Im Januar kommen die wenigsten Lebensmittel direkt vom Feld. Über 80 Prozent des regional verfügbaren Obsts und Gemüses stammen aus Lagerbeständen. Klingt trostlos? Ist es nicht. Denn genau das macht den Januar zum lehrreichsten Monat für alle, die bewusst einkaufen wollen.
Sieben Gemüsesorten kommen auch jetzt direkt vom Freiland: Grünkohl, Rosenkohl, Feldsalat, Lauch, Pastinake, Topinambur und Schwarzwurzel trotzen dem Frost. Chicorée wächst zusätzlich in heimischen Treibereien. Dazu kommen über 20 Sorten aus professioneller Lagerung, die ökologisch besser abschneiden als jeder Import aus Übersee. Ein deutscher Lagerapfel verursacht laut IFEU-Institut nur 0,3 kg CO₂ pro Kilogramm. Flug-Erdbeeren aus Peru kommen auf rund das 37-Fache.
Wer die Spielregeln dieses Monats versteht – was ist Freiland, was ist Lager, was lohnt sich? – kauft klimafreundlicher ein als mit dem prall gefüllten Supermarktregal im Sommer. Dieser Saisonkalender Januar zeigt dir alle Sorten auf einen Blick, mit konkreten CO₂-Daten, regionalen Bezugsquellen und der ehrlichen Antwort auf die Frage, ob Lagerware im Winter die bessere Wahl ist. Im kompletten Saisonkalender findest du alle zwölf Monate im Überblick – und was im Dezember noch Saison hatte.
Was hat im Januar Saison? Obst und Gemüse auf einen Blick
Mehr als 25 Sorten. So viele regionale Lebensmittel stehen im Januar zur Verfügung – als echtes Freilandgemüse, aus unbeheizten Gewächshäusern oder als professionell gelagertes Herbstgemüse. Das ist deutlich mehr, als die meisten vermuten. Die Übersichtstabelle zeigt dir auf einen Blick, woher jedes Lebensmittel im Januar stammt und in welchem Saisonstatus es sich befindet.
Lebensmittel | Freiland DE | Gewächshaus DE | Lager DE | Saisonstatus |
|---|---|---|---|---|
Grünkohl | ✅ | – | – | Hauptsaison |
Rosenkohl | ✅ | – | – | Hauptsaison |
Feldsalat | ✅ (Vlies) | ✅ | – | Hauptsaison |
Lauch / Porree | ✅ | – | – | Hauptsaison |
Chicorée | – | ✅ (Treiberei) | – | Hauptsaison |
Pastinake | ✅ | – | ✅ | Hauptsaison |
Champignon | – | ✅ | – | Ganzjährig |
Endiviensalat | – | ✅ (Folie) | – | Nebensaison |
Radicchio | – | ✅ (Folie) | – | Nebensaison |
Apfel | – | – | ✅ | Lagersaison |
Birne | – | – | ✅ | Lagersaison |
Kartoffel | – | – | ✅ | Lagersaison |
Möhre | – | – | ✅ | Lagersaison |
Rote Bete | – | – | ✅ | Lagersaison |
Sellerie | – | – | ✅ | Lagersaison |
Petersilienwurzel | – | – | ✅ | Lagersaison |
Schwarzwurzel | ✅ | – | ✅ | Hauptsaison |
Topinambur | ✅ | – | – | Hauptsaison |
Weißkohl | – | – | ✅ | Lagersaison |
Rotkohl | – | – | ✅ | Lagersaison |
Wirsing | – | – | ✅ | Lagersaison |
Chinakohl | – | – | ✅ | Lagersaison |
Kürbis | – | – | ✅ | Lagersaison (Spätsorten) |
Zwiebel | – | – | ✅ | Lagersaison |
Knoblauch | – | – | ✅ | Lagersaison |
Was fehlt? Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini und Erdbeeren – sie sind im Januar ausschließlich als Import erhältlich. Wer konsequent regional einkauft, greift stattdessen zu den über 25 heimischen Alternativen in der Tabelle. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt seinen Saisonkalender als Orientierungshilfe – dort sind rund 80 Obst- und Gemüsearten nach Verfügbarkeit im Jahresverlauf aufgeschlüsselt.
