oder Milchschaum kaum auffällt; im puren Glas Wasser dagegen schon eher.
Lupinendrink (2,3 g Protein pro 100 ml) und Erbsendrink (rund 3 g) sind die regional verfügbaren Alternativen. Lupinen wachsen in Mitteleuropa und liefern zusätzlich Kalium und Magnesium. Im Aroma ähneln sie dem Sojadrink, schmecken aber milder. Wer sich rein pflanzlich ernährt und auf Eiweiß achtet, findet hier den passenden Milchersatz – etwa für ein eiweißreiches veganes Frühstück mit Müsli und Porridge.
Mandeldrink, Reisdrink und Kokosdrink: nussige Pflanzendrinks und ihr Aroma im Vergleich
Mandeldrink ist die kalorienärmste Sorte im Sortiment: 13 bis 21 Kalorien pro 100 Milliliter, dafür kaum Eiweiß. Sein nussiges Aroma erinnert an Marzipan und prägt – gemeinsam mit dem Haselnussdrink – die Kategorie der nussigen Pflanzendrinks. Beide passen besonders gut zu Smoothies, Porridge und Desserts. Reisdrink hat dagegen einen neutralen Geschmack, mild und unauffällig, und ist damit die erste Wahl für Allergikerinnen und Allergiker. Als alleinige Milchalternative für Kleinkinder eignet er sich allerdings nicht – Öko-Test wies in Reismilch erhöhte Arsengehalte von bis zu 46 µg pro Liter nach.
Wie nussiges Aroma in Mandel- und Haselnussdrink entsteht
Nussiges Aroma im Mandeldrink stammt aus den fettlöslichen Aromastoffen der Mandel selbst – allen voran Benzaldehyd, jener Stoff, der auch Marzipan seine charakteristische Note verleiht. Beim Haselnussdrink kommen geröstete Aromen dazu, was ihn würziger und kräftiger schmecken lässt. Beide Drinks sind im Geschmack ausdrucksstark und harmonieren gut mit Schokolade, Kaffee und winterlichen Gewürzen wie Zimt oder Vanille. Wer ein dezenteres Profil möchte, mischt sie in kleinen Mengen mit Hafer- oder Reisdrink.
Wer es süßer mag, findet alle Sorten auch in Geschmacksrichtungen wie Vanille oder Schokolade – diese enthalten dann zugesetzten Zucker. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, die Sorte regelmäßig zu wechseln. Pflanzendrinks können wie andere pflanzliche Lebensmittel Schimmelpilzgifte enthalten – ein Wechsel zwischen Hafer-, Soja- und Mandeldrink reduziert die Aufnahme einzelner Schadstoffe.
Kokosmilch und Kokosdrink: zwei Produkte, ein häufiger Irrtum
Kokosdrinks aus dem Tetrapak liefern nur 13 bis 14 Kalorien pro 100 Milliliter – sie sind dünn, kalorienarm und vergleichsweise nährstoffarm. Verwechseln sollte man sie nicht mit Kokosmilch zum Kochen, die deutlich fetthaltiger ist und in der Dose verkauft wird. Cremige Hafer-Barista-Versionen liefern beim Aufschäumen mehr Mundgefühl als der wässrige Kokosdrink. Im Müsli oder Smoothie funktioniert er als leichter Begleiter – als alleiniger Milchersatz im Alltag taugt er kaum.
Wer eine breite Auswahl an Bio-Pflanzendrinks und kleinen Manufakturen sucht, findet im Verzeichnis von greenya.de – der Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997 – über 27.000 nachhaltige Anbieter, darunter zahlreiche regionale Hersteller von Milchalternativen.
