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Regenwasser nutzen: Regentonne, Zisterne und was rechtlich gilt

Regenwasser wird im Garten gesammelt
Aktualisiert: Von greenya Redaktion

Regenwasser nutzen senkt den Trinkwasserverbrauch im Haushalt um bis zu 50 Prozent, weil Toilette, Garten und Waschmaschine kein Trinkwasser brauchen. Eine Regentonne gibt es ab rund 30 Euro, eine komplette Zisternen-Anlage kostet meist 2.000 bis 4.000 Euro. Wichtig: Jede fest installierte Anlage ist meldepflichtig.

Warum sich Regenwasser nutzen lohnt

Regenwasser nutzen heißt, kostenloses Niederschlagswasser dort einzusetzen, wo Trinkwasserqualität gar nicht nötig ist. In Deutschland verbraucht jede Person rund 121 Liter Trinkwasser pro Tag, so das Umweltbundesamt. Davon entfallen etwa 27 Prozent allein auf die Toilettenspülung – Wasser, das problemlos Regenwasser sein könnte.

Das eigentliche Problem ist nicht der Verbrauch im Haus, sondern dass aufbereitetes Trinkwasser für Aufgaben verschwendet wird, die kein sauberes Wasser verlangen. Gartenbewässerung, WC-Spülung und Wäschewaschen lassen sich mit gesammeltem Regen abdecken. Genau hier setzt die Regenwassernutzung an: Sie trennt Trinkwasser von Brauchwasser.

Auf dem deutschen Markt fällt seit Jahren auf, dass die Angebote weit auseinandergehen – von der einfachen Regentonne für den Balkon bis zur unterirdischen Zisterne mit Hauswasserwerk. Wer ohne klares Ziel kauft, landet schnell bei einer überdimensionierten Anlage oder bei einer Tonne, die im Hochsommer nach drei Tagen leer ist. Der erste Schritt ist deshalb immer die ehrliche Frage: nur Garten, oder auch Haus?

Die Begründung für den Aufwand liegt in der Doppelersparnis. Wer Regenwasser nutzt, spart nicht nur Trinkwassergebühren, sondern in vielen Kommunen auch bei der gesplitteten Abwassergebühr. Versickert oder gespeichertes Regenwasser belastet die Kanalisation weniger – das honorieren viele Städte mit einer reduzierten Niederschlagsgebühr.

Im Garten zahlt sich gesammeltes Regenwasser doppelt aus: Es ist kostenlos und kalkarm, was vielen Pflanzen besser bekommt als hartes Leitungswasser. Wer ohnehin auf einen lebendigen Garten setzt, kombiniert die Regentonne sinnvoll mit den Prinzipien aus dem naturnahen Gärtnern und dem torffreien Gärtnern. Regenwasser, torffreie Erde und heimische Pflanzen ergeben zusammen einen Garten, der mit wenig Ressourcen auskommt.

Wofür sich Regenwasser eignet – und wofür nicht

Regenwasser ist überall dort geeignet, wo keine Trinkwasserqualität nötig ist: Gartenbewässerung, Toilettenspülung, Waschmaschine, Putzwasser und Autowäsche. Für die Waschmaschine ist der niedrige Kalkgehalt sogar ein Vorteil, weil er Waschmittel und Entkalker spart. Nicht geeignet ist Regenwasser dagegen für alles, was mit Trinken, Kochen oder Körperhygiene zu tun hat – Duschwasser, Trinkwasser und Wasser zum Zähneputzen müssen Trinkwasserqualität haben. Diese klare Grenze ist nicht nur Empfehlung, sondern bei fest installierten Anlagen rechtlich vorgeschrieben. Wer diese Aufteilung von Anfang an einplant, holt das Maximum heraus, ohne sich um Hygiene oder Vorschriften sorgen zu müssen.

Regenwasser in Zahlen

  • In Deutschland werden pro Person rund 121 Liter Trinkwasser am Tag verbraucht, davon etwa 27 Prozent für die Toilettenspülung (Umweltbundesamt).

  • Eine Regentonne ist ab rund 30 Euro zu haben; größere Modelle mit 200 bis 500 Litern kosten 50 bis 150 Euro.

  • Eine komplette Regenwassernutzungsanlage mit Zisterne, Filter und Pumpe liegt meist bei 2.000 bis 4.000 Euro, mit aufwendigem Erdaushub auch höher.