Saisonales Obst im Januar: Lageräpfel, Birnen und die Wahrheit über Beeren
Äpfel und Birnen aus deutscher Lagerung bilden im Januar das gesamte regionale Obstangebot. Frisch vom Baum? Gibt es nicht. Aber das muss kein Nachteil sein. Lageräpfel aus kontrollierter Atmosphäre (CA-Lager) halten Vitamine über Monate hinweg stabil, während Importobst per Flugzeug bis zu 1.000 Gramm CO₂ pro Kilogramm und 1.000 Kilometer Transportweg verursacht. Die Verbraucherzentrale stuft deutsche Lageräpfel im Januar als ökologisch sinnvolle Wahl ein.
Rund 55 Prozent der deutschen Apfelernte – etwa 550.000 Tonnen – wandern nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in CA-Lager. Dort wird der Sauerstoffgehalt auf rund 1 Prozent gesenkt und die Temperatur bei 1 bis 4 Grad Celsius gehalten. Das verlangsamt die Reifung so effektiv, dass Boskoop, Jonagold, Topaz, Braeburn und Elstar im Januar noch knackig und aromatisch schmecken. Die IFEU-Studie „Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln" (2020) beziffert den CO₂-Fußabdruck deutscher Lageräpfel auf 0,3 kg CO₂-Äquivalente pro Kilogramm – eingeflogene Äpfel erreichen 0,8 kg CO₂-Äquivalente.
Lagerbirnen: Conference, Alexander und Co.
Birnen aus deutscher Lagerung sind im Januar seltener als Äpfel, aber durchaus verfügbar. Conference und Alexander Lucas zählen zu den wichtigsten Lagersorten. Ihr Fenster schließt sich allerdings schneller: Bis Februar sollten Lagerbirnen verbraucht sein, da sie empfindlicher auf lange CA-Lagerung reagieren als Äpfel. In Bio-Qualität stammen viele Lagerbirnen aus dem Alten Land bei Hamburg oder vom Bodensee.
Beeren und Steinobst: warum Import im Januar keine Lösung ist
Erdbeeren aus Peru, Heidelbeeren aus Chile, Weintrauben aus Südafrika – das Supermarktregal suggeriert im Januar eine Fülle, die ökologisch fragwürdig ist. Flug-Erdbeeren verursachen laut IFEU-Institut rund 11 kg CO₂ pro Kilogramm Frucht. Zum Vergleich: Ein Kilogramm deutscher Lageräpfel kommt auf 0,3 kg. Wer im Winter Beerenhunger hat, greift besser zu tiefgefrorenem heimischem Obst aus der Sommerernte – das schneidet in der Ökobilanz deutlich besser ab als frische Importware.
Unterm Strich ist das Obstangebot im Januar schmal, aber solide. Lagerapfel statt Flug-Erdbeere – wer diese Entscheidung im Supermarkt bewusst trifft, spart pro Einkauf erhebliche Mengen CO₂.