Nährwerte und Inhaltsstoffe: welche Nährstoffe und Vitamine in Pflanzendrinks stecken
Inhaltsstoffe und Nährwerte unterscheiden sich zwischen den Sorten erheblich – die pauschale Aussage „pflanzlich gleich gesünder" greift zu kurz. Zur Einordnung: Kuhmilch liefert in 100 Milliliter Vollmilch rund 65 Kalorien, 3,3 Gramm Eiweiß, 4,8 Gramm Kohlenhydrate (davon Milchzucker) und 3,5 Gramm Fett – mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren und Cholesterin. Pflanzendrinks sind dagegen cholesterinfrei, in der Regel kalorienärmer und liefern höhere Anteile an ungesättigten Fettsäuren. Vitamine und Mineralstoffe wie Calcium, Jod oder Vitamin B12 stecken aber von Natur aus kaum drin – sie müssen meist gezielt zugesetzt werden.
Beim Fettgehalt zeigen sich deutliche Unterschiede: Magere Reis- oder Haferdrinks liegen bei 1 bis 1,5 Gramm Fett pro 100 ml, Kokos- oder Mandeldrink bei 1,2 bis 3 Gramm. Getreidebasierte Drinks wie Hafer und Dinkel enthalten viele Kohlenhydrate und natürliche Ballaststoffe – sättigend, aber tendenziell süßer.
Was vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern unklar bleibt: Calcium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12 fehlen in Pflanzendrinks weitgehend. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt deshalb, beim Wechsel von Kuhmilch auf Pflanzendrinks gezielt zu Produkten zu greifen, die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind – also Drinks, denen Calcium, Vitamin B12 und Vitamin D zugesetzt wurden. Manche Hersteller setzen zusätzlich Ballaststoffe wie Inulin und Leinöl als Quelle für Omega-3-Fettsäuren ein. Ein Liter angereicherter Sojadrink kann den Tagesbedarf an Calcium ähnlich gut decken wie ein Liter Kuhmilch (jeweils etwa 240 mg pro 100 ml).
Bio-Drinks: warum hier kein Calcium und kein Vitamin B12 zugesetzt sein darf
Hier wird es paradox: Laut EU-Bio-Verordnung dürfen Bio-Pflanzendrinks nicht mit Vitaminen oder Mineralstoffen angereichert werden. Wer also bewusst zu Bio greift, verzichtet automatisch auf zugesetztes Calcium und Vitamin B12. Diese Nährstoffe lassen sich aber gut aus anderen Quellen decken: Vitamin B12 über Supplemente, Jod über jodiertes Speisesalz, Calcium über calciumreiches Mineralwasser oder grünes Gemüse wie Brokkoli und Grünkohl.
Wer einen konventionellen, angereicherten Drink wählt, sollte ihn vor dem Verzehr gut schütteln. Calcium ist in der Flüssigkeit schlecht löslich und setzt sich am Boden ab. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt zudem, in der Zutatenliste auf Calciumcarbonat oder Lithothamnium calcareum zu achten – diese Formen kann der Körper besser aufnehmen als Tricalciumphosphat. Künstliche Phosphate werden von Öko-Test grundsätzlich abgewertet, weil große Mengen die Nieren belasten können.
Pflanzendrinks und Kuhmilch sind nährstofflich nicht 1:1 austauschbar – sie bringen unterschiedliche Stärken mit, je nach individuellem Bedarf.
Wie nachhaltig sind Pflanzendrinks im Vergleich zu Kuhmilch?
Bei der Klima- und Umweltbilanz ist die Sache eindeutig: Pflanzendrinks schneiden ohne Ausnahme besser ab als die Produktion von Kuhmilch. Das zeigen die Ökobilanzen des ifeu Heidelberg, des Umweltbundesamts und die viel zitierte Oxford-Studie von Joseph Poore und Thomas Nemecek (2018) übereinstimmend. Konkret: Kuhmilch verursacht etwa 1,1 bis 1,4 kg CO₂-Äquivalente pro Liter, ein Liter Hafermilch nur rund 0,3 kg – das ist viermal weniger.
Beim Wasserverbrauch wird der Unterschied noch drastischer. Für einen Liter Kuhmilch werden laut Stiftung Warentest rund 250 Liter Wasser benötigt – Futteranbau, Tränken und Reinigung zusammengenommen. Für einen Liter Haferdrink reichen 3,4 Liter. Auch der Flächenbedarf liegt bei Hafer um über 90 Prozent niedriger.