  • Nach DIN 1989-100 gelten rund 25 bis 30 Quadratmeter Dachfläche pro Person als Richtwert für eine sinnvolle Zisternengröße.

  • Ab einem Zisternenvolumen von etwa 3.000 Litern befreien viele Kommunen ganz oder teilweise von der Niederschlagsgebühr.

  • Die Errichtung einer fest installierten Anlage muss laut Trinkwasserverordnung spätestens vier Wochen vor Baubeginn dem Gesundheitsamt angezeigt werden.

Regentonne oder Zisterne – was passt wann?

Die Entscheidung zwischen Regentonne und Zisterne hängt davon ab, ob nur der Garten oder auch das Haus versorgt werden soll. Eine Regentonne reicht für Beete und Kübel und kostet wenig. Eine Zisterne speichert mehrere Tausend Liter unterirdisch und versorgt auch Toilette und Waschmaschine – mit deutlich höherem Aufwand.

Die Regentonne ist der einfachste Einstieg: aufstellen, an das Fallrohr anschließen, fertig. Im Sommer ist sie allerdings schnell leer, weil das Volumen begrenzt ist. Die Zisterne dagegen überbrückt Trockenphasen, braucht aber Erdarbeiten, eine Pumpe und eine fachgerechte Installation.

Kriterium

Regentonne

Zisterne

Anschaffung

ab 30 Euro

2.000–4.000 Euro (komplett)

Volumen

200–500 Liter

3.000–10.000 Liter

Nutzung

Garten, Balkon

Garten, WC, Waschmaschine

Installation

selbst, ohne Aufwand

Fachbetrieb, Erdaushub

Meldepflicht

nein (nur Garten)

ja, bei Hausanschluss

Mischformen für den Einstieg

Zwischen beiden Extremen gibt es praktische Mittelwege. Mehrere gekoppelte Tonnen, ein flacher Erdtank oder ein Mauertank an der Hauswand erhöhen das Volumen, ohne dass gleich der Bagger anrücken muss. Wer erst einmal testen will, wie viel Regenwasser der eigene Garten tatsächlich schluckt, startet mit einer großen Tonne und rüstet später auf.

Die Wahl ist also keine Glaubensfrage, sondern eine Rechnung aus Bedarf, Dachfläche und Budget. Für reine Gartennutzung ist die Tonne fast immer die richtige Antwort.

Speicherung und Technik: Filter, Pumpe, Überlauf

Eine funktionierende Regenwasseranlage besteht aus mehr als nur einem Tank. Vor dem Speicher sitzt ein Filter, der Laub und Schmutz vom Dach zurückhält. Eine Pumpe befördert das Wasser ins Haus oder in den Garten, und ein Überlauf leitet Überschuss bei Starkregen kontrolliert in Kanal oder Versickerung ab.

Der Filter ist das Herzstück: Ohne ihn verschlammt die Zisterne und das Wasser kippt. Moderne Wirbel- oder Korbfilter reinigen sich weitgehend selbst und sollten ein- bis zweimal jährlich kontrolliert werden. Für die Hausnutzung sorgt ein Hauswasserwerk oder eine Tauchdruckpumpe für den nötigen Druck an Toilette und Waschmaschine.

Trinkwassernachspeisung

Bleibt der Tank in langen Trockenphasen leer, springt eine Trinkwassernachspeisung ein. Sie füllt über einen freien Auslauf nach – niemals über eine direkte Verbindung zur Trinkwasserleitung. Diese physische Trennung ist nicht optional, sondern Vorschrift, weil sonst Brauchwasser ins Trinkwassernetz gelangen könnte.

Beruhigter Zulauf und Überlauf

Damit sich abgesetzte Schwebstoffe am Zisternenboden nicht aufwirbeln, läuft das Wasser über einen beruhigten Zulauf ein. Bei Starkregen leitet ein Überlauf mit Geruchsverschluss das überschüssige Wasser ab – entweder in die Versickerung auf dem Grundstück oder in den Kanal. Eine Versickerung vor Ort ist ökologisch am sinnvollsten, weil sie das Grundwasser anreichert und die Kanalisation entlastet.

Wer die Technik einmal sauber plant, hat über Jahre kaum Wartung. Die jährliche Filterkontrolle und ein gelegentlicher Blick auf die Pumpe genügen.