Saisonales Gemüse im Januar: Kohlpower und Wurzelgemüse vom Feld
Der Januar ist Hauptsaison für Wintergemüse, das Frost nicht fürchtet – sondern braucht. Grünkohl, Rosenkohl und Lauch stehen jetzt auf dem Höhepunkt ihres Geschmacks. Dazu kommt eine breite Palette an Wurzel- und Knollengemüse aus professioneller Lagerung. Insgesamt bietet der Januar rund 20 verschiedene Gemüsesorten aus heimischem Anbau.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bestätigt, was Norddeutsche seit Generationen wissen: Grünkohl schmeckt nach dem ersten Frost besser. Das ist kein Mythos. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aktivieren die Pflanzenzellen Enzyme, die Stärke in Zucker spalten. Saccharose, Glucose und Fructose reichern sich im Zellsaft an – ein biologischer Frostschutz, der den Kohl gleichzeitig süßer und milder macht. Rosenkohl, Pastinaken und Schwarzwurzeln profitieren vom gleichen Effekt. Wer im Januar Gemüse mit maximalem Geschmack will, greift zu diesen frostgeprägten Sorten – sie schmecken jetzt besser als zu jedem anderen Zeitpunkt im Jahr.
Grünkohl und Rosenkohl – Frost-Champions vom Freiland
Grünkohl hat seine Hauptsaison von November bis Februar. Im Januar? Bester Zeitpunkt des Jahres. Die wochenlange Frosteinwirkung hat den Zuckergehalt maximiert. Pro 100 Gramm liefert Grünkohl rund 120 mg Vitamin C – mehr als Orangen. Rosenkohl ergänzt das Winterangebot von Oktober bis März, mit 110 mg Vitamin C pro 100 Gramm. Beide wachsen im Freiland und werden bei Bedarf frisch geerntet.
Wurzelgemüse und Kohlsorten aus dem Lager
Kartoffeln, Möhren, Sellerie, Rote Bete, Petersilienwurzel und Zwiebeln stammen im Januar aus der Herbsternte und werden in professionellen Kühllagern aufbewahrt. Die Lagerung erfolgt bei 2 bis 5 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit, was Vitaminverluste minimiert. Laut BZfE behalten Kartoffeln aus fachgerechter Lagerung über 80 Prozent ihres Vitamin-C-Gehalts über den Winter. Weißkohl, Rotkohl, Wirsing und Chinakohl ergänzen die Wintervorräte – sie sind die Basis für Eintöpfe, Aufläufe und fermentierte Klassiker wie Sauerkraut.
Die Gemüsevielfalt im Januar ist größer als beim Obst. Über 20 Sorten stehen zur Wahl, davon sieben direkt aus dem Freiland. Wer saisonal kochen will, hat im Januar vor allem mit Kohl und Wurzelgemüse ein breites Repertoire.
Salat im Januar: Feldsalat, Chicorée und weitere Wintersalate
Feldsalat dominiert den Winter. Kein anderer Blattsalat wächst bei Frost im Freiland – geschützt unter Vlies oder in unbeheizten Folientunneln trotzt er Minusgraden problemlos. Sein nussiges Aroma und der hohe Eisengehalt von 2 mg pro 100 Gramm machen ihn zum wertvollsten Wintersalat überhaupt. Daneben liefern Chicorée, Endiviensalat und Radicchio im Januar Abwechslung auf dem Teller.
Chicorée ist ein Sonderfall. Er wird nicht im klassischen Sinne angebaut, sondern in Dunkelkammern aus Zichorienwurzeln getrieben. Dieses Treibverfahren läuft ganzjährig, erreicht aber im Winter seinen Höhepunkt. Die leichte Bitternote des Chicorées regt die Verdauung an – Bitterstoffe sind im Januar eine willkommene Ergänzung zu den eher milden Kohlgerichten. Endiviensalat und Radicchio kommen aus Folientunneln und bieten ähnliche Bitterstoffprofile.
Kräuter? Schwierig. Frische Kräuter aus deutschem Anbau sind in den kalten Januarwochen rar. Petersilie und Schnittlauch gibt es vereinzelt aus beheizten Gewächshäusern, deren Ökobilanz allerdings ungünstig ausfällt. Sinnvoller: Topfkräuter auf der Fensterbank ziehen oder auf getrocknete Kräuter aus der Sommerernte zurückgreifen. Wer hierzulande im Januar Salat aus deutschem Anbau essen möchte, kommt an Feldsalat und Chicorée kaum vorbei – beide sind geschmacklich und ökologisch die beste Wahl.