Zwischen den Pflanzendrink-Sorten gibt es allerdings deutliche Unterschiede. Hafer schneidet als heimisches Getreide am besten ab. Soja hat trotz seines schlechten Rufs eine gute CO₂-Bilanz – wichtig zu wissen: 77 Prozent des weltweiten Sojaanbaus landen in Tierfuttertrögen, nur 2,1 Prozent gehen in Sojadrinks. Europäische Hersteller beziehen ihr Soja überwiegend aus Italien, Frankreich oder Österreich, ganz ohne Regenwaldrodung.
Mandeldrinks sind ökologisch ambivalent. Mandeln aus Kalifornien verschlingen rund 371 Liter Wasser pro Liter Drink, schaden Bienenpopulationen durch Monokulturen und werden weit importiert. Wer Mandeldrink bevorzugt, sollte auf europäischen Anbau – Italien oder Spanien – und Bio-Qualität achten. Reisdrinks haben mit 1,2 bis 1,4 kg CO₂ pro Liter die schwächste Klimabilanz unter den Pflanzendrinks, weil Nassreisanbau Methan freisetzt. Trotzdem: Auch Reisdrink schneidet noch um etwa 60 Prozent besser ab als Kuhmilch.
Die Albert-Schweitzer-Stiftung bringt es auf den Punkt: Die Herkunft der Rohstoffe ist für die Ökobilanz entscheidend. Ein Haferdrink aus deutschem Hafer hat einen geringeren Fußabdruck als ein importierter Mandeldrink aus Kalifornien. Wer den Klimaschutz ernst nimmt, achtet auf drei Kriterien: heimischer Rohstoff (Hafer, Dinkel, Lupine, deutsches Soja), Bio-Zertifizierung und kurze Transportwege. Die ökologische Reihenfolge: Hafer, Lupine, Dinkel, Soja (europäisch), Erbse – dahinter Mandel (europäisch), Kokos und Reis. Selbst bei optimaler Bio-Weidehaltung bleibt Kuhmilch klimatisch unterlegen.
Warum zahlen Pflanzendrinks 19 Prozent Mehrwertsteuer?
Während Kuhmilch in Deutschland mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent belegt ist, fallen auf Pflanzendrinks volle 19 Prozent an. Der Grund liegt im Umsatzsteuergesetz: Es behandelt Kuhmilch als Grundnahrungsmittel, Pflanzendrinks dagegen als „normale Getränke" – unabhängig vom Pflanzenanteil. Diese Einordnung stammt aus einer Zeit, in der Hafer-, Soja- und Mandeldrinks noch Nischenprodukte waren und längst nicht in jedem Supermarktregal standen.
Im Geldbeutel ist die Differenz spürbar: Wer regelmäßig Pflanzendrinks kauft, zahlt rund 12 Cent pro Liter mehr – allein durch die unterschiedlichen Steuersätze. Bei zwei Litern Konsum pro Woche summiert sich das auf gut 12 Euro pro Person und Jahr. Im Café wird der Effekt noch deutlicher: Ein Latte Macchiato mit Haferdrink kostet den Gastronomen steuerlich mehr als derselbe Latte mit Kuhmilch – obwohl der Gast den pflanzlichen Drink häufig aus Klimaschutzgründen bestellt.
Im Juli 2025 starteten REWE, Oatly, vly und Berief deshalb eine Petition unter dem Titel „Gemeinsam für 7 Prozent – auch auf Pflanzendrinks". Sie führen drei Argumente ins Feld: Erstens benachteilige die höhere Steuer Menschen mit Laktoseintoleranz, Milcheiweißallergie oder bestimmten Ernährungspräferenzen. Zweitens widerspreche sie den Klimazielen – die Produktion von Pflanzendrinks verursacht laut EAT-Lancet-Kommission deutlich weniger Emissionen. Drittens sei Deutschland im EU-Vergleich Schlusslicht: Frankreich, Tschechien und Portugal besteuern Kuhmilch und Pflanzendrinks bereits gleich. Eine Umfrage von Danone und INNOFACT vom Oktober 2025 untermauert die Forderung: 61 Prozent der Deutschen sprechen sich für einen reduzierten Steuersatz aus, doch nur 34 Prozent wussten überhaupt von der bestehenden Differenz.