Welche Vorschriften gelten bei der Regenwassernutzung?

Regenwassernutzung ist in Deutschland erlaubt, aber bei fester Hausinstallation streng geregelt. Nach § 13 Absatz 4 der Trinkwasserverordnung müssen Errichtung und Betrieb einer Anlage dem zuständigen Gesundheitsamt schriftlich angezeigt werden – spätestens vier Wochen vor Baubeginn. Eine reine Gartentonne ist davon nicht betroffen.

Zusätzlich besteht laut der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) eine Mitteilungspflicht gegenüber dem örtlichen Wasserversorger. Der Grund ist hygienischer Natur: Das Versorgungsunternehmen muss wissen, dass im Haus ein zweites Wassersystem existiert.

Strikte Trennung nach DIN 1989-100

Die technische Norm DIN 1989-100 verlangt eine vollständige Trennung von Trinkwasser- und Regenwasserleitungen. Beide Systeme dürfen niemals direkt verbunden sein; zulässig ist nur ein freier Auslauf oder ein zugelassener Systemtrenner. Regenwasserleitungen und Zapfstellen müssen dauerhaft als „Kein Trinkwasser" gekennzeichnet sein, damit niemand versehentlich daraus trinkt.

Diese Regeln klingen aufwendig, schützen aber die Gesundheit und sind bei Planung durch einen Fachbetrieb Routine. Wer die Anzeige beim Gesundheitsamt vergisst, riskiert dagegen Ärger bei der nächsten Kontrolle.

Wie viel Regenwasser kann ich sammeln?

Wie viel Regenwasser zusammenkommt, ergibt sich aus Dachfläche, Niederschlagsmenge und einem Abflussbeiwert für das Dachmaterial. Als Faustformel gilt: Dachfläche in Quadratmetern, multipliziert mit der jährlichen Niederschlagsmenge in Litern pro Quadratmeter, multipliziert mit etwa 0,8 für ein geneigtes Ziegeldach.

Bei rund 800 Litern Jahresniederschlag pro Quadratmeter – ein typischer deutscher Wert – liefert ein 100 Quadratmeter großes Dach also grob 64.000 Liter im Jahr. Das deckt die Gartenbewässerung mehrfach ab und reicht in vielen Haushalten auch für die Toilettenspülung. Nach DIN 1989-100 gelten 25 bis 30 Quadratmeter Dachfläche pro Person als sinnvoller Richtwert für die Zisternengröße.

Entscheidend ist aber nicht die Jahresmenge, sondern die Verteilung übers Jahr. Im nassen Winter läuft die Zisterne über, im trockenen Hochsommer – genau dann, wenn der Garten am meisten Wasser braucht – kann sie leerlaufen. Deshalb wird die Speichergröße nicht auf den Maximalertrag ausgelegt, sondern auf eine realistische Überbrückung von etwa drei trockenen Wochen. Ein zu großer Tank steht den Rest des Jahres halb leer und kostet unnötig viel. Das Dachmaterial spielt ebenfalls mit: Glatte Ziegel leiten fast den gesamten Niederschlag weiter, während begrünte Dächer einen Teil zurückhalten und nur den Überschuss abgeben. Wer die Zahlen vorab grob durchrechnet, vermeidet die häufigste Fehlinvestition – eine Anlage, die nicht zum tatsächlichen Bedarf passt.

Niederschlagsgebühr senken

Ein oft übersehener Vorteil: Wer Regenwasser in einer ausreichend großen Zisterne zurückhält, entlastet die Kanalisation. Viele Kommunen befreien deshalb ab einem Volumen von etwa 3.000 Litern ganz oder teilweise von der gesplitteten Niederschlagsgebühr. Ein Anruf bei der Stadt oder dem Abwasserbetrieb klärt, welche Regelung vor Ort gilt – und ob es eine Förderung für den Einbau gibt.

Die Förderlandschaft ist regional sehr unterschiedlich: Manche Städte bezuschussen Zisternen mit festen Beträgen pro Kubikmeter Speichervolumen oder pro entsiegelter Fläche, andere gewähren gar nichts. Auch ein begrüntes Dach oder eine Versickerungsmulde kann die Niederschlagsgebühr senken, weil weniger Wasser in den Kanal gelangt. Vor der Planung lohnt sich deshalb der Blick in die kommunale Abwassersatzung – dort stehen sowohl die Gebührenstaffel als auch mögliche Zuschüsse schwarz auf weiß.