Nachhaltigkeit und Lagerware im Januar: CO2-Bilanz, CA-Technik und die Neuseeland-Frage
Deutsche Lageräpfel verursachen im Januar rund 0,3 kg CO₂-Äquivalente pro Kilogramm – Äpfel aus Neuseeland, per Schiff transportiert, kommen auf etwa 0,4 bis 0,5 kg CO₂-Äquivalente. Der Unterschied wirkt auf den ersten Blick gering. Doch die Rechnung kippt mit der Zeit: Je länger deutsche Äpfel im CA-Lager verbleiben, desto höher steigt ihr Energieverbrauch. Ab Juni wird Neuseeland-Ware klimatechnisch günstiger, wie die IFEU-Studie (2020) belegt. Im Januar allerdings ist die Bilanz eindeutig zugunsten der heimischen Lagerware.
Das eigentliche Problem liegt woanders. Lagerung ist nicht gleich Lagerung. Der Unterschied ist enorm. In konventionellen Kühllagern steigt der CO₂-Fußabdruck schneller als in modernen CA-Lagern mit kontrollierter Atmosphäre. CA-Lager reduzieren den Sauerstoffgehalt auf 1 Prozent und senken damit den Stoffwechsel der Früchte drastisch. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) beziffert den Anteil der CA-gelagerten deutschen Äpfel auf rund 55 Prozent der Gesamternte. Verbesserungen wie der Einsatz von 1-MCP (Methylcyclopropen) können den Energiebedarf der Lagerung um bis zu 35 Prozent senken.
Für Gemüse gilt eine ähnliche Logik. Kartoffeln aus deutschem Lager verursachen laut Umweltbundesamt (UBA) etwa 0,4 kg CO₂-Äquivalente pro Kilogramm – inklusive Anbau, Ernte und Lagerung. Importkartoffeln aus Ägypten oder Israel, die im Winter in deutschen Supermärkten auftauchen, überschreiten diesen Wert um das Drei- bis Vierfache. Die Empfehlung ist klar: Lagerware aus der Region schlägt Import – im Januar mehr als in jedem anderen Monat.
Regionale Unterschiede im Januar in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Januar ist nicht gleich Januar. Zwischen Norddeutschland und dem Alpenraum liegen kulinarische Welten – bedingt durch Klima, Tradition und Höhenlage. Die Unterschiede betragen oft zwei bis vier Wochen bei den Saisonzeiten.
In Norddeutschland dominiert Grünkohl den Januar wie kein anderes Gemüse. Die traditionellen „Grünkohlfahrten" in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind fester Bestandteil der Winterkultur. Grünkohl mit Pinkel oder Kasseler gehört hier zum regionalen Speiseplan. Rosenkohl und Lauch ergänzen das norddeutsche Winterangebot.
Süddeutschland setzt stärker auf Wirsing und Chinakohl. Chicorée hat in Bayern und Baden-Württemberg eine größere Bedeutung als im Norden. Die Bodenseeregion liefert dazu Lageräpfel in hervorragender Qualität – Jonagold und Topaz vom Bodensee gelten als Premium-Lagersorten.
In Österreich prägt die Tradition des Wurzelgemüses den Januar. Pastinaken, Petersilienwurzel und Sellerie bilden die Basis für Suppen und Eintöpfe. Die Steiermark und das Weinviertel sind wichtige Lagergemüse-Regionen. AMA Marketing Österreich führt einen eigenen Saisonkalender, der die Verfügbarkeit heimischer Produkte nach Bundesland aufschlüsselt.
Die Schweiz startet mit ähnlichem Lagergemüse in den Januar, allerdings verschiebt die Höhenlage die Saisonzeiten. Im Wallis und in Graubünden endet die Freilandsaison früher, weshalb der Lagerware-Anteil höher ausfällt. Bio Suisse dokumentiert in seinem Saisonkalender detailliert, welche Schweizer Produkte im Januar aus welcher Anbauart stammen.