Auch volkswirtschaftlich ist eine Angleichung sinnvoll. Eine Studie des Institute for Policy Evaluation beziffert den Steuerausfall bei einer Senkung auf 7 Prozent auf rund 40 Millionen Euro jährlich – dem stehen reduzierte Klimafolgekosten von rund 62,4 Millionen Euro durch geringere CO₂-Emissionen gegenüber. Per Saldo wäre die Reform ein Plus für die Staatskasse. Im Steueränderungsgesetz 2025, das die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie ab 1. Januar 2026 dauerhaft auf 7 Prozent senkte, blieben Getränke ausdrücklich ausgenommen – Pflanzendrinks inklusive. Solange die Politik nicht handelt, zahlen Verbraucherinnen und Verbraucher weiter den steuerlichen Aufpreis.
Pflanzendrinks im Test: Bio schlägt konventionell
Die wichtigsten Tests stammen von Öko-Test und Stiftung Warentest. Im Öko-Test-Großtest mit 36 Haferdrinks (Stand 2023, weiterhin gültig) erhielten 30 von 31 getesteten Bio-Produkten die Bestnote „sehr gut" – darunter dm Bio Hafer Drink Natur, enerBiO Hafer Drink Natur Naturland (Rossmann), Voelkel Hafer Drink Glutenfrei, Allos Bio-Haferdrink und Oatly Hafer Bio. Konventionelle Haferdrinks schnitten dagegen messbar schwächer ab.
Die folgende Tabelle vergleicht die Hauptsorten anhand der zentralen Kriterien:
Sorte | Kalorien (kcal/100ml) | Protein (g/100ml) | CO₂ (kg/L) | Wasser (L/L) | Preis (€/L) | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|---|---|
Haferdrink | 46 | 0,5–1,0 | 0,3 | 3,4–48 | 0,95–3,05 | Allrounder, Müsli, Kaffee |
Sojadrink | 38 | 3,0 | 0,7 | 28 | 1,20–2,80 | Backen, Kaffee, Eiweiß |
Mandeldrink | 13–21 | 0,3–0,5 | 0,7 | 371 | 1,80–4,50 | kalorienarm, Smoothies |
Reisdrink | 47 | 0,1–0,3 | 1,2–1,4 | 270 | 1,40–2,90 | Allergiker, neutral |
Kokosdrink | 14 | 0,1 | 0,8 | 50 | 1,80–3,50 | exotisch, Desserts |
Dinkeldrink | 45 | 0,5–1,0 | 0,4 | 8 | 1,90–3,50 | Müsli, leicht süß |
Lupinendrink | 78 | 2,3 | 0,5 | 35 | 2,80–5,00 | Eiweiß, regional |
Kuhmilch (3,5 %) | 65 | 3,3 | 1,1–1,4 | 250 | 1,00–1,80 | Vergleichswert |
An den Tests gab es konkrete Kritikpunkte: zugesetzte künstliche Phosphate, überflüssige Vitaminzusätze (Vitamin D und B2 stecken ohnehin in vielen pflanzlichen Lebensmitteln), unnötige Aromen und – in einem dokumentierten Fall – Schimmelpilzgifte. Der „Velike! Bio Haferdrink Natur" von Black Forest Nature fiel mit der Note „mangelhaft" durch: Schon 250 Milliliter überschritten den EFSA-Grenzwert für T-2/HT-2-Mykotoxine.
Stiftung Warentest hat 18 Haferdrinks geprüft und 14 davon mit „gut" bewertet – elf trugen ein Bio-Siegel. Bei Sojadrinks fanden die Tester in einigen Produkten erhöhte Nickelwerte. Daraus folgt eine einfache Empfehlung: regelmäßig zwischen Hafer und Soja wechseln, um die Aufnahme einzelner Schadstoffe zu begrenzen.