Die mögliche Trinkwasser-Ersparnis hängt stark von Haushalt und Nutzung ab und sollte nicht pauschal hoch gerechnet werden. Realistisch ist, dass eine gut geplante Hausanlage einen erheblichen Teil des Wassers für Toilette und Garten ersetzt. Wie sich der Wasserverbrauch insgesamt senken lässt, ordnet auch der Überblick zum nachhaltigen Wohnen ein.

Häufige Fragen zur Regenwassernutzung

Rund um Regentonne und Zisterne tauchen im Alltag immer wieder dieselben Fragen auf. Die folgenden Antworten fassen Kosten, Recht und Praxis kompakt zusammen.

Ist Regenwassernutzung genehmigungspflichtig?

Eine reine Gartentonne ist frei und braucht keine Genehmigung. Sobald eine Anlage fest installiert ist und das Haus versorgt, greift die Trinkwasserverordnung: Nach § 13 Absatz 4 muss die Anlage dem Gesundheitsamt angezeigt werden, spätestens vier Wochen vor Baubeginn. Zusätzlich ist der örtliche Wasserversorger nach AVBWasserV zu informieren.

Darf man Regenwasser zum Wäschewaschen nutzen?

Ja, Regenwasser ist für die Waschmaschine geeignet und sogar kalkarm, was Waschmittel spart. Voraussetzung ist eine Anlage nach DIN 1989-100 mit Filter und strikter Trennung vom Trinkwasser. Für Trinken, Kochen oder Duschen ist Regenwasser dagegen nicht zugelassen – dafür bleibt Trinkwasser Pflicht.

Wie groß sollte die Zisterne sein?

Die DIN 1989-100 nennt rund 25 bis 30 Quadratmeter Dachfläche pro Person als Richtwert. Für einen Vier-Personen-Haushalt mit Garten sind Zisternen von 4.000 bis 6.000 Litern üblich. Zu groß bedeutet unnötige Kosten, zu klein heißt häufige Trinkwassernachspeisung. Ein Fachbetrieb rechnet die passende Größe aus Dachfläche und Bedarf aus.

Lohnt sich eine Zisterne finanziell?

Eine Zisterne rechnet sich vor allem über die Niederschlagsgebühr und die Trinkwasserersparnis, amortisiert sich aber je nach Wasserpreis erst nach vielen Jahren. Bei einer Komplettanlage für 2.000 bis 4.000 Euro steht der ökologische Nutzen oft vor dem rein finanziellen. Wer ohnehin baut, profitiert am meisten, weil der Erdaushub schon läuft.

Friert eine Regentonne im Winter kaputt?

Stehendes Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus und kann Tonnen sprengen. Oberirdische Regentonnen werden deshalb im Spätherbst entleert und frostfrei gelagert oder mit geöffnetem Hahn aufgestellt. Unterirdische Zisternen liegen unterhalb der Frostgrenze und sind ganzjährig nutzbar.

Fazit: Erst den Bedarf klären, dann die Technik

Bis zu 50 Prozent Trinkwasser lassen sich im Haushalt durch Regenwasser ersetzen – die Frage ist nur, mit welchem Aufwand. Für den Garten genügt eine Regentonne ab 30 Euro, für die Hausversorgung führt kein Weg an einer Zisterne für 2.000 bis 4.000 Euro und der Anzeige beim Gesundheitsamt vorbei. Mein Rat: Erst ehrlich den Bedarf bestimmen, dann die Anlage planen – und vor dem ersten Spatenstich Gesundheitsamt und Wasserversorger informieren. Ein umfangreiches Verzeichnis von Anbietern rund um Haus und Garten bündelt greenya.de, die Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997.

Quellen und weiterführende Informationen

  • DIN Deutsches Institut für Normung (2019): DIN 1989-100 – Regenwassernutzungsanlagen. din.de

  • Statistisches Bundesamt (2024): Wasserversorgung und Wasserverbrauch privater Haushalte. destatis.de

  • Trinkwasserverordnung (TrinkwV), § 13 Absatz 4: Anzeigepflicht von Anlagen. gesetze-im-internet.de

  • Umweltbundesamt (2024): Wassernutzung privater Haushalte. umweltbundesamt.de

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