Für alle drei Länder gilt: Im Januar lohnt sich der Blick auf lokale Erzeuger besonders. Die Unterschiede zwischen einem Wochenmarkt in Kiel und einem Hofladen in der Steiermark sind im Winter größer als im Sommer.
Wo bekomme ich saisonales Obst und Gemüse im Januar?
Regionales Wintergemüse gibt es nicht nur im Bio-Supermarkt. Vier Bezugsquellen lohnen sich. Jede hat ihren eigenen Vorteil – von der Preistransparenz bis zur Frische.
Der Hofladen mit eigener Lagerhaltung bietet im Januar oft Direktverkauf aus dem Erdkeller oder Kühllager. Kartoffeln, Möhren, Rote Bete und Äpfel kommen hier ohne Zwischenhandel zum Verbraucher. Viele Hofläden führen zusätzlich frischen Grünkohl und Rosenkohl aus eigenem Anbau.
Wochenmärkte finden auch im Winter statt – in den meisten deutschen Städten ein- bis zweimal pro Woche. Das Angebot ist im Januar schmaler als im Sommer, aber die Qualität stimmt: Direkt vom Erzeuger bekommst du Freilandgemüse, das am Vortag geerntet wurde. Zertifizierte Anbieter für regionale Lebensmittel findest du auf greenya.de – Deutschlands Plattform für nachhaltiges Leben seit 1997 – mit aktuell über 27.000 gelisteten Anbietern, darunter Hofläden, Bio-Märkte und Wochenmarkt-Betreiber in der gesamten DACH-Region.
Bio-Supermärkte wie Alnatura, Denn's und regionale Bio-Ketten kennzeichnen ihre Ware mit Herkunftsangaben. Achte im Januar gezielt auf das Etikett „Deutschland" oder das jeweilige Bundesland – so vermeidest du Import-Gemüse, das im gleichen Regal liegt.
Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) liefert auch im Winter. Wer einen SoLaWi-Anteil besitzt, erhält wöchentlich eine Kiste mit saisonalem Gemüse – im Januar typischerweise Kohl, Wurzelgemüse und Feldsalat.
Egal welchen Weg du wählst: Frag beim Kauf gezielt nach der Herkunft. Regional und saisonal schließen sich im Januar nicht aus – man muss nur wissen, wo man sucht.
Häufige Fragen zum Saisonkalender Januar
Die wichtigsten Fragen rund um saisonales Einkaufen im Januar – kurz und konkret beantwortet.
Welches Obst hat im Januar Saison in Deutschland?
Frisches Obst aus Freilandanbau gibt es im Januar nicht. Regionale Äpfel (Boskoop, Jonagold, Topaz, Braeburn, Elstar) und Birnen (Conference, Alexander Lucas) sind als Lagerware verfügbar. Laut BLE lagern rund 55 Prozent der deutschen Apfelernte in CA-Lagern und bleiben bis Frühjahr frisch. Tiefgefrorenes Obst aus der Sommerernte ist die klimafreundlichste Alternative zu Import-Beeren.
Welches Gemüse ist im Januar regional erhältlich?
Über 20 Gemüsesorten stammen im Januar aus deutschem Anbau oder deutscher Lagerung. Frisch vom Freiland: Grünkohl, Rosenkohl, Feldsalat, Lauch, Pastinake, Topinambur und Schwarzwurzel. Aus dem Lager: Kartoffeln, Möhren, Sellerie, Rote Bete, Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Chinakohl, Zwiebeln und Kürbis. Aus dem Gewächshaus: Champignons und Chicorée.
Sind Lageräpfel im Januar noch vitaminreich?