Empfehlung der Tester: günstige Bio-Eigenmarken vor teuren Markenprodukten
Eine zentrale Erkenntnis aus Öko-Test: Die Bio-Eigenmarken der Discounter und Drogerien – dm, Rossmann, Edeka Bio, Alnatura – schneiden in der Regel besser ab als doppelt so teure Markenprodukte. Der dm Bio Hafer Drink Natur kostete zur Testzeit 0,95 Euro pro Liter und bekam die Bestnote „sehr gut". Oatly Hafer Calcium kostete dreimal so viel und kam nur auf „befriedigend". Anders gesagt: Beim Pflanzendrink sagt das Bio-Siegel mehr über die Qualität aus als der Preis.
Pflanzendrinks sind heute keine Premium-Nische mehr, sondern ein gut entwickelter Markt mit klaren Qualitätsstandards.
Häufige Fragen zu Pflanzendrinks
Diese fünf Fragen tauchen rund um Pflanzendrinks immer wieder auf – mit kompakten Antworten zu Kalorien, Eiweiß, Nachhaltigkeit und Bio-Qualität.
Welcher Pflanzendrink hat am wenigsten Kalorien?
Mandeldrink und Kokosdrink haben mit 13 bis 21 Kilokalorien pro 100 Milliliter wenig Kalorien – vorausgesetzt, sie sind ungesüßt. Das ergab ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Damit liegen sie deutlich unter Kuhmilch (65 kcal in der Vollmilch, 45 kcal in fettarmer Milch). Sojadrinks bewegen sich mit durchschnittlich 38 kcal pro 100 ml im Mittelfeld, Haferdrinks enthalten mit 46 kcal die meisten Kalorien unter den Pflanzendrinks. Wer abnehmen oder Kalorien sparen möchte, sollte einen Blick auf die Verpackung werfen: Barista- und Schokoladenversionen sind oft deutlich kalorienreicher und enthalten zugesetzten Zucker. Ungesüßte Varianten haben dagegen weniger Zucker und sind in der Regel die bessere Wahl.
Welcher Pflanzendrink hat die meisten Proteine?
Sojadrink ist mit etwa 3 Gramm Eiweiß pro 100 Milliliter der proteinreichste Pflanzendrink und kommt am ehesten an Kuhmilch (3,3 g) heran. Dahinter folgen Lupinendrink (2,3 g) und Erbsendrink (rund 3 g). Hafer-, Mandel- und Reisdrinks liefern dagegen nur 0,1 bis 1 Gramm Protein pro 100 Milliliter. Das Max Rubner-Institut bescheinigt Sojadrinks eine besonders gute Proteinqualität. Wer auf Muskelaufbau achtet, sollte zu Soja, Lupine oder Erbse greifen.
Sind Pflanzendrinks gesünder als Kuhmilch?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten – aber für viele Menschen sind Pflanzendrinks die bessere Wahl. Sie sind cholesterinfrei, enthalten weniger gesättigte Fettsäuren und sind oft kalorienärmer. Bei Laktoseintoleranz, einer Milcheiweißallergie oder einer veganen Ernährung sind sie ohnehin die einzige sinnvolle Alternative. Ein nussiger Mandeldrink oder ein cremiger Sojadrink kann den Speiseplan zusätzlich geschmacklich bereichern. Kuhmilch hat dagegen einen Heimvorteil bei den Mikronährstoffen: Calcium, Jod, Vitamin B12 und Vitamin B2 stecken von Natur aus drin – in Pflanzendrinks nur durch gezielte Anreicherung. Wer komplett auf Pflanzendrinks umsteigt, sollte deshalb zu angereicherten Produkten greifen oder die fehlenden Nährstoffe aus anderen Quellen einplanen.
Welcher Pflanzendrink ist der nachhaltigste?