Ja. Äpfel aus CA-Lagerung behalten laut Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) einen Großteil ihres Vitamin-C-Gehalts über Monate. Die kontrollierte Atmosphäre mit nur 1 Prozent Sauerstoff verlangsamt den Vitaminabbau erheblich. Ein Lagerapfel im Januar enthält noch etwa 80 Prozent des Vitamin-C-Gehalts der Frischernte.
Was bedeutet „regional" im Januar eigentlich?
Regional bedeutet im Januar vor allem: deutsches Lagergemüse plus Freiland-Wintergemüse. Die Verbraucherzentrale definiert „regional" als Produkte, die in einem Umkreis von maximal 50 bis 100 Kilometern erzeugt und verarbeitet werden. Im Winter erweitert sich dieser Radius faktisch, weil Lagerware aus ganz Deutschland als „regional" gilt – im Gegensatz zu Import aus Spanien oder Übersee.
Welche Salate kann ich im Januar saisonal essen?
Feldsalat wächst im Januar unter Vlies im Freiland und ist der wichtigste Wintersalat. Chicorée kommt aus der Treiberei, Endiviensalat und Radicchio aus Folientunneln. Kopfsalat, Eisbergsalat und Rucola sind im Januar nicht regional verfügbar – sie stammen aus Spanien oder beheizten Gewächshäusern mit hohem Energieverbrauch.
Lohnt sich im Januar der Kauf von Bio-Gemüse besonders?
Bio-Lagergemüse unterliegt strengeren Auflagen bei Lagerschutzmitteln. Konventionelle Kartoffeln werden nach der Ernte mit Keimhemmern wie Maleinsäurehydrazid oder Ethylen behandelt – bei Bio-Ware sind synthetische Keimhemmer verboten. Laut NABU profitieren Verbraucher im Winter besonders von Bio-Qualität, weil die Rückstandsbelastung bei konventioneller Lagerware tendenziell höher ausfällt als bei frisch geerntetem Sommergemüse.
Fazit: Bewusst durch den Januar – mit Kohl, Wurzelgemüse und klarer Lagertransparenz
0,3 kg CO₂ pro Kilogramm Lageräpfel gegen 11 kg für Flug-Erdbeeren – diese eine Zahl fasst den Januar zusammen. Wer regional und saisonal einkauft, trifft im Winter die klimafreundlichste Entscheidung des ganzen Jahres. Grünkohl und Rosenkohl liefern frisch vom Freiland mehr Vitamin C als Orangen. Dazu kommen über 20 Sorten aus dem Lager. Das reicht locker für abwechslungsreiche Winterküche.
Entscheidend bleibt die Transparenz: Freiland, Gewächshaus oder Lager – wer den Unterschied kennt, kauft besser ein. Der Januar ist kein Monat des Verzichts. Er ist der Monat des bewussten Konsums. Nutze Hofladen, Wochenmarkt und den Saisonkalender, um auch im Winter klimafreundlich zu essen – ab Februar wächst das Freilandangebot dann Stück für Stück.
Quellen und weiterführende Informationen
Bio Suisse (2025): Saisonkalender Schweiz – Obst und Gemüse nach Saison. bio-suisse.ch
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung / BLE (2025): Markt und Versorgung Obst. ble.de
Bundeszentrum für Ernährung / BZfE (2025): Der Saisonkalender – Obst und Gemüse. bzfe.de
IFEU-Institut Heidelberg (2020): Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland. ifeu.de
Landwirtschaftskammer Niedersachsen (2024): Grünkohl – voller Geschmack erst nach dem ersten Frost. lwk-niedersachsen.de
NABU (2025): Saisonkalender für Obst und Gemüse. nabu.de
Umweltbundesamt / UBA (2024): Ökobilanz von Lebensmitteln. umweltbundesamt.de
Verbraucherzentrale Bundesverband (2025): Saisonkalender – Obst und Gemüse frisch und regional einkaufen. verbraucherzentrale.de