Haferdrink hat unter den Pflanzendrinks die beste Ökobilanz – mit nur 0,3 kg CO₂-Äquivalenten pro Liter (ifeu Heidelberg) und etwa 3,4 Liter Wasserverbrauch pro Liter (Stiftung Warentest). Hafer wächst in Deutschland und Mitteleuropa, braucht wenig Wasser und Pestizide. Auch Lupinen- und Dinkeldrinks aus regionalem Anbau schneiden ökologisch sehr gut ab. Mandel- und Reisdrinks haben dagegen die schlechteste Klimabilanz unter den Pflanzendrinks – schneiden aber immer noch besser ab als Kuhmilch (1,1–1,4 kg CO₂/L). Wer auf Nachhaltigkeit achtet, wählt Hafer aus deutschem Bio-Anbau.
Sind Bio-Pflanzendrinks immer mit Calcium und B12 angereichert?
Nein, Bio-Pflanzendrinks dürfen laut EU-Bio-Verordnung 2018/848 nicht mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert werden. Das ist ein Nachteil gegenüber konventionellen Drinks – besonders für Veganerinnen und Veganer, die auf Calcium und Vitamin B12 angewiesen wären. Wer Bio kauft, sollte diese Nährstoffe gezielt aus anderen Quellen zuführen: B12 über Supplemente (3 µg täglich, DGE-Empfehlung), Calcium über calciumreiches Mineralwasser (über 150 mg pro Liter) und grünes Gemüse, Jod über jodiertes Speisesalz.
Fazit: Pflanzendrinks lohnen sich – mit dem richtigen Blick aufs Etikett
Drei Punkte bleiben aus dieser Analyse hängen. Erstens: Jeder Pflanzendrink schneidet ökologisch besser ab als Kuhmilch – Hafer mit rund 78 Prozent weniger CO₂ am eindrucksvollsten. Zweitens: Der Griff zu Bio-Eigenmarken lohnt sich. Der dm Bio Haferdrink für 0,95 Euro schlägt im Öko-Test viele dreimal so teure Markenprodukte. Drittens: Die 19-Prozent-Mehrwertsteuer auf Pflanzendrinks ist ein politisches Relikt – verbraucherfeindlich, klimapolitisch widersinnig und im EU-Vergleich kaum noch zu rechtfertigen.
Die richtige Wahl hängt am Ende vom Verwendungszweck ab: Hafer für den Allround-Einsatz, Soja für Eiweiß und stabilen Milchschaum, Mandel für kalorienarme Smoothies, Lupine für Eiweiß aus regionalem Anbau. Wer Bio kauft, sollte fehlende Nährstoffe bewusst aus anderen Quellen ergänzen. Und wer im Café einen Latte mit Haferdrink bestellt, zahlt aktuell drauf – bis sich das Steuerrecht ändert, bleibt das ein bewusster Konsumakt.
Quellen und weiterführende Informationen
Albert Schweitzer Stiftung (2025): Zur Ökobilanz von Pflanzenmilch. albert-schweitzer-stiftung.de
Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL, 2024): Kuhmilch versus Haferdrink – Klimabilanz und Umweltwirkung. landwirtschaft.de
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE, 2024): Positionspapier Kuhmilch und pflanzliche Milchalternativen. dge.de
EAT-Lancet Commission (2019): Food in the Anthropocene. thelancet.com
ifeu Heidelberg (2024): Ökobilanz Hafermilch und pflanzliche Alternativen. ifeu.de
Max Rubner-Institut (2024): Nährstoffgehalte von Pflanzendrinks. mri.bund.de
Öko-Test (2023): Hafermilch im Test – 36 Haferdrinks geprüft. oekotest.de
REWE Group (2025): Petition Gemeinsam für 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Pflanzendrinks. rewe-group.com
Stiftung Warentest (2023): Haferdrinks im Test. test.de
Umweltbundesamt (UBA, 2021): Ökobilanz Bio-Weidemilch vs. konventionelle Milch. umweltbundesamt.de
Verbraucherzentrale NRW (2024): Milchalternativen unter der Lupe. verbraucherzentrale.de
YouGov (2025): Kuhmilch oder Pflanzendrink? – Repräsentative Studie. yougov